Auf Expansionskurs: Qualität von Seuthe

Hemer. (as) „Geiz ist geil“ lautet eine Werbebotschaft, der nicht nur Konsumenten auf den Leim gehen. Auch immer mehr Firmen verlagern ihre Produktion in so genannte Billiglohn-Länder, um Tiefpreise der Konkurrenten unterbieten zu können. Doch es geht auch anders: Die Firma Seuthe, seit 113 Jahren in Hemer ansässig und Global Player in Sachen Herstellung von Rohr- und Profilschweißanlagen, holt die Fertigung nach Hemer zurück.

Der erste Spatenstich für eine neue Produktionshalle der Firma Seuthe in Hemer: Bürgermeister Michael Esken, Architekt Detlef Jürgens, Sparkassen-Chef Dietmar Tacke und Seuthe-Geschäftsführer Dr. Gerald Schildheuer. (Foto: Seuthe GmbH)

Der erste Spatenstich zu einer neuen Produktionshalle auf dem Seuthe-Gelände an der Deilinghofer Straße ist Bekenntnis zum Standort Hemer und gleichsam eine klare Ausrichtung auf Expansion. Nicht nur die Aufgaben sollen wachsen. Seuthe-Geschäftsführer Dr. Gerald Schildheuer: „Wir werden unser Personal von zurzeit etwa 60 auf 100 Mitarbeiter in zwei, drei Jahren aufstocken.“

„Wir verstehen Deutschland als Motor für technologische Entwicklungen“, sagt Dr. Gerald Schildheuer. Sein „Made in Germany“ ist nach wie vor ein Qualitätsversprechen. „In der Welt ist man bereit, mehr zu zahlen für Qualität“, sagt er. Vor allem wenn es um Spezialmaschinen wie die aus dem Hause Seuthe geht. Qualität aber lässt sich nach Auffassung von Schildheuer nur dann nachhaltig steigern, wenn Vertrieb, Entwicklung, Konstruktion und Fertigung quasi unter einem Dach angesiedelt sind. Denn Kommunikation zwischen den Abteilungen ist für ihn das A und O des Erfolgs. „Wenn’s irgendwo hakt, können sich die Vertreter der verschiedenen Bereiche bereits in der Entwicklungsphase zusammensetzen und miteinander reden“, sagt Gerald Schildheuer.

Produktion in aller Welt?

Früher sah das ein wenig anders aus bei der Seuthe GmbH. „Als wir noch zum Siemens-Konzern gehörten, war auch bei uns vieles ausgelagert“, erläutert Dr. Schildheuer. Da wurden beispielsweise Konstruktionszeichnungen aus Hemer zu den unterschiedlichsten Standorten in aller Welt geschickt. Dort wiederum fertigten fleißige Hände nach diesen Zeichnungen Anlagenkomponenten, die wiederum nach Hemer gesendet wurden, um zu einer Anlage vereinigt zu werden. Probleme müssen zwar nicht auftreten, doch sie können.

„Stellen Sie sich vor, Sie öffnen einen Container, der sechs Wochen von Asien bis nach Hemer unterwegs war und stellen fest, dass der Inhalt nicht den Erwartungen entspricht“, verdeutlicht der Seuthe-Geschäftsführer. Was tun? Alles zurückschicken? Hoffen, dass die Anlagenkomponente beim nächsten Mal hundertprozentig in Ordnung ist? Derartige Verzögerungen untergraben über kurz oder lang den Bezug zur Kundschaft.

Weltweiter Technologieführer

„Die Asienfertigung geht eine Zeit lang gut, aber irgendwann verliert man an Vertrauen“, sagt Dr. Gerald Schildheuer. „Wir stellen schließlich keine Handys in Millionenauflage her, sondern hochspezialisierte Anlagen. Da muss man intensiv im Gespräch bleiben und schnell reagieren können.“ Deshalb sollen die unterschiedlichen Bauteile der Anlagen nun auch wieder in Hemer entstehen.

Denn die Traditionsfirma hat Großes vor. Auf dem Hemeraner Firmengelände werden die Ärmel hochgekrempelt: „Zehn Jahre lang unterlagen wir einem Wettbewerbsverbot. Wir mussten uns auf verhältnismäßig kleine Anlagen konzentrieren“, weiß Schildheuer. Doch dieses Verbot ist jetzt gefallen. Die Seuthe GmbH als weltweiter Technologieführer kann die Fühler nun noch weiter ausstrecken. Dr. Gerald Schildheuer klingt zufrieden: „Wir können jetzt zur ersten Adresse zum Beispiel auch im Pipelinebau werden.“

Expansion bedeutet offene Stellen

Hemer ist für die Seuthe GmbH ein Standort mit viel Potenzial. „Zugegeben, Berlin oder Hamburg mögen vielleicht zunächst attraktiver klingen“, gibt der Seuthe-Geschäftsführer zu. „Aber hier bei uns in der Region werden die Fachkräfte ausgebildet.“ Er setzt auf die klugen Köpfe, die von regionalen Fachhochschulen oder Universitäten kommen. „Beim Personal setzen wir auf die lokale Stärke.“ Der Expansionskurs der Firma spiegelt sich auf auf dem Stellenmarkt wider: „Augenblicklich haben wir zehn offene Stellen im technischen Bereich“, sagt der Geschäftsführer. Neben beruflicher Versiertheit erwartet Schildheuer von den Bewerbern Loyalität und Verbundenheit zum Standort Hemer.

Nach der ersten neuen Produktionshalle muss noch lange nicht Schluss sein. „Wir haben die Möglichkeit, unsere Produktionsflächen zu verdreifachen“, blickt der Geschäftsführer in die Zukunft. „Wir sind mit unserer Situation nicht ganz unzufrieden.“ Keine Frage: „Made in Hemer“ ist auf Expansionskurs.