Dr. Walter Wehner hat die neue Ausstellung im Stadtmuseum Iserlohn zusammengestellt. (Foto: Stadt Iserlohn)

Iserlohn. (Red.) Das Stadtmuseum Iserlohn zeigt seit Donnerstag, 22. Februar, die Sonderausstellung „Heil Dir im Siegerkranz! – Der Erste Weltkrieg in der Literatur“. Zusammengestellt wurde die Ausstellung von Dr. Walter Wehner, Iserlohn.

Wunden noch frisch

Auch nach 100 Jahren sind die Narben des „Großen Krieges“ nicht verheilt – nicht in der Natur, nicht in der Politik, nicht in den Ängsten der Menschen.

Auf seinen Schrecken folgte der 2. Weltkrieg mit noch mehr Zerstörung, mit Holocaust, mit Hiroshima, mit Eisernem Vorhang. Zwar hat Europa danach für viele Jahrzehnte Frieden erlebt. Aber die Folgen des Ersten Weltkrieges mit seinen teils willkürlichen Grenzziehungen im Orient und auf dem Balkan führen bis heute zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

„Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen“ – William Faulkners Satz hat seine Gültigkeit behalten.

Kulturkrieg

Der „Große Krieg“ hat nicht nur auf den Schlachtfeldern getobt, in Tannenberg, vor Verdun, in Afrika, im Orient. Er wurde auch zum Kulturkrieg, zum Zusammenbruch der „Alten Welt“, zum Wegbereiter einer neuen Moderne.

Er besaß seine absurden Episoden, denkt man an Lenins Reise im verplombten Eisenbahnzug aus seinem Schweizer Exil nach Sankt Petersburg auf Kosten der deutschen Regierung und an Kaiser Wilhelm II. als „Beförderer“ der russischen Revolution.

In seiner Ausstellung „Heil Dir im Siegerkranz!“ (oder „Gedichte und Kinderbücher für den Krieg“ oder „Deutschland muss leben und wenn wir sterben müssen!“) holt Walter Wehner eine verdrängte Literatur ans Tageslicht, die den Krieg in Liedern und Gedichten begeistert besang und in Kinder- und Jugendbüchern eine ganze Generation mit gewaltverherrlichenden Darstellungen vergiftete.

Traditionell

An dieser „Unkultur“ haben vor 100 Jahren fast alle bekannten literarischen Größen mitgewirkt, ob Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann, Erfolgsautoren wie Hermann Löns, gefeierte Poeten wie Ina Seidel, Rainer Maria Rilke und Hermann Hesse, ob Berliner Gymnasiast oder Gelehrter – und vor allem unzählige „dichtende“ Zeitungsleserinnen und Zeitungsleser.

Auch die heimische Presse in Altena, Hemer, Iserlohn, Lüdenscheid, Menden und Plettenberg füllte ihre Seiten mit poetischer Vaterlandsbegeisterung. Im Iserlohner Kreisanzeiger erschien das erste Kriegsgedicht „Alldeutschland macht mobil“ am 5. August 1914. Am 11. August forderte der Iserlohner Bernhard Wachtel: „Auf zum Kampf!“

Noch eiliger hatten es Julius Bergfeld im Altenaer Kreisblatt und Karl vom Berge im Lüdenscheider General-Anzeiger, die bereits am 3. August den Auszug der heimischen Truppen lyrisch begleiteten.

Das Stadtmuseum liefert mit der Ausstellung einen besonderen Beitrag zur Aufarbeitung eines problematischen Teils unserer Geschichte.

Infos

Alle Interessierten sind zum Besuch der Ausstellung (bis 29. März) eingeladen. Das Stadtmuseum Iserlohn (Fritz-Kühn-Platz 1) öffnet dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 17 Uhr, donnerstags von 10 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.