Natur bedroht: Initiative SHE nimmt Stellung

Betr.: Geplanter Windindustriepark auf der Schälker Heide/Ergster Wald

Den roten Milan und andere Tierarten sieht die Bürgerinitiative durch den Bau der neuen Windanlage an der Grenze zwischen Ergste und Iserlohn bedroht. (Foto: Archiv)

„Die Bürger von Grürmannsheide, Stübbeken, Ergste und Tiefendorf/Berchum wollen den von der Stadt Iserlohn als „überschaubaren Eingriff in die Natur“ bewerteten Bau des Windindustrieparks in der Schälker Heide nicht hinnehmen und haben diesbzgl. die „Initative SHE “ ins Leben gerufen.

Die Initiative SHE kämpft für die Erhaltung des Landschaftsschutz- und Naherholungsgebietes Schälker Heide und Ergster Wald. Dieses Gebiet benötigt besonderen Schutz aufgrund seiner natürlichen Eigenart der Landschaft und ihres Erholungswertes für Bürger sowohl aus angrenzenden Ortschaften als auch aus dem weiteren Ruhrgebiet. Wörtlich hat die untere Landschaftsbehörde des Kreises Unna im Rahmen eines Ablehnungsbescheides einer Windkraftplanung in 2003 das Gebiet u.a. wie folgt beschrieben:

„Das Landschaftsbild zeichnet sich dadurch aus, dass sich an den zu Ergste hin gelegenen, durch Offenland und dieses gliedernde Bachläufe und Gehölzstrukturen geprägten Landschaftsraum kulissenartig große Waldbereiche anschließen. Durch die Errichtung einer Windenergieanlage käme es zu einer erheblichen Beeinträchtigung der natürlichen Eigenart der Landschaft und ihres Erholungswertes.“

In den Waldgebieten der Schälker Heide/Ergster Wald finden sich schützenswerte Tierarten, die durch den Bau der geplanten Windkraftwerke bedroht werden. Der rote Milan lebt hier genauso wie der erst kürzlich gesichtete Schwarzstorch, der Kolkrabe, sowie diverse Fledermausarten. Allein deshalb ist das Gebiet nicht geeignet, und kein anderes Ergebnis erwartet die Initiative durch das in Auftrag gegebene biologische Gutachten der Städte.

Die Forderung der Stadtwerke nach „nicht verhandelbaren 200-Meter-Riesen“ ist nicht verwunderlich, weil die Windhöffigkeit (durschnittliches Windaufkommen am Standort) in diesem Gebiet eigentlich viel zu gering ist, und sich eine Rentabilität nur beim Bau von extrem hohen Anlagen darstellen lässt.

Nur zu gerne würden wir der Aussage von Hr. Timmreck (Stadtwerke Iserlohn) glauben, dass die Windräder keine Gesundheitsgefahren für die Anwohner darstellen, aber leider ist diese falsch. Es ist z.B. Fakt, dass Industrieparks mit Megawatt-Windkraftanlagen, die in der Nähe von Infraschallmeßstationen in Deutschland, (zur Infraschallüberwachung im Rahmen des Atomwaffen-Sperrvertrages) errichtet werden sollen, einen Abstand von 25 km benötigen, damit die Arbeit der Meßstationen auch bei ungünstigen Wetterlagen nicht gestört wird. Der Vergleich mit einer Klimaanlage wäre schön, ist aber absurd.

Es gibt leider auch schon eindeutige Krankheitsbilder, von Ärzten WTS „Wind Turbine Syndrom“ genannt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt daher einen Mindestabstand zur Wohnbebauung von 2km für die hier geplanten Anlagen. Die aktuellen Planungen beinhalten leider nur wenige hundert Meter. Auch deshalb ist die Schälker Heide nicht geeignet.

Das Robert-Koch Institut hat bereits in 2007 im Rahmen einer Studie die Gesundheitsgefährdung durch Infraschall belegt. Weitere Untersuchungen werden aktuell durchgeführt. Wenn diese Ergebnisse dann eine Stillegung oder sogar den Rückbau der Anlagen aufgrund unzureichender Abstände erfordern würden, wäre dies ein Millionengrab für Stadt und Bürger!

Ein großflächiger Kahlschlag sei nicht zu befürchten, heißt es im jüngsten Bericht der Stadt. Auch das ist leider schwer vorstellbar. Anlagen dieser Größe z.B. vom Marktführer Enercon haben einen Sockel-Durchmesser von 16 Meter mit einem Rodungsbedarf von bis zu 10.000 Quadratmetern.

Laut den Stadtwerken sollen vorrangig Kyrillflächen für die Windenergie genutzt werden. Allerdings sind die Kyrillflächen in der Schälker Heide/Ergster Wald schon längst wieder aufgeforstet und stellen mittlerweile einen besonders artenreichen Mischwald dar.

Gänzlich unbeachtet scheint auch bis dato die Thematik des Brandschutzes. Wie in den kürzlich veröffentlichten Beiträgen nachzulesen ist, bleibt bei Brand eines Windrades der Feuerwehr keine andere Möglichkeit, als das kontrollierte Abbrennen innerhalb einer abgesperrten 500 Meter Zone.

Solch ein Szenario in heißen Sommern bei trockenem Waldboden in diesem Gebiet mit angrenzender Wohnbebauung möchte man sich nicht vorstellen.

Den Aussagen der Stadt und Stadtwerken bleibt noch zu entnehmen, dass die Schälker Heide / Ergster Wald nur der Anfang der Windkraftplanung ist, heißt der Ausbau hier und auf weiteren Flächen soll folgen.

Auch wir von der Initative SHE wollen die Energiewende, aber mit Augenmaß und auf dafür geeigneten Flächen, die die Gesundheit von Mensch und Natur berücksichtigen. Wir wehren uns dagegen vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, obwohl offensichtlich Uneinigkeit zwischen den Städten herrscht und obwohl die Gutachten und Untersuchungen noch gar nicht abgeschlossen sind.“

Die Bürgerinitiative hat eine Internetseite eingerichtet: www.InitiativeSHE.de