Hemer: Parasiten im Trinkwasser

Hemer. (Red./as) Es war ein Schock. Gerade hatten sich die Anwohner in Hemer-Stübecken, in -Landhausen und -Wernshagen daran gewöhnt, ihr Trinkwasser vor dem Verzehr oder vor dem Zähneputzen nicht mehr abkochen zu müssen. Und jetzt das: An der Brabeck-Schule wurde nun der Parasit Giardia im Trinkwasser gefunden. Der ist zwar nicht lebensbedrohend, kann aber Magen-Darm-Erkrankungen auslösen. Die Folge: In Stübecken, Landhausen, Becke und am Wernshagen muss das Trinkwasser nun wieder abgekocht werden. Und das Team der Stadtwerke Hemer sucht weiter nach der Ursache.

Ganz besonders für die Stadtwerke Hemer bedeutet dieser Fund einen herben Rückschlag. Zwar ist nachgewiesen, dass das Wasser, welches von den Stadtwerken ins Netz eingespeist wird, keinerlei Verkeimungen aufweist. Jedoch treten immer wieder geringe Anzahlen von Clostridium perfringens auf. Das ist der Keim, der die Stadtwerke-Mitarbeiter seit Wochen auf Trab hält.

Zur Sicherheit wurde eine Sonderprobe an der Brabeck-Schule genommen. Und genau dort tauchte nun der Parasit Giardia auf. Das Gesundheitsamt verhängte daraufhin erneut ein Abkochgebot, das bis auf weiteres gilt.

Woher kommt die Verkeimung?

„Wir sind sehr enttäuscht wegen der Wendung, aber wir können auch sagen: Bei uns im Wasserwerk liegt der Fehler nicht“, erklärte dazu Dieter Gredig, Technischer Leiter der Stadtwerke. Die Suche nach dem Indikatorkeim hatte stets ein Nullergebnis im Stadtwerke-Trinkwasser gebracht. In der Sonderprobe an der Brabeck-Schule wurde jetzt jedoch der Parasit entdeckt, wenn auch nur in einer geringen Konzentration von nur 0,15 Keimen auf 100 Liter. Die Stadtwerke haben sich dazu am Donnerstag unverzüglich mit dem Gelsenkirchener Hygieneinstitut sowie mit dem Gesundheitsamt des Märkischen Kreises beraten. Vorsichtshalber hat das Gesundheitsamt ein erneutes Abkochgebot ausgesprochen, das voraussichtlich solange gilt bis die Ursache gefunden und behoben wurde.

Nach wie vor kommt als so genannte Eintragsquelle eine Wasseranlage in Frage, in der sich Nichttrinkwasser befindet. Die Stadtwerke Hemer fordern deshalb alle Bürger auf, die derartige Anlagen (Brunnenanlagen, Regenwassernutzungsanlagen) betreiben, diese unverzüglich zu melden.

Inkubationszeit bis zu 21 Tagen

Giardien sind die zweithäufigsten Magen-Darm-Parasiten, die bei Hund, Katze aber auch beim Menschen vorkommen können. Es handelt sich um tierische Einzeller mit einer Inkubationszeit von drei bis 21 Tagen. Der eigentliche Erreger der Giardienerkrankung ist der Einzeller Giardia, der in den meisten Fällen durch das Aufnehmen von fäkal verunreinigtem Wasser in Form von Zysten übertragen wird.

Der Erreger kann, muss aber nicht Beschwerden hervorrufen, jedoch reicht eine sehr geringe Anzahl des Parasiten aus, um bei empfindlichen Menschen Erkrankungen auszulösen. Er kann nach wenigen Wochen spontan durch das menschliche Abwehrsystem eliminiert werden, er kann aber auch über längere Zeit hinweg im Verdauungstrakt bleiben und Probleme bereiten. Für die Therapie stehen bewährte Medikamente zur Verfügung.

Die Giardien kommen in einer aktiven Form und einer ruhenden Form (Zyste) vor. Die aktiven Lebensformen sind die so genannten Trophozoiten, die zum Beispiel im Darm von Katzen leben. Aus ihnen bildet sich dann die zweite Lebensform, die ansteckenden Zysten, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Werden die Zysten von Katze, Hund oder einem Mensch oral aufgenommen, entstehen im Körper wieder Trophozoiten, die dann wieder die zweite Lebensform bilden.

Auch Haustiere können erkranken

Es kann ein Krankheitskreislauf entstehen, sofern nicht strikte Hygienemaßnahmen ergriffen werden. Da Giardien auch für Hund und Katze gefährlich werden können, gilt es, durch besondere Hygienemaßnahmen bei Haustieren den Krankheits-Kreislauf zu stoppen, sofern Anzeichen für eine Erkrankung beobachtet werden, nämlich übermäßige Nahrungsaufnahme oder Durchfall bei den Tieren.

Alle Liegeflächen von Haustieren sollten dann mit kochfesten Tüchern abgedeckt werden, die ausgewechselt und ausgekocht werden sollten, wenn sie durch Kot verschmutzt sind. In jedem Fall müssen aber zumindest die Katzentoilette gründlich sauber gehalten und die Trinknäpfe täglich ausgewaschen werden um eine Rück-Infektion möglichst zu vermeiden.