Zurück in die „alten“ Vergnügungsstätten

Hagen. (tau) Was stand bei den Hagenern am Vorabend des Ersten Weltkriegs im Mittelpunkt des Interesses? Wir setzen unsere Serie „Hagen 1914“ abermals mit einem Blick in die Wochen vor genau hundert Jahren fort.

Es berichtet wieder Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach:

Die Gewerbeausstellung auf der Springe war in den vorausgegangenen Wochen der häufige allabendliche Treffpunkt der Hagener gewesen. Nach dem endgültigen Ende am Sonntag, 5. Juli, konnten sich die Vergnügen und Zerstreuung Suchenden in der Stadt wieder den altvertrauten heimischen Stätten zuwenden.

Viktoria wieder voll

So war am ersten ausstellungslosen Abend bereits das vornehmste Café in der Stadt, das Viktoria am Hauptbahnhof, wieder bis zum letzten Platz gefüllt. Das hatte seinen Grund auch darin, dass an diesem Abend zusätzlich zu der üblichen Orchesterunterhaltung der damals in der Gegend sehr bekannte Opernsänger Bartel Bohres vom Stadttheater Krefeld seinen ersten Auftritt in dem Café hatte. Er war auch mit großem Erfolg auf der Gewerbeausstellung aufgetreten.

Verregneter Konzertdonnerstag

Am Donnerstag, 9. Juli, gab das Städtische Orchester unter Leitung des städtischen Kapellmeisters Hans Pelz abends ab halb neun im Parkhaus bei gleichzeitiger „große(r) Beleuchtung“ des Parkhauses und Anstrahlen von halb zehn bis zehn Uhr der Fontäne des Stadtgartenteichs sein erstes Donnerstagskonzert des Jahres. Diese sommerlichen Konzerte erfreuten sich beim Publikum einer großen Beliebtheit. Doch auch an diesem Donnerstag regnete es, so dass das Konzert statt im Freien im Saal des Parkhauses stattfand.

Volkslieder und -belustigung

Am Donnerstag, 9. Juli, lud das Grand-Café „Weidenhof“ nachmittags ab fünf Uhr zu einem Damen-Kaffe-Kränzchen mit Unterhaltung durch die „schwäbische Nachtigall“, die Volksliedersängerin Eugenie Veigel-Kärn aus Stuttgart, ein.

In der Restauration „Friedrichslust“ in Eppenhausen wurde am Sonntag, 19. Juli, und erneut am Donnerstag, 23. Juli, jeweils ab drei Uhr nachmittags ein „Großes Kinder- und Familienfest“ mit Volksbelustigungen, Feuerwerk und Illumination geboten. Zu den besonderen Attraktionen gehörten ein abends bei eintretender Dunkelheit stattfindendes „Großes Veloziped-[Hochrad]Fahren“ im „brillanten Feuerwerk“ auf dem 25 Meter hohen Hochseil sowie als „sensationelle Neuheit“ ein Feuerwerk als Wasserfall vom Hochseil.

Kinder erhielten zudem an der Kasse kleine Geschenke, und zwar Mädchen eine Schärpe und Jungen eine Fahne oder Kopfbedeckung. Der Eintritt kostete für Erwachsene 25 Pfennige, für Kinder 10 Pfennige.

Kinderfest der Impfgegner

Am Sonntag, 5. Juli, veranstaltete der Hagener Impfgegner-Verein in dem Lokal des Wirts Fritz Kraumendahl in Wehringhausen ebenfalls ein Kinderfest. Im Unterhaltungs- und Vergnügungsbetrieb in der Stadt gab es im Juli 1914 aber auch schlechte Nachrichten. Die Hagener Kinos hatten mit anhaltend rückläufigen Besucherzahlen zu kämpfen. Konnten im Haushaltsjahr 1912/1913 noch rund 702.000 Kinokarten verkauft und für die „Lustbarkeitssteuer“ abgestempelt werden, so waren es im Haushaltsjahr 1913/1914 nur noch ca. 542.000 Karten. Das bedeutete, dass der Kinobesuch in Hagen um fast ein Viertel zurückgegangen war.

Forsetzung folgt.

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