Arbeitgeber mit gemischten Gefühlen

Iserlohn. (rasto) 185 Unternehmen mit etwa 23.500 Beschäftigten beteiligten sich an der Konjunkturumfrage des Märkischen Arbeitgeberverbands (MAV). Ende des Jahres erkundigte sich der Verband nach der wirtschaftlichen Verfassung der heimischen Metall- und Elektro-Industrie. Der Vorsitzende des MAV, Horst-Werner Maier-Hunke, und Geschäftsführer Werner Sülberg stellten die Ergebnisse jetzt der Öffentlichkeit vor.

Der Vorsitzende des Märkischen Arbeitgeberverband, Horst-Werner Maier-Hunke gab zusammen mit Geschäftsführer Werner Sülberg (r.) einen Überblick über die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungshaltung für 2013 angeschlossener Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie (Foto: Rainer Stoye)

„Zum Jahreswechsel hat sich die Geschäftslage der Unternehmen in unserem Gebiet eingetrübt“, sagt Maier-Hunke. „79 Prozent der Betriebe bewerten ihre wirtschaftliche Situation als gut oder befriedigend, vor einem Jahr waren es noch 93 Prozent. Nur jedes fünfte Unternehmen (21%) beurteilt die eigene Lage (Vorjahr: 7%) negativ. Die Rezession im Euro-Raum, die europäische Staatsschuldenkrise und das Abflauen der Weltkonjunktur hinterlassen erste Spuren, ohne dass man schon von einer akuten krisenhaften Situation sprechen kann. Auch die Perspektiven sind unsicher, nur jeder zweite Betrieb erwartet in diesem Jahr bessere oder gleich gute Geschäfte. Die Entwicklung der Auftragslage ist ein wichtiges Indiz dafür, wie der Konjunkturtrend in den kommenden Monaten voraussichtlich verlaufen wird. Momentan deutet auch hier einiges auf eine konjunkturelle Abkühlung der heimischen Metall- und Elektrobetriebe hin, besonders wenn man Maschinenanlagen in südliche Länder der Europäischen Union exportiert. In der Breite ist ein Einbruch jedoch nicht zu erwarten, doch könnte die Dynamik der Auftragseingänge aus In- und Ausland merklich nachlassen.“

Auslandsgeschäft leidet unter „Großwetterlage“

Gegenüber dem Vorjahr beurteilten nur noch knapp die Hälfte (Vorjahr noch 67%) der Unternehmen die Entwicklung der Auftragslage aus dem Inland als besser oder gleich gut. Die Zahl der Betriebe, die die Entwicklung ihrer Auftragslage als schlechter oder gleich schlecht bezeichnen, ist von 31 auf 51 Prozent gestiegen. Doch auch das traditionell gute Auslandsgeschäft leidet unter der wirtschaftlich schwierigen Großwetterlage. Nur noch 47 Prozent (Vorjahr 57%) der an der Umfrage beteiligten Unternehmen bewerten ihre Auftragseingänge als gut bis befriedigend, weil sie nach China, Indien und in andere Weltmärkte exportieren. Hingegen bezeichnen 53 Prozent die Tendenz als gleich schlecht oder schlechter, da die Eurozone mit Spanien, Italien und Griechenland doch erhebliche Probleme zu bewältigen hat. Die verbesserte Währungsstabilität lässt die Produktivität auch in diesen Ländern leicht ansteigen, so dass sich die Eurokrise weiterhin entspannt und in gut drei Jahren der Vergangenheit angehören dürfte.

Es besteht bei weitem kein Anlass, ein Krisenszenario „an die Wand zu malen“. Weil auf Bundesebene der ifo-Geschäftsklimaindex im November und Dezember 2012 zweimal in Folge gestiegen ist. Und auch die aktuelle Ausgabe des KFW-Mittelstandbarometers eine wirtschaftliche Erholung im Frühjahr erwarten lässt. Die Prognosen für das Wachstum legen langsam zu.

Die Ertragslage hat sich in 2012 auf einem soliden Niveau stabilisiert. Ihre gegenwärtigen Erträge bezeichnen 27% der Firmen als gut und weitere 51% als befriedigend. Weniger erfreulich ist die Ertragslage bei den restlichen 22% (Vorjahr: 13%) der Mitgliedsunternehmen. Man erreicht gerade die Null-Linie oder macht sogar Verluste. Auch was die Ertragserwartungen für 2013 angeht, so rechnen 29% (Vorjahr: 23%) der Firmen mit schlechteren Gewinnen.

Personal-Entwicklung und Investitionen

Mit der Verschlechterung der Auftragslage und der gesunkenen Geschäftserwartungen korrespondiert die Entwicklung der Belegschaft. Auch in unserer Region ist der generelle Aufbau von industriellen Arbeitsplätzen zunächst ausgelaufen. So hält sich die Zahl der Unternehmen, die Neueinstellungen planen, und solchen, die über Entlassungen nachdenken, in etwa mit jeweils 9% die Waage. Die überwiegende Mehrzahl der Betriebe (82%) will die Stammbelegschaft halten. Um das zu realisieren, rechnet jedoch jedes vierte Unternehmen in diesem Jahr mit Kurzarbeit.

Trotz der verschlechterten Geschäftslage ist die Ausbildungsbereitschaft nach wie vor hoch. Angesichts der demographischen Entwicklung werden 83% der Unternehmen ihre Ausbildungsquote beibehalten, 9% planen eine Ausweitung.

Bei Investitionsabsichten zeigt sich im Verbandsgebiet die derzeitige Verunsicherung der Industrie. Angesichts der abflauenden Weltkonjunktur wird vorsichtiger agiert. Erweiterungsinvestitionen sind weniger dringlich, da die Produktionskapazitäten nicht voll ausgelastet sind. Auch die im vergangenen Jahr von den Kommunen vorgenommene kräftige Erhöhung der Gewerbe- und Grundsteuer trägt zu Ungunsten neuer Investitionen bei.

In diesem Jahr planen 30 Prozent der Unternehmen angesichts des schwierigen konjunkturellen und politischen Umfeldes, weniger als ursprünglich vorgesehen zu investieren. Andererseits beabsichtigt immer noch jeder vierte Betrieb sein Investitionsbudget zu steigern. Mit einer nachhaltigen Störung ist deshalb in diesem Jahr nicht zu rechnen.