„Die Stadtmaus“

Iserlohn. (clau) Kinder sollen sich heimisch fühlen in ihrem Umfeld. Dazu gehört es, die eigene Umgebung, die eigene Stadt zu kennen, sich mit ihr zu beschäftigen und sich selbst als ein Teil von ihr zu erleben. Die Schule will die Kinder zu späteren mündigen Bürgern erziehen, die den Raum, in dem sie als Erwachsene aktiv werden und den sie einmal mitgestalten sollen, gut kennen.

Das Gestern und das Heute

Die Pädagogen Hans-Joachim Müller (l.) und Wolf R. Seltmann haben - zusammen mit Grundschullehrerin Angelika Seltmann - die „Stadtmaus“ erschaffen. Das sympathische Nagetierchen bringt auf 47 Seiten Viertklässlern die mittelalterliche Geschichte Iserlohns nahe. (Foto: Claudia Eckhoff)

In den Richtlinien für die Grundschulen ist im Rahmen des Sachunterrichts in der vierten Klasse im Kapitel ,Zeit und Kultur‘ eine Lerneinheit vorgesehen, die den Kindern frühere Epochen – etwa die Steinzeit oder das Mittelalter – auch in Bezug auf ihre eigene Stadt näher bringen soll. Lebensbedingungen anderer Zeitalter sollen die Kinder kennenlernen nicht als trockene spurlos vergangene Geschichte, sondern im lebendigen Bezug zu der heutigen Zeit, zu dem, was sie im Alltag kennen und erleben.

Stadtgeschichte – aber wie?

Wie das im Einzelnen im Unterricht zu vermitteln ist, bleibt weitgehend offen. Lehrer, die diesen Auftrag ernst nehmen und sich um lebendige Stadtgeschichte etwa rund um das Mittelalter bemühen, stehen allein auf weiter historischer Flur. Auf die eigene Stadt maßgeschneidertes Unterrichtsmaterial gibt es nicht.

Autoren-Trio

Oder besser: Gab es nicht. Denn in Iserlohn ist soeben die Schrift „Die Stadtmaus. Ein Buch über die alte Geschichte Iserlohns zum Lernen in der Grundschule“ erschienen.

Verfasst haben es Hans-Joachim Müller und Wolf R. Seltmann, beide pensionierte Pädagogen, die in den Fächern Geschichte und Sozialwissenschaften jahrelang am Gymnasium beziehungsweise an der Gesamtschule Iserlohn tätig waren. Mit im Team war auch Angelika Seltmann, Lehrerin an der Grundschule in Gerlingsen. Sie nimmt ihren Lehrauftrag zur geschichtlichen Sachkunde ernst und hat sich tief in das Thema hineingearbeitet. Herausgekommen ist im Laufe der Zeit eine ausufernde „Zettelwirtschaft“.

Die Stadtmaus hilft

Um das Gesammelte zu formen und zu bewahren und auch um es anderen Iserlohner Kollegen leichter zu machen, haben die drei Autoren sich zusammengetan und die „Stadtmaus“ verfasst.

Kinder aufgepasst: Zeugen der Vergangenheit gibt es noch viele in Iserlohn. Die Bauernkirche gehört zu den ältesten. Natürlich kennt die „Stadtmaus“ sie auch und weiß, dass sie einst auf einer Insel stand. (Foto: Claudia Eckhoff)

Auf rund 50 Seiten im DIN-A4-Format haben sie das Mittelalter in Iserlohn kindgerecht aufgearbeitet. Jeweils eine Doppelseite ist einem Kapitel gewidmet: ,Iserlohn – eine Stadt verändert sich‘, ,Ein Dorf – umgeben von Wäldern und Wasser‘, ,Der Schatz im Waldboden‘, ,Eisenerz – vom Schmelzofen zur Schmiede‘, ,Vom Draht zum Kettenhemd‘ – so lauten die ersten Kapitelüberschriften.

Ansteckend für Eltern?

Die Stellung der Frau, die Bedeutung der Kirche, das Landleben, die Macht der Fürsten – all das wird behandelt und lässt das Bild einer ganz anderen Zeit erstehen. Auf den linken Seiten der Schrift finden sich Bilder, Texte und historische Quellen. Auf den rechten Seiten ermöglichen Arbeitsaufgaben und vor allem die Erläuterungen und Erklärungen der sympathischen, kleinen Stadtmaus den Kindern eine Vertiefung des Gelernten. Team-Arbeit ist dabei in großem Umfang möglich. Die Autoren hoffen, dass sich durch ihre ansprechend gestaltete, gut zu handhabende Schrift anders als durch ein Sammelsurium aus losen Zetteln auch die Eltern der Viertklässler mit Freude von der faszinierenden Stadtgeschichte anstecken lassen.

Die Autoren sehen die Iserlohner „Stadtmaus“ als guten Wegbereiter für den Geschichtsunterricht in der weiterführenden Schule, wenn in der Sekundarstufe I die „Mittelalterliche Stadt“ an den Beispielen von Köln, Lübeck oder Nürnberg behandelt wird. Die Stadt Iserlohn hat den Druck der Schrift in die Hand genommen und mit 500 Euro bezuschusst. Die übrigen 1500 Euro, die notwendig waren, um Bildrechte zu kaufen oder das Layout zu bezahlen, hat das Autoren-Trio gespendet.

Für 3 Euro pro Stück kann „Die Stadtmaus“ beim Stadtmuseum Iserlohn auch als ganzer Klassensatz – dann mit zusätzlichen Hinweisen speziell für die Lehrer – bestellt werden.