Iserlohn: Schaffensfreude durch Schulpartnerschaften

Iserlohn. (clau) „Nicht für die Schule lernt ihr, sondern fürs Leben.“ Wie oft hat man das als Schüler gehört und die Augen verdreht. Schule einerseits und Leben andererseits schließen sich aus Schülersicht meist aus. Dass sie sich aber tatsächlich fruchtbringend begegnen können, zeigen etwa die Partnerschaften, die die heimischen Unternehmen mit den Schulen vor Ort eingehen.

Die Iserlohner Unternehmerin Petra Pientka engagiert sich seit Jahren persönlich und stark in Sachen Schulpartnerschaften. Für sie sind viele derartige Aktionen „Chefsache“. (Foto: Gebrüder Nolte)

Die Gebrüder-Nolte-Gruppe engagiert sich seit sechs Jahren in solchen Partnerschaften, um Schülern das Arbeitsleben nahe zu bringen. Für die Unternehmerin und Geschäftsführerin Petra Pientka, selbst zweifache Mutter, sind Schulpartnerschaften eine wichtige Aufgabe.

„Das hat Gründe, die schon in unserer Unternehmensstruktur liegen“, sagt sie. „Für Gebrüder Nolte arbeiten derzeit 160 Beschäftigte. Davon sind 40 Auszubildende, also ein Viertel. Und wiederum fast die Hälfte unserer festen Mitarbeiter sind ehemals Auszubildende bei uns gewesen.“

Für alle ein Gewinn

Im Jahr 2006 stieg Gebrüder Nolte zusammen mit drei anderen heimischen Unternehmen in die Partnerschaft mit der Stadt Iserlohn ein. Das Ganze sollte von Freiwilligkeit getragen sein und für alle Parteien zu einem Gewinn werden, bei dem nicht Geld im Vordergrund steht.

Gebrüder Nolte unterhält seitdem Partnerschaften mit drei Schulen in Iserlohn: Der Hauptschule im Wiesengrund, der Realschule am Bömberg und dem Gymnasium an der Stenner. Darüber hinaus gibt es noch weitere Partnerschaften mit sechs Schulen an anderen Nolte-Standorten.

Diese Partnerschaften haben sich im Laufe der Jahre ganz unterschiedlich entwickelt.

„Jeder lebt es anders“

„Jeder lebt es anders“, sagt dazu Petra Pientka. „Die Partnerschaft mit der Hauptschule im Wiesengrund ist die lebendigste. Bei vielen Großereignissen in unseren Autohäusern nutzen die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, als ,Catering Service‘ die Gäste zu bewirten. Dazu gehören Planung, Einkauf, Organisation, Service und Dekoration.“

Das Gymnasium an der Stenner dagegen betreut seitdem die Ranzen-Aktion des Autohauses: Guterhaltene Tornister werden gesammelt und schließlich dorthin transportiert, wo sie noch gebraucht werden.

Junge Menschen für die Arbeit zu begeistern, ihre Neugierde zu wecken und sie erahnen zu lassen, dass sie selbst in der Welt etwas bewegen können - das macht Sinn. (Foto: Gebrüder Nolte)

Training für den Ernstfall

Vor vier Jahren begann das Unternehmen Gebrüder Nolte auch in Lüdenscheid seine Fühler auszustrecken und stieg in Zusammenarbeit mit dem dortigen Jugendamt ein beim „Bündnis für Familien“. Eine Partnerschaft mit zwei freichristlichen Schulen ist daraus entstanden. Sowohl an der Real- als auch an der Hauptschule findet dort schon zum vierten Mal ein „Bewerbungsvormittag“ für die Neuntklässler statt. „Das geht sehr konkret und lebensnah zu“, sagt Petra Pientka, die immer selbst dabei ist. „Die Schüler erarbeiten Bewerbungen und stellen sich uns dann in 20-minütigen Gesprächen selbst vor. Sie bekommen anschließend Tipps von uns als Personalentscheider, aber auch von ihren Mitschülern, die sie kritisch beobachtet haben.“

Mut zum bunten Treiben

Beim Eltern-Info-Abend vor Schülern und Eltern etwa in der Realschule am Bömberg klärt Petra Pientka auf über die „Ausbildung im KfZ-Gewerbe“. Zu solchen Terminen nimmt sie gern frisch gebackene KfZ-Mechatroniker oder KfZ-Kaufleute aus ihrem eigenen Unternehmen mit.

„Jede Schule hat eigene Spezialitäten, hat andere Menschen, hat einen eigenen Ansatz und lebt die Partnerschaft deshalb auf ihre Art“, sagt sie. Daraus entsteht ein buntes vielfältiges Treiben, zu dem sie gern auch andere heimische Unternehmen ermutigen möchte. Info-Abende, Schülerkunstausstellungen, Graffiti-Workshops an Reifencontainern, Bewirtungsaktionen, muntere Girls- und auch Boysdays, intensive Tage an den Ausbildungsplatzbörsen der Stadt Iserlohn – all das hat sie schon mit vielen ganz jungen Menschen zusammengebracht.“

„Als Partner und Unternehmen den Schulen nur einfach Geld zu geben wäre einerseits zu viel und andererseits zu wenig“, so Petra Pientka. „Es geht eher darum, die jungen Menschen zu interessieren, ihnen zu zeigen, dass es etwas bringt, sich einzusetzen. Es ist wichtig, sie erleben zu lassen, dass sie etwas können und dass sie auch etwas bewegen können. Sie sollen sehen, dass es tatsächlich auf sie ankommt und dass ohne sie etwas fehlen würde.“