Aus Männern werden Helden Checkpoint-Projekt: Welche Werte sind tragfähig?

Iserlohn. (as/Red.) Wann ist ein Mann ein Mann? Oder: Wann
ist ein Mann ein Held? Diese Fragen loten Daniel Stadie und Julian Bahr
gemeinsam mit 13 jungen Männern im Alter von 16 bis 24 Jahren aus. „Heroes“
(engl.: Helden) nennt sich das Projekt unter dem Dach des evangelischen
Jugendcafés Checkpoint. Heldenmut haben die Teilnehmer schon jetzt bewiesen.
Denn ihre Aufgabe fordert den ganzen Mann: Sie wollen Orientierungsfiguren
werden – Vorbilder in einer oftmals verwirrenden Welt.
Der Startschuss für das Projekt „Heroes“ fiel im Oktober mit einem
Erlebniswochenende am Sorpesee. Projektleiter Daniel Stadie und Streetworker
Julian Bahr hatten ihre bunte Truppe zusammengetrommelt. Allesamt Jungs
beziehungsweise Männer, die sonst nicht allzu viele Berührungspunkte haben. Sie
haben völlig unterschiedliche soziale und religiöse Hintergründe. Ihre Familien
stammen aus Deutschland, aber auch aus vielen anderen Ländern dieser Welt. Hand
aufs Herz: „Natürliche Freunde“ sehen anders aus. Doch genau hier zeigt sich,
wer das Zeug zum Helden hat: Nur wer jahrelang gehegte Vorurteile über Bord
werfen kann, ist „Hero“-tauglich.
Viele „erlebnispädagogische Aktionen und teamorientierte Spiele“, darunter
ein Nachtgeländespiel, ein Floßbau sowie ein Parcours im Hochseilgarten im
Outdoorzentrum warteten auf die jungen Männer. Sie konnten sich beweisen,
lernten zu vertrauen und sich auf andere Menschen zu verlassen.
Reicht das? Oder was macht einen Helden aus? Was ist wirklich heldenhaft? Mit
diesen Fragen beschäftigte man sich nach getaner Arbeit am Lagerfeuer. Für die
nötige Reflexion und Tiefgang war also gesorgt.
Gerade das Zusammenspiel aus körperlicher Herausforderung und Besinnung
begeistert Daniel Stadie und Julian Bahr gleichermaßen. „Männer brauchen
körperliche Herausforderungen“, sagen sie. Daniel Stadie ergänzt: „Reden bei Tee
und Plätzchen dringt oft nicht zu 100 Prozent durch. Es geht um das Erleben und
Erweitern der eigenen Grenzen. Wer seinen eigenen Körper auf zehn Metern Höhe im
Gleichgewicht halten muss, der erlebt hautnah, was tragfähig ist. Er braucht
Konzentration, eine gehörige Portion Mut und Selbstbeherrschung. Dahinter steckt
ein riesengroßer Lerneffekt. Wir möchten aus diesen nicht-alltäglichen,
spielerischen Herausforderungen Lehren ziehen und diese für den Alltag nutzbar
machen. Es geht um die Frage, welche Werte im echten Leben wirklich tragfähig
sind.“ Mehr noch: „Es geht um die Reifung der Persönlichkeit.“ Denn: Nur wer
lernt, sich körperlich und auch geistig weiter entwickelt, kann eine
Orientierungsfigur, eine Vorbild sein.
„Das ist eine große Aufgabe“, sagen Daniel Stadie und Julian Bahr. „Wir
können nur Impulse geben, zuhören und begleiten. Den Rest müssen die Jungs
selbst machen.“ Das werden sie.
Das Projekt endet im Juni 2017. Bis dahin sind weitere Treffen und Aktionen
geplant. „Wir sind gespannt, wohin uns der gemeinsame Weg führt“, sagen Daniel
Stadie und Julian Bahr. Der Startschuss für die Ausbildung zu echten,
charakterstarken Helden jedenfalls ist gelungen.