Hemer: Verunreinigung drastisch reduziert

Hemer. (Red./pmk) Das Wasser in Hemer ist nicht gut. Jedenfalls in den Bereichen Stübecken, Landhausen und Wernshagen wurden Keime gefunden. Für die Nutzung gilt ein Abkochgebot. Fieberhaft wird nach der Ursache für die Verunreinigung gesucht. Bestärkt von Hinweisen aus der Bevölkerung untersuchen die Stadtwerke in Hemer die 15 genehmigten Regenwasseranlagen in Landhausen – geforscht wird auch nach ungenehmigten Anlagen. „Wir betreiben eine schonungslose Analyse, bei der wir sehr viel Unterstützung aus der Bevölkerung erfahren. Und je mehr Orte wir als Quelle der Verkeimung ausschließen können, desto näher kommen wir der eigentlichen Ursache“, so der Technische Leiter der Stadtwerke, Dieter Gredig. Er betont: „Wir gehen jedem Hinweis bis auf den Grund.“

Im Zusammenhang mit der Trinkwasserverunreinigung in den Ortsteilen Stübecken, Landhausen und Wernshagen in Hemer bemüht sich der Fachdienst Gesundheitsschutz und Umweltmedizin des Märkischen Kreises um Aufklärung und beantwortet Fragen zur Untersuchung des Trinkwassers und zur Art der Verkeimung.

Info zu Clostridium perfringens:

Der in den Wasseruntersuchungen im betroffenen Stadtteil Hemers nachgewiesene Keim Clostridium perfringens“ ist ein üblicher Indikatorkeim zum Nachweis einer Verschmutzung des Wassers durch Oberflächenwasser. Die im Trinkwasser nachgewiesenen Konzentrationen sind nicht unmittelbar gesundheitsgefährdend, sondern geben einen Hinweis darauf, dass unsauberes Wasser oder Schmutzpartikel in das Trinkwasser gelangt sind. Der Keim Clostridium perfringens ist beim Verschlucken erst in hoher Konzentration bedenklich (circa 700.000 Keime pro Gramm). Im Trinkwasser wurden bisher maximal 158 Keime pro 100 Gramm gemessen. Das entspricht – bezogen auf ein Gramm – circa 1,5 Keimen pro Gramm. Das ist eine Menge, bei der eine Gesundheitsgefahr nahezu ausgeschlossen werden kann. Um dieses minimale Restrisiko zu vermeiden, weist das Gesundheitsamt auf die Einhaltung des Abkochgebotes hin. Dazu sollte das Wasser fünf Minuten sprudelnd kochen und darf anschließend nicht mit nicht abgekochtem Wasser vermischt werden.

Die lebensbedrohliche Krankheit Gasbrand“ tritt nur auf, wenn Clostridium perfringens mit Schmutz in tiefe, nicht durchblutete Wunden in den Körper gelangt und sich ohne Sauerstoffzutritt vermehren kann. Verschmutzte Schürfwunden gehören nicht zu den tiefen Wunden.

Die Gefahr, durch Clostridium perfringens bei Hautkontakt zu erkranken, ist ebenfalls extrem gering.

Indikatorkeime

Bei einer Trinkwasseruntersuchung wird auf sogenannte nicht pathogene Indikatorkeime untersucht. Die Indikatorkeime stellen für gesunde Menschen in der Regel keine Gefahr dar.

Indikatorkeime sind Mikroorganismen, die auf eine Verunreinigung des Wassers von außen hinweisen. Sie geben zuverlässig Auskunft über vorhandene mikrobiologische Belastungen im Trinkwasser. Nach der Trinkwasserverordnung ist die Untersuchung auf die Mikroorganismen zum Nachweis der Qualität des Trinkwassers als Regeluntersuchung verbindlich vorgeschrieben.

Der Nachweis von Indikatorkeimen gemäß der Trinkwasserverordnung macht Maßnahmen erforderlich, um die Trinkwasserqualität wieder herzustellen. Im Normalfall genügt es, das Trinkwasser auf die Indikatorkeime zu untersuchen.

Auf welche Indikatorkeime wird untersucht und was bedeutet dies?

