Der Traum von einem Beginenhof

Iserlohn. (as) Sie sind ihrem Ziel einen großen Schritt näher gekommen. Gemeinsam mit Architekt Leo Schwering stellten die Frauen des Fördervereins Iserlohner Beginenhof an der Ecke Gerichtsstraße/ Wallstraße nun ein Grundstück vor, auf dem ihr Traum vom Beginenhof wahr werden könnte. 1.800 Quadratmeter groß ist das Grundstück. Hier können bald 20 Wohnungen für Frauen jeden Alters, Gemeinschaftsräume und womöglich sogar gewerblich genutzte Flächen entstehen. Ein weiterer Ausbau ist möglich.

Nun wurde es vorgestellt, das Grundstück, auf dem ein Beginenhof entstehen soll - und der Andrang war beachtlich. (Foto: privat)

Um so groß zu planen, braucht es viele Interessentinnen. Auskunft über das konkrete Bauprojekt Beginenhof und das Beginenwohnen am Baarbach gibt es am Samstag, 28. April 2012, von 11 bis 13 Uhr bei einer Informationsveranstaltung im Fanny-van-Hees-Saal der VHS im Iserlohner Stadtbahnhof.

Im Mittelalter entstanden die ersten Beginenhöfe als Zusammenschluss unabhängiger, selbstständiger Frauen. Die Beginen unterstanden keinem Orden, sie verpflichteten sich keiner kirchlichen Hierarchie. Deshalb mussten sie auch kein Gelübde ablegen und konnten den Beginenhof jederzeit wieder verlassen. Wer als Begine lebte, eröffnete sich als Frau im Mittelalter eine völlig neue Welt. Lernen und Bildung waren in Beginenhöfen möglich. Die Frauen engagierten sich, sie arbeiteten, bewirtschafteten Ländereien und waren ökonomisch unabhängig von ihren Familien, aber auch von der Kirche.

Die Beginenbewegung heute wiederum ist eine Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen. Junge Singlefrauen, alleinerziehende Frauen, verwitwete Frauen, Frauen, die mit beiden Beinen mitten im Berufsleben stehen, oder auch Frauen, die im Alleinleben eine zweite Chance sehen, schließen sich mehr und mehr in generationsübergreifenden und gemeinschaftlichen Wohnprojekten zusammen: Sie leben in Beginenhöfen. Jede lebt in ihrer Wohnung. Und doch ist immer eine Frau in der Nähe, mit der man sich zusammensetzen kann. Gemeinsamkeit ist trotz der getrennten Wohnungen Trumpf: Die mobile Frau hilft der erkrankten bei Besorgungen. Die Rentnerin unterstützt die Berufstätige bei Terminen, die nur in der Arbeitszeit wahrzunehmen sind. Gemeinsame kulturelle, vielleicht auch politische Projekte sind möglich.

Auch für Frauen mit weniger Geld

In Iserlohn haben sich Frauen vor gut drei jahren im Förderverein Beginenhof zusammengeschlossen. Seither arbeiten sie an ihrem Traum, einen Beginenhof in Iserlohn ins Leben zu rufen. Zentral soll der Hof liegen. Über einen Gemeinschaftsraum soll er verfügen, damit Aktivitäten verschiedenster Art von der Hausaufgabenhilfe über Lesungen, Filmabende oder das gemeinsame Spielen möglich sind.

Die Gruppe von zurzeit etwa 15 Frauen sucht noch weitere Interessentinnen. Allein lebende, aber auch allein erziehende Frauen sind willkommen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, als „Außenbegine“ extern zu wohnen und am Gemeinschaftsleben teilzuhaben.

Das Leben in Iserlohn als Begine soll nicht teuer sein: Ziel des Fördervereins ist, dass auch Frauen mit „kleinem Geldbeutel“ sich den Traum, in einem Beginenhof zu leben, erfüllen können.