Dubioser Reisegewinn lockt in die Kostenfalle

Verbraucherberaterin Anke Müller mahnt zur Vorsicht: Reisegewinne können schnell teuer werden. (Foto: Claudia Eckhoff)

Verbraucherberaterin Anke Müller mahnt zur Vorsicht: Reisegewinne können schnell teuer werden. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) „25 x traumhafte Urlaubsreisen und Sie sind dabei, Frau Meier. Wie Sie sich sicherlich noch erinnern können, haben Sie am bekannten Rätsel-Gewinnspiel teilgenommen. Ihre eingesandte original Lösungskarte ist rechts abgebildet.“
Überraschung
Etliche Menschen haben in den letzten Tagen zum Auftakt in die Herbst-Reisesaison wieder Post von Anbietern erhalten, deren Namen denen renommierter großer Reiseunternehmen zum Verwechseln ähnlich klingen. Abgebildet ist darin tatsächlich ein vom Briefempfänger schon vor mehreren Jahren in einem ganz anderen Zusammenhang ausgefüllter Rätselcoupon samt der persönlichen Adress-Angabe. „Herzlichen Glückwunsch“ heißt es aber nun in dem Brief an die überraschte Frau. „Sie haben eine 8-tägige Traumreise für zwei Personen im Werte von 998 Euro nach Zypern gewonnen!“
Adressen als Ware
Was von solchen Gewinnen zu halten ist, erklärt Anke Müller, Verbraucherberaterin bei der Verbraucherberatungsstelle am Theodor-Heuss-Ring 5. Sie warnt: „Zunächst muss man sich bei allen großen Preisausschreiben klar machen, dass im Grunde niemand wirklich etwas zu verschenken hat.“ Oft gehe es nur um das Sammeln von Daten.
Für professionelle Adresshändler sei jede Adresse rund 5 Euro wert, weil sie über Jahre hinweg immer wieder an verschiedenste Anbieter verkauft werden könne. Wie man sich schützen oder seine einmal rausgegebenen Daten auch wieder löschen kann, erläutert der Flyer „Ihre Daten gehören Ihnen“, der in der Verbraucherberatungsstelle erhältlich ist.
„Diese von Frau Meier gewonnene Zypern-Reise gilt für zwei Personen“, so Anke Müller weiter. „So kommt der Veranstalter zunächst an die Daten der Begleitperson als weiteren potenziellen Kunden. Vorsicht: Bezieht Frau Meier das Doppelzimmer aber doch allein, zahlt sie eventuell einen hohen Aufpreis.“
Zuschläge und Aufpreise
Der Anbieter und auch der Hotelbetreiber wollen Geld verdienen. Da ist Vorsicht geboten bei den Nebenkosten. Anke Müller warnt. „In manchen Fällen fallen erst nach der Buchung der Gewinn-Reise enorme Saisonaufpreise, Servicegebühren, irgendwelche Pauschalen oder ein saftiger Flughafenzuschlag an.“
Ausgeliefert in der „Pampa“
Nicht selten liegt das vermeintliche Traum-Hotel weit ab in der berühmten „Pampa“. Das erlaubt dem Betreiber, die Mahlzeiten im Hotel-Restaurant zu völlig überteuerten Preisen anzubieten. Ausflüge müssen meist extra gebucht werden. Anke Müller gibt zu bedenken: „Das wird leicht unerwartet kostspielig. Oft arten die Tagestouren auch in Werbeveranstaltungen aus. Da werden die Reisegäste zu Leder-, Schmuck- oder Teppichhändlern gekarrt und unter Kaufdruck gesetzt.“
Prüfen und vergleichen
Man sollte genau hinschauen und gut prüfen, was man da eigentlich gewonnen hat. Bei dem Aufdruck „Infopost“ auf dem Briefumschlag sollte man schon stutzig werden, spätestens aber dann, wenn der Absender nur eine Postfachadresse angegeben hat.´Noch eins: Bietet der Veranstalter einen Sicherungsschein? Der ist unverzichtbar, sonst bleibt der Gewinner im Falle einer Anbieter-Pleite wohl möglich am Reiseziel hängen und muss auf eigene Kosten die Heimreise antreten. „Es lohnt sich unbedingt, solch einen Reisegewinn mit einer ganz regulären Pauschalreise zu vergleichen, bei der man sich das Hotel und dessen Lage selbst aussuchen kann“, weiß Anke Müller.