Gegen den Ausverkauf lokaler Interessen

Rund 400 besorgte Letmather Bürgerinnen und Bürger fanden sich am Donnerstag abend im Saalbau ein, um sich für die Letmather Wahrzeichen wie Trillingsche Villa und Bahnhof einzusetzen. (Foto: tg)

Letmathe. (NO/tg) „Letmathe wird scheibchenweise an Iserlohn verhökert!“ „Wir werden von Iserlohn übergangen!“ Viele der 1970 eingemeindeten Letmather – darunter CDU-Ortsunion, FDP, UWG, Heimatverein und Werbegemeinschaft und Kirchen, also eine breite Bürgerfront – protestieren unüberhörbar gegen den „Ausverkauf Letmather Interessen“. Am Donnerstag abend bündelte sich der Volkszorn in einer Bürgerversammlung. Rund 400 besorgte Lennestädter fanden sich zu einer kontroversen, aber sachlichen Auseinandersetzung im Saalbau ein, an der auch Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens teilnahm. Moderiert wurde der Abend von Ulrich Luther und Udo Gantenbrink. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Bürgerwunsch, Letmather Wahrzeichen zu erhalten.

Misstrauen

Für viele Bürgerinnen und Bürger können nicht nachvollziehen, warum das Bürgerbüro aus der Trillingschen Villa in den Bahnhof verlegt werden soll. Und was soll aus dem Bahnhof werden? Um Erhalt und Nutzung beider Gebäude ging es denn auch bei der Versammlung, wobei deutliches Misstrauen gegenüber der Iserlohner Politik laut wurde. Udo Gantenbrink vom Heimatverein: „Wir haben die Befürchtung, Letmathe wird langsam ausverkauft!“ Pfarrer Burckhard Hölscher plädierte abermals dafür, zur Unterstützung der örtlichen Interessen wieder einen Bezirksausschuss zu installieren, wofür Dr. Ahrens durchaus ein offenes Ohr hatte.

Denkmalgeschützt

„Die Trillingsche Villa stand nie zur Disposition. Sie prägt als Gebäude aus dem 19. Jahrhundert das Stadtbild maßgeblich und soll als Letmather Wahrzeichen auch erhalten bleiben“, machte Iserlohns Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens gleich mit seinem ersten Satz deutlich, dass das denkmalgeschützte Gebäude keineswegs vom Abriss bedroht sein. Gleiche gelte zudem auch für den Bahnhof. Ahrens ließ jedoch die Möglichkeit offen, dass das Bürgerbüro in den Bahnhof verlegt und die Villa dann vermietet werden könnte. Darüber entscheidet der Rat am 12. April.

Vergessen?

Schon einmal ist der Umzug des Bürgerbüros in das historische, von der Stadt Iserlohn erworbene Bahnhofsgebäude in Verbindung mit den Genna-Förderungsanträgen diskutiert worden. Ein Konzept sah einen Bürger- und Kulturbahnhof vor, der jedoch im Programm Stadtbau West nicht möglich ist, aber im Rahmen des Regionale-Projeks Lenne-Schiene angedacht werden kann. Iserlohn jedoch habe sich für die Lenne-Schiene jedoch nicht engagiert, man habe Letmathe wohl einfach vergessen, ärgert sich Udo Gantenbrink.

Förderverein möglich

Im Rahmen der Diskussion im Saalbau wurde der Wunsch nach weiteren Informationsveranstaltungen laut. Auch die Gründung eines Fördervereins Letmathe stand im Raum, wurde jedoch noch nicht konkret beschlossen. Nach der Unterschriftenaktion geht Udo Gantenbrink jedoch davon aus, dass sich demnächst ein Förderverein zur Wahrung der Letmather Interessen formieren wird.