Bauernkirche „lebt“

Die so genannte Bauernkirche in der Iserlohner Altstadt ist von ihrem Ursprung her die vielleicht älteste erhaltene Taufkirche des Sauerlandes. Wegen fehlender Finanzmittel sollte sie geschlossen werden - doch der vor knapp einem Jahr gegründete Förderverein konnte mit Hilfe vieler Bürger den Unterhalt des Bauwerks sichern. (Foto: NO)

Iserlohn. (NO) Seit knapp einem Jahr besteht der Förderverein Bauernkirche e.V.; in diesem vergleichsweise kurzen Zeitraum ist es ihm mit der Unterstützung vieler Iserlohner gelungen, die Schließung der möglicherweise ältesten erhaltenen Taufkirche Südwestfalens in Iserlohns Altstadt zu verhindern.

Schon im Spätsommer 2005 wurde bekannt, dass die Bauernkirche wegen fehlender Finanzmittel geschlossen werden sollte. Seitdem setzen sich engagierte Christen und Bürger für den Erhalt des Bauwerks ein. Am 3. Februar vergangenen Jahres schließlich wurde der Förderverein gegründet.

Vorsitzender Horst Fischer: „Durch die Mitgliederbeiträge und zahlreiche Spenden sowohl von Privatpersonen als auch von Iserlohner Unternehmen konnte der jährlich benötigte Betrag von 15.000 Euro zum Unterhalt der Bauernkirche deutlich überschritten werden. Die Iserlohner haben verstanden, dass wir zum Erhalt dieses ältesten Bauwerks verstärkt zur Sache gehen müssen!“

Warum trägt die Bauernkirche eigentlich diesen Namen? Weil in alter Zeit sämtliche umliegenden Dörfer mit ihrer bäuerlichen Bevölkerung diesem weit über Iserlohn hinaus reichenden Sprengel angehörten. Eigentlich ist sie aber nach St. Pankratius benannt, und es sollen sich einst auch einige Reliquien des Heiligen innerhalb ihrer Mauern befunden haben.

Man nimmt an, dass der Vorgänger der heutigen Bauernkirche zwischen 875 und 880 errichtet wurde. Eine Passage in einer alten Chronik berichtet, dass Iserlohn schon um das Jahr 1059 mehr als ein Gotteshaus aufwies. Die Bauernkirche mag im 14. Jahrhundert ihre jetzige Gestalt erhalten haben, ist aber im Kern wesentlich älter, was wohl insbesondere für den massiven Turm gilt.

Ein Rätsel gibt das uralte Relief im Turm auf, das zu Mutmaßungen Anlass gibt, es könnte der Kopf des Sachsenherzogs Widukind sein, zusätzlich ist ein germanisches Symbol-Rad dort zu sehen, sodass einiges für einen Zusammenhang mit der beginnenden Christianisierung im 9. Jahrhundert spricht. Sehr alt dürfte auch die kleine Taufkapelle zwischen dem Querschiff und dem Chor sein.

Außer um 1350 – also in der gotischen Epoche – wurden vor allem im 19. Jahrhundert etliche bauliche Veränderungen vorgenommen. Eine weitere Neugestaltung fand in den Jahren 1967 bis 1969 statt. Dabei wurde leider auch die große Orgel, die sich auf der Empore über dem heutigen Haupteingang befand, entfernt.

Fast 50 Generationen haben die Bauernkirche besucht und geistig in ihr gewohnt. Fördervereinsvorsitzender Horst Fischer ist hinsichtlich ihres Erhalts zuversichtlich: „Die Bauernkirche wird noch vielen Gläubigen ein Ort der Ruhe, Andacht und Besinnung sein. Auch in Zukunft wird es sicherlich Historiker geben, die sich mit der Geschichte des Bauwerks beschäftigen und erkennen werden, dass die Baumeister des frühen Mittelalters für die Ewigkeit gebaut haben!“