Die Würfel sind gefallen: Seilersee-Gesamtschule kostet 45 Millionen Euro

[1/2] Realität im April 2017 gegenüber der Planung für das Jahr 2019. Wie in der Grafik gezeigt

[1/2] Realität im April 2017 gegenüber der Planung für das Jahr 2019. Wie in der Grafik gezeigt, soll so die neue Gesamtschule am Seilersee aussehen. (Grafik: PASD) [2/2] Die modernen Neubauten könnten die beiden Kasernengebäude miteinander verbinden und

Iserlohn. (hc) Alea iacta est – der Würfel ist gefallen. Der berühmte Ausspruch, angeblich geäußert von Julius Caeser, passt auch zu der endgültigen Entscheidung, die der Rat in Sachen „Iserlohner Gesamtschule“ gefällt hat.

Am Dienstag wurde beschlossen, dass die neue Gesamtschule, wie ursprünglich geplant, an den Seilersee ziehen soll. Zuletzt hatte die CDU einen Wissenscampus an der Alexanderhöhe ins Spiel gebracht und gefordert, diese Alternative in Betracht zu ziehen. Doch nun fiel die Entscheidung zu Gunsten der Lösung am Seilersee. „Es war eine der längsten Sitzungen, die ich geleitet habe“, erklärte Iserlohns Bürgermeister Peter Paul Ahrens und gab damit einen Einblick in das zähe Ringen um dieses Projekt.
In einem Pressegespräch erläuterte der erste Bürger der Stadt, unterstützt durch die nun zuständigen Architekten und den Beigeordneten Stefan Bartels sowie Mike-Sebastian Janke, die Pläne.
Kritikpunkte
Ahrens ging auch auf die Kritik ein, dass das Verfahren nicht allzu öffentlich diskutiert worden sei. Stefan Bartels: „Die Vorteile sind, dass am Ende der vereinbarte Preis rauskommt und die Bezugsfähigkeit garantiert wird.“
Außerdem hätte eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema unter Umständen das Verfahren gefährdet.
Gesamtkosten über 40 Millionen
Apropos Preis: Der Angebotspreis für die Gesamtschule plus die Errichtung einer benötigten Dreifeldsporthalle sowie aller Außenanlagen liegt bei exakt 29.390.171, 92 Euro. Nicht inbegriffen ist das empfohlene Parkhaus, um die Parksituation am Seilersee mit Eishalle, Schwimmbädern und den bereits dort vorhandenen Bildungseinrichtungen insgesamt zu entschärfen.
Außerdem kommen die bereits gezahlten elf Millionen Euro für den Kauf des Grundstücks und weitere 3,5 Millionen Euro für die „Erschließung, Planung und externe Betreuung“ hinzu. Macht am Ende ein Gesamtvolumen von fast 45 Millionen Euro.
Alte Bekannte
Den Zuschlag für den Bau hat die Firma Goldbeck Nord erhalten. Das Familienunternehmen versteht sich vor allem auf die Errichtung und Sanierung von öffentlichen Gebäuden. Bereits vor fünf Jahren übergaben die Hanseaten ein großes Bauprojekt schlüsselfertig an die Stadt Iserlohn: Die neue Hemberghalle.
Goldbeck hat sich in dem europaweiten Ausschreibungsverfahren durchgesetzt, das die Stadt durchführte. Dass dabei die Transparenz nicht jederzeit deutlich war, gestehen die Verantwortlichen ein, holen jetzt aber das Versäumte nach. „Es ist selbstverständlich, dass wir jetzt, da die Entscheidung gefallen ist, an die Öffentlichkeit gehen“, sagte Bürgermeister Ahrens.
Endlich ein Ende
Durch den nun gefassten Beschluss geht eine seit dem 28. Oktober 2014 andauernde Findungsphase zu Ende. Da hatte der Rat nämlich bereits die Entscheidung gefällt, eine zweite Gesamtschule zu errichten. Am 23. Juni des folgenden Jahres wurde die grundsätzliche Absicht, am Seilersee diese Gesamtschule zu errichten, gefasst.
Knappe vier Monate später, am 27. Oktober 2015, beschloss der Rat die Gesamtschule Bömberg an den Seilersee umzusiedeln.
Es folgte ein Vergabeverfahren, an dessen Ende drei Bewerber zur Wahl standen, allerdings nur die Firma Goldbeck ein finales Angebot abgab. Die als externe Berater fungierende IWB-Ingenieursgesellschaft lässt sich in einer Stellungnahme wie folgt zitieren: „Das Angebot erfüllt die Anforderungen und Erwartungen der Stadt Iserlohn und der Schule, …, hinsichtlich der Zuschlagskriterien voll und lässt gemessen an diesen Anforderungen eine Erfüllung tendenziell oberhalb des Mittelmaßes erwarten.“
Bis die Schüler in ihre neuen vier Wände einziehen werden, wird es allerdings noch dauern. Zum 1. Juni 2019 hat sich Goldbeck verpflichtet, die Räumlichkeiten bezugsfertig zu übergeben.
Erst an den Bömberg
Damit die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte schon einmal „üben“ können, steht bereits im kommenden Jahr ein Umzug an. Dann müssen die beiden bestehenden Jahrgänge plus ein neuer Jahrgang in die dann freigezogene Realschule am Bömberg ziehen. Alle Verantwortlichen signalisierten allerdings Verständnis von Seiten der Schule. „Es ist natürlich nicht optimal“, erklärte Janke. Doch da jetzt eine Lösung endlich in Sicht sei, sind alle Beteiligten bereit für diesen Zwischenschritt.
Übrigens: Stadtbaurat Mike-­Sebastian Janke hatte angesprochen auf das Parkhaus noch einen Wunsch geäußert: „Natürlich würde ich mir wünschen, dass die Benutzung des Parkhausen wenig bis gar nichts kostet – schließlich wollen wir ja, dass es gut frequentiert wird.“ Ob ihm Stadtkämmerer Michael Wojtek diesen Wunsch erfüllen wird, ist indes noch nicht geklärt.