Iserlohner Chorprojekt:

serlohn. (red., 01.05.2010)

Zu einem ungewöhnlichen Konzert laden der Projektchor und Waldstadt-Chor Iserlohn 1876 ein: „Altrussische Kirchenmusik“ mit ins Deutsche übersetzten Texten wird am Sonntag, 16. Mai, um 18 Uhr in der Obersten Stadtkirche erklingen. Einlass ist um 17 Uhr.

Die Gesamtleitung des einmaligen Projektes hat Alma Dauwalter. Mitwirkendende sind Gud Kegel als Solist, Inna Kogan (Geige) und Victoria Ibsch (Klavier). Die vorgetragenen Stücke aus der altrussischen Kirchenmusik, die nahezu unverändert so auch heute noch in russischen Gottesdiensten vorgetragen werden, wurden von Projektleiterin Alma Dauwalter eigens in die deutsche Sprache übersetzt. Sie werden nun in der Obersten Stadtkirche erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Kirchengesang ist und war in Russland heilig und wird mit Lobpreisungen der Himmelsengel verglichen. Die Sänger sollen daher fromm erzogen werden, das heißt sie sollen ihre Seelen vor schlechten Gedanken bewahren, Geist und Körper reinhalten und tiefgläubig sein. Aus diesem Grund entstanden die ersten Sängerschulen und die besten Chöre gerade in den Klöstern.

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelte sich der mehrstimmige Chorgesang. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fand ein reger Austausch zwischen russischer und europäischer Musik statt: Russische Kirchenkomponisten reisten zur Weiterbildung in den Westen. Sie brachten italienische Einflüsse und Impulse aus der Musikwelt Händels oder Bachs mit zurück.

Kirchengesänge sind bis heute in der russisch-orthodoxen Kirche ein wichtiger Bestandteil des Gottesdienstes. Sie helfen den Gläubigen, die Inhalte nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit Herz und Gefühl aufzunehmen. Russische Gottesdienste dauern viele Stunden. An besonderen Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten beginnen sie abends und enden erst am Nachmittag des nächsten Tages.

Die Stücke, die für das Iserlohner Chorprojekt ausgewählt wurden, sind dem Ablauf der russisch-orthodoxen Liturgie entnommen. So stammt „Seligkeit der Frommen“ aus der Abendmesse. Die „Kleine Lobpreisung“ wird in der Morgenmesse gesungen. Das „Cherubimlied“ wird zur Vorbereitung des Abendmahls gesungen. Das „Vater unser“ wird in der russischen Kirche immer von der ganzen Gemeinde gesungen. Der Gottesdienst endet mit Lobpreisungen wie „Lobpreiset, danket unserem Gott“ oder „Dein Name sei gelobt“.

Projektleiterin Alma Dauwalter, die die traditionellen russischen Kirchenstücke nun erstmals in deutscher Textfassung erarbeitet hat, studierte an der Kulturakademie in Ulan-Ude Musik, Dirigat und Musikpädagogik. Seit 1993 wirkt sie im Märkischen Kreis. Im Chorverband Nordrhein Westfalen e.V. führt sie als Dozentin Schulungen und Seminare durch.

Karten für dieses einzigartige Konzert gibt es für 8 Euro bei der Stadtinformation am Bahnhof oder bei den Mitgliedern des Waldstadt-Chores Iserlohn 1876.