„Architektur leben!“

Dieser Neubau einer barrierefreien Wohngruppe ist im Rahmen des „Tags der Architektur“ demnächst in Hemer zu besichtigen. (Foto: Verfuß)
Dieser Neubau einer barrierefreien Wohngruppe ist im Rahmen des „Tags der Architektur“ demnächst in Hemer zu besichtigen. (Foto: Verfuß)

Iserlohn/Hemer. (Red.) Ein unmittelbares Architekturerlebnis vor Ort verspricht der „Tag der Architektur“ in Nordrhein-Westfalen auch in diesem Jahr wieder zu werden. Genau 437 neue Wohn- und Geschäftshäuser, Bauwerke aller Art, Quartiere, Gärten und Parks werden am 29. und 30. Juni 2013 in 153 Städten und Gemeinden Nordrhein-Westfalens für Besucher geöffnet sein.

„Architektur leben!“ lautet das bundesweite Motto für den Tag der Architektur 2013. – Der beliebte Katalog, in dem alle Objekte in Wort und Bild vorgestellt werden, kann kostenlos bei der Architektenkammer NRW bestellt werden: Architektenkammer NRW, Zollhof 1, 40221 Düsseldorf, Telefon 0211/ 4967-12 oder per E-Mail unter tda@aknw.de. Alle Bauwerke finden sich auch mit Öffnungszeiten in einer Datenbank unter www.aknw.de sowie in einer App zum Tag der Architektur.

Der Tag der Architektur findet in Nordrhein-Westfalen zum 18. Mal statt. Mit neuen und erneuerten Bauwerken sowie Objekten der Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung wird dabei die ganze Breite des Planens und Bauens in NRW erlebbar. Der besondere Reiz ergibt sich aus der Tatsache, dass die große Mehrzahl der Objekte üblicherweise nicht für Interessierte offen steht. Im vergangenen Jahr wollten sich rund 40.000 Architekturfans diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, um aktuelle Architektur hautnah vor Ort zu erleben.

Gezeigt werden in diesem Jahr zahlreiche Privathäuser, aber auch neue Miet- und Eigentumswohnungen, Bauwerke für Büro und Verwaltung, Schule und Bildung, Senioren und Kinder, Handwerk und Gewerbe. Besondere Beachtung erfahren gegenwärtig – gerade im privaten Wohnbereich – Objekte, die sich mit den Herausforderungen des demografischen Wandels befassen.

Wie kann man auch im hohen Alter noch in den eigenen vier Wänden leben? Barrierefreiheit, gute Infrastruktur, dezentrale Pflegeangebote lebendige Nachbarschaften lauten hier die Stichworte.

Auch die Frage der energetischen Optimierung bestehender Gebäude stellt sich für viele Eigentümer angesichts steigender Energiekosten und zunehmender gesetzlicher Vorgaben mit wachsender Dringlichkeit. Interessant sind auch die vielen neuen Kindertagesstätten und Kindergärten, die in jüngster Zeit errichtet wurden, um dem Rechtsanspruch von Eltern auf Betreuungsplätze für Kleinkinder gerecht zu werden.

Kleiner Umbau, große Wirkung

Wie kann ich mit kleinen Umbaumaßnahmen große Raumwirkungen erzielen? Wie kann ich mein geerbtes Wohnhaus aus den 1970er Jahren modernisieren? Was muss ich tun, um mein Haus energetisch auf einen zukunftsfähigen Stand zu bringen? Wie aufwändig ist ein Dachausbau? Wie funktioniert eine Wärmepumpe, wie ein Passivhaus? Was kann ich aus meinem Reihenhausgarten machen? – Fragen wie diese und viele mehr lassen sich am besten im persönlichen Gespräch beantworten und am konkreten Beispiel anschaulich erörtern.

Drei Objekte sind direkt vor der heimischen Haustür zu besichtigen: Eine Industriehalle, eine Kirche und ein barrierefreier Neubau.

Eine gelungene Verwandlung hat diese Industriehalle in Sümmern vollzogen. (Foto: Paul J. Schupstahl)
Eine gelungene Verwandlung hat diese Industriehalle in Sümmern vollzogen. (Foto: Paul J. Schupstahl)

Industriehalle in Sümmern

Die Konversion einer Industriehalle als gelungene Metamorphose ist am Samstag, 29. Juni 2013, von 11 bis 13 Uhr an der Köbbingser Mühle 14 in Sümmern zu besichtigen.

Der Bauherr (Sondergetriebebau) erwarb 2010 die angrenzende Halle einer Feuerverzinkerei zur Umnutzung als Kommissionierhalle. Das kontaminierte Gebäude wurde durch das Architekturbüro rückgebaut und in Stand gesetzt. Entsprechend seinem Konzept wünscht der Bauherr für die Verwaltung eine moderne Stahl- und Glasfassade. Die neu hergerichtete Halle bekam eine minimalistische Fassade aus unbehandelten Lärchenholzbrettern analog zu den großen Holzkisten, in denen die Getriebe verschickt werden.

Barrierefrei in Hemer

Der Neubau einer barrierefreien Wohngruppe steht am Sonntag, 30. Juni 2013, von 14 bis 16 Uhr für Besucher offen. Auf dem ehemaligen Firmensitz der Verfuß GmbH entstand ein innovatives Konzept des Wohn- beziehungsweise Pflegesektors. Im Erdgeschoss wurde eine Wohngruppe für Intensiv-Pflege-Patienten eröffnet. Daneben gibt es sechs barrierefreie Wohnungen im Obergeschoss und einen Pflegedienst im Souterrain. Mit einer Pelletheizung und einer speziellen Lüftungsanlage ist das Haus besonders ökologisch. Das Haus verfügt zudem über ein hochgedämmtes Gründach, so dass es im Gesamtkonzept CO2-neutral ist. Führungen gibt es um 14 und 15 Uhr.

Eine bauliche Lösung, die zwischen Denkmalschutz und Umnutzung vermittelt, lässt sich in der Hemeraner Ebbergkirche in Augenschein nehmen. (Foto: Dirk Stöver)
Eine bauliche Lösung, die zwischen Denkmalschutz und Umnutzung vermittelt, lässt sich in der Hemeraner Ebbergkirche in Augenschein nehmen. (Foto: Dirk Stöver)

Mehrzweck in der Ebbergkirche

Das Baudenkmal Ebbergkirche ist in Hemer (Ursprungsbau von 1820, ebenfalls geschützter Umbau des Inneren von 1953) ist von einem nur für den Gottesdienst geeigneten Ein-Saal-Bau in eine Mehrzweckanlage umgebaut, die neben dem Gottesdienst auch für Konzerte und andere Veranstaltungen nutzbar ist. Dafür waren zusätzliche Räume wie Foyer, Garderobe, WC, Arbeits- und Musikübungsräume erforderlich. Das Projekt veranschaulicht eine bauliche Lösung im Konflikt zwischen Denkmalschutz und Umnutzung.

Zu besichtigen ist die Ebbergkirche am Samstag, 29. Juni, von 18 bis 20 Uhr und Sonntag, 30. Juni 2013, von 10 bis 14 Uhr. Führungen werden nach Absprache gehalten.