  • Coliforme Keime
    Kommen natürlicherweise in der Umwelt zum Beispiel im Boden vor. Der Nachweis von coliformen Keimen kann fäkaler aber auch nicht fäkaler Art sein.
  • Escherichia coli
    E.coli ist ein Darmbakterium, welches bei Mensch und Tier als normaler und sogar wichtiger Darmbewohner vorkommt. Bei Mensch und Tier wird es in größeren Mengen mit dem Stuhl ausgeschieden.
  • Enterokokken
    Enterokokken sind ebenfalls Fäkalindikatoren, die sich durch eine hohe Umweltresistenz auszeichnen.
  • Clostridium perfringens
    Clostridium perfringens kommt ebenfalls natürlicherweise in der Umwelt zum Beispiel im Boden vor. Wird es im Trinkwasser als Indikatorkeim festgestellt, so weist dieses auf einen Eintrag von Oberflächenwasser hin. Clostridium perfringens findet man unter anderem auch als Darmbewohner bei Tier und Mensch, ohne dass dieser eine Erkrankung auslöst.

Mikroorganismen werden bei Hitze abgetötet. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass das Wasser nur in abgekochtem Zustand getrunken, für die Mundhygiene und für die Lebensmittelzubereitung (Abwaschen von Obst oder Gemüse, welches roh gegessen wird) benutzt wird.

Das Wasser muss fünf Minuten lang sprudelnd kochen; ein Wasserkocher reicht in diesem Fall nicht aus. Abgekochtes Wasser darf in keinem Fall mit nicht abgekochtem Wasser oder Eiswürfeln aus nicht abgekochtem Wasser gemischt werden.

Zu Reinigungszwecken, zum Waschen der Wäsche oder zur Körperpflege kann das Wasser auch in nicht abgekochtem Zustand genutzt werden, sofern darauf geachtet wird, dass das Wasser nicht getrunken beziehungsweise auf offene Wunden gelangen kann. Es ist darauf zu achten, dass nach dem Hände waschen diese gut getrocknet werden. In Gemeinschaftseinrichtungen sollten in jedem Fall Einmalhandtücher benutzt werden.

Chlorgeruch

Um wieder eine einwandfreie Wasserqualität zu erreichen und um Rückstände im Leitungsnetz abzutöten, wird dem Trinkwasser im betroffenen Versorgungsgebiet Chlordioxid zugesetzt. Dabei wird die von der Trinkwasserverordnung vorgeschriebene Menge eingehalten. Dieses Desinfektionsmittel ist – vor allem bei den aktuell niedrigen Temperaturen – teilweise am Chlorgeruch zu erkennen, ist aber gesundheitlich völlig unbedenklich.

Weiterhin Anstrengungen erforderlich

Die bei festgestellten Wasserverunreinigungen standardmäßig durchgeführten und erprobten Maßnahmen wie Spülen und Desinfizieren reichen bisher nicht aus, um die Verschmutzung aus dem Leitungsnetz zu entfernen. Sporenbildende Mikroorganismen wie Clostridium perfringens können nur schwer durch Chlor abgetötet werden, so dass vor allem durch gezielte Spülmaßnahmen dieser Indikator aus dem Leitungsnetz entfernt werden muss. Aktuelle Untersuchungsergebnisse zeigen, dass der hohe gemessene Wert von 158 Keimen auf fünf drastisch reduziert werden konnte. Die Anstrengungen werden fortgesetzt, um baldmöglichst eine einwandfreie Wasserqualität herzustellen.

Die parallel laufend durchgeführten Untersuchungen an den Wasserwerken zeigen aber auch, dass das produzierte Trinkwasser der Stadtwerke Hemer einwandfrei ist und daher nur sauberes Wasser in das betroffene Leitungsnetz nachgespeist wird.

Aktueller Verlauf der Erkrankungen in Hemer:

Anfang der Woche wurde dem Fachdienst Gesundheitsschutz und Umweltmedizin eine Erkrankung an Rotaviren (den Krankheitsauslösern) in dem betroffenen Versorgungsgebiet gemeldet; weitere meldepflichtige Darmerkrankungen liegen nicht vor.

Für weitere Fragen stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachdienstes unter der Telefonnummer 02352 / 966-72727 oder per Mail (gesundheitstelefon@maerkischer-kreis.de) zur Verfügung.