Gewerkschaft beklagt schmerzhaften Stellenabbau: „Die Kripo wird fachlich verdummen“

Thomas Werner vom Bund deutscher Kriminalbeamter warnt vor einem weiteren Abbau der Kripo-Kollegen im Märkischen Kreis. (Foto: Andrea Schneider)

Thomas Werner vom Bund deutscher Kriminalbeamter warnt vor einem weiteren Abbau der Kripo-Kollegen im Märkischen Kreis. (Foto: Andrea Schneider)

Iserlohn/Hemer. (as) Der Polizei gehen die Leute aus. Vor allem der Kriminalpolizei. Dies bemängeln Michael Pähler und Thomas Werner vom Bund deutscher Kriminalbeamter (BDK). Die beiden sind Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender der BDK-Bezirksgruppe Märkischer Kreis. Dringend fordern die beiden Gewerkschafter Ersatz für ausscheidende Beamte. Andererseits, so Thomas Werner, werde „die Kripo im Märkischen Kreis vor die Wand laufen“.
„Liest man Wahlkampfversprechen der Parteien, so kann man sich in Sachen Polizei offensichtlich beruhigt zurücklehnen“, sagt Thomas Werner. Im Land NRW verspricht der neue Innenminister Herbert Reul einen „Verbrecher-Marathon“ und kündigt jährlich 2.300 neue Polizisten an.
Die Zahl klingt riesig. Doch angesichts der Tatsachen, dass pro Jahr etwa 2.000 Beamte in den Ruhestand gehen und von den 2.300 Anwärtern vielleicht zehn Prozent ihre Prüfungen nicht oder nicht im ersten Anlauf bestehen, bedeuten die hohen Einstellungszahlen letztlich gar kein Plus in den Polizeibehörden. Es wird gerade einmal der Mangel verwaltet.
„Im Märkischen Kreis“, sagt Thomas Werner, „weicht die Wirklichkeit so eklatant von den versprochenen Großtaten ab, dass der Bund deutscher Kriminalbeamter sich als Berufsvertretung der Kriminalpolizei zu Wort meldet.“ Denn hier geht‘s vor allem den Kriminalbeamten an den Kragen.
„Die Personalberechnungen des Innenministeriums NRW ergeben für den Märkischen Kreis ein Minus von vier Polizeibeamtinnen und -beamten“, fassen Michael Pähler und Thomas Werner zusammen. „Landrat Thomas Gemke hat als höchster Dienstvorgesetzter der Polizei MK klare Prioritäten gesetzt, wo er Personal einsparen will: Die Hauptlast des Stellenabbaus im Märkischen Kreis trägt die Kriminalpolizei.“
Thomas Werner kann durchaus nachvollziehen, dass Landrat Thomas Gemke die Polizeiwachen vor Ort nicht weiter schwächen will. Immerhin sind die Beamten in den Städten und Gemeinden das Gesicht der Polizei. Sie zeigen Präsenz, sind Ansprechpartner.
Doch in den Reihen der märkischen Kriminalbeamten spitzt sich die Situation zu. Michael Pähler und Thomas Werner wissen, dass es in Sachen Abbau nicht bei den genannten vier Stellen bleiben wird: „Im Verlauf des nächsten Jahres müssen wir mit dem Verlust von sechs Kriminalbeamtinnen und -beamten zurecht kommen“, sagt Thomas Werner.
Das trifft im Märkischen Kreis eine jetzt schon überalterte Kripo, von denen mehr als 60 Prozent der heutigen Mitarbeiter im Laufe von zehn Jahren in den Ruhestand versetzt wird. Ohne Ersatz werden die erfahrenen Beamten keine Chance haben, ihr Wissen an Jüngere weiterzugeben. „Die Kripo wird fachlich verdummen“, warnen Michael Pähler und Thomas Werner.
Eindringlich schildern sie die Auswirkungen: „Gegenwärtig versucht man mit einer Um­organisation der Kripo MK, diese Stellendefizite aufzufangen. Für die jetzt schon an der Grenze des Machbaren agierenden Kriminalisten bedeutet das vor allem Extraschichten. Die Kriminalwache, die operative ‚Feuerwehr‘ der Kripo, wird um 3,5 Stellen reduziert, in den Abendstunden sind Wartezeiten für den Bürger vorprogrammiert.“
Vor diesem Hintergrund werde aus dem angekündigten „Verbrecher-Marathon“ eher ein „Verbrechens-Marathon“, da eine ausblutende Kriminalpolizei der negativen Kriminalitätsentwicklung immer weniger entgegenzusetzen hat.
Der BDK Märkischer Kreis wünscht sich eine ausgeglichene Belastungsverteilung innerhalb der Polizei. Denn ohne Ersatz für ausscheidende Beamte werde die Kripo im Märkischen Kreis alles andere als effektiv arbeiten können.