Der Adler aus Iserlohn

Iserlohn. (as) Die olympischen Winterspiele in Sotschi haben es geschafft: Deutschland ist im Skisprung-Fieber. Bei der Abschlussfeier am Sonntag, 23. Februar 2014, werden viele an die Goldmedaille von Carina Vogt beim ersten olympischen Frauen-Skisprung-Wettbewerb schlechthin gedacht haben. Oder an den Herzschlag-Wettbewerb, bei dem sich die deutschen Adler auf den ersten Platz hinaufgeschwungen haben.

Einer, der garantiert mitgezittert hat, ist Franz Josef Hilpke. Er ist Mr. Wintersport in Iserlohn. Mr. Langlauf, weil er die Loipen am Hegenscheid, sollte es mal wieder schneien, hegt und pflegt. Und er ist Mr. Skisprung, ein Adler aus Iserlohn sozusagen: Lange hat er dafür gestritten, dass Iserlohn auch weiterhin eine Schanze behält.

Die Eickerkopfschanze im Lägertal, die am 7. Februar 1953 eingeweiht worden war (wir berichteten), wollte er in eine Mattenschanze verwandeln. Anträge liefen, die Matten hätte er aus Oberstdorf bekommen können. Doch schließlich wurden die Pläne, die er der Stadt im Namen des Ski-Klubs Iserlohn Sauerland vorgelegt hatte, abgelehnt. Das war 2002: Das endgültige Aus für Iserlohn als Skisprung-Stadt.

Doch von vorn: Franz Josef Hilpke war immer ein begeisterter Skispringer. Seit seiner Jugend. 1955 war es, als er zum ersten Mal die Eickerkopfschanze hinuntergefahren ist, um sich am Schanzentisch abzudrücken und ins Tal zu segeln. „Das war eigentlich eine Mutprobe“, erinnert er sich. Mit Freunden stand er damals am Fuß der Schanze. „Wenn ihr springt, spring ich auch“, hatten die Freunde ausgemacht. Und sie sind alle gesprungen – „mit drei Tropfen in der Büx“, wie Franz Josef Hilpke erzählt.

Umbau in eine Naturschanze

Der erste Sprung war für Franz Josef Hilpke Auftakt einer großen Skisprung-Begeisterung. „Von 1958 bis 1972 bin ich aktiv gesprungen“, sagt er. Danach war Schluss – auch weil es in der Nähe immer weniger Schanzen gab.

Als Jugendwart war Franz Josef Hilpke viele Jahre für den Ski-Klub Iserlohn/Sauerland aktiv. Auch schon Anfang der 60er Jahre. Jugendwart Hilpke, selbst noch jugendlich, übernahm mit der Ski-Klub-Jugend die Renovierung der Eickerkopfschanze. „Wir haben das Gerüst gestrichen“, erinnert er sich. „Das war eine Sauerei.“

Deshalb keimte die Idee, die Eickerkopfschanze in eine Naturschanze umzubauen. Franz Josef Hilpke nahm dieses Projekt gemeinsam mit der Jugendgruppe des Ski-Klubs in die Hand. In jeder freien Minute wurde im Lägertal geackert, geschaufelt und geschwitzt. „Alles haben wir gar nicht geschafft“, sagt Franz Josef Hilpke. Bei den ganz dicken Steinen, die im Weg lagen, half ein Sprengmeister.

Neues Profil für die Eickerkopfschanze

Mitten in der Umbauphase mussten die Ski-Klub-Jugendlichen mit ihrem Jugendwart noch einmal Umdenken. Denn die Profile der Schanzen wurden laut internationalem Regelwerk geändert. Mit Unterstützung eines heimischen Bauunternehmens begannen die jungen Skisprung-Begeisterten nun, der Eickerkopfschanze ein neues Profil zu verpassen. Und ein wenig größer wurde die Naturschanze auch. „Früher lag der K-Punkt bei 25 Metern, nun lag er bei 31 Metern“, sagt Franz Josef Hilpke.

Der Auslaufhang musste komplett neu angelegt werden. Noch ganz genau erinnert sich Franz Josef Hilpke, wie er gemeinsam mit der Jugendgruppe, oft aber auch allein den Grund bearbeitet hat. Schotter musste verteilt werden, der Hang musste befestigt werden. Rückblickend muss der ehemalige Skispringer schmunzeln: „Eigentlich haben wir mit unserer Arbeit den Boden des Parkplatzes planiert.“ Denn dort, wo einst die Sportler auslaufen sollten, ist nun ein Parkplatz im Lägertal.

Kein Schnee, zu wenige Skispringer

1974 war der Umbau geschafft. Doch nie wieder sollten sich Skispringer die Eickerkopfschanze hinunterstürzen. Winter ohne Schnee verhinderten die Wettkämpfe. Schließlich gab es auch zu wenige aktive Skispringer in der Region.

Die Eickerkopfschanze geriet in Vergessenheit. Bei vielen. Aber nicht bei Franz Josef Hilpke. Erst 2002 wurde er endgültig von der Stadt ausgebremst in seinen Bemühungen, die Sprungschanze zu erhalten.

Dem Wintersport ist er treu geblieben. Und wenn er sich an die alten Sprung-Zeiten erinnern möchte, blättert er in seinen Archiv-Ordnern. So bleibt die Skisprung-Stadt Iserlohn für ihn lebendig. Genau so lebendig wie die schönen Erfolge der deutschen Skispringer und der Skispringerin bei den olympischen Spielen in Sotschi.