Jim Brandenburg stellt in Iserlohn aus

Jim Brandenburgs Bilder öffnen die Augen für die Natur. (Foto: Jim Brandenburg)

Iserlohn. (Red.) Es wird eine Ausstellung, bei der die Besucher das Staunen neu lernen können. „A pristine vision“ heißt sie und kann mit den Worten „Die ursprüngliche Sicht“ oder „Der ursprüngliche Blick“ übersetzt werden. Gezeigt werden atemberaubende Tier- und Natur-Fotografien. Die Städtische Galerie in Iserlohn präsentiert ab Samstag, 19. November, rund 100 Fotografien von Jim Brandenburg. Eröffnet wird die Ausstellung bereits am Freitag, 18. November 2011, um 19.30 Uhr. Eine Gelegenheit, den Fotografen kennenzulernen, der das Genre der Naturfotografie mitbestimmt hat. Denn der Künstler wird anwesend sein.

Jim Brandenburgs Ruf als Naturfotograf ist einzigartig: Er gilt als einer jener Fotografen, die das Genre geprägt haben. Was Ende der sechziger Jahre begann – damals arbeitete der in Minnesota geborene Jim Brandenburg für eine lokale Tageszeitung – ist heute ein Lebenswerk geworden. Bald machte sich Brandenburg einen Namen, fotografierte insgesamt 23 Reportagen für „National Geographic“, von denen 18 als Bücher erschienen sind. Viele Filme wurden – etwa von der BBC – über Brandenburgs Arbeit gedreht. Im vergangenen Jahr wurden gleich vier Fotografien Brandenburgs von der „international League of Conservation Photographers“ (iLCP) in die Top 40-Liste der wichtigsten naturfotografischen Arbeiten der Fotogeschichte gewählt. Neben Jim Brandenburg sind hier Klassiker wie Ansel Adams oder Edward Weston vertreten.

„Bruder Wolf“ und viele Preise

Vor allem Brandenburgs Bücher über Wölfe – „White Wolf“ und „Brother Wolf“ – wurden internationale Verkaufserfolge, doch Brandenburg nahm immer neue Herausforderungen an. Ungewöhnliche Fotobücher entstanden, wie etwa „Chased By The Light“, bei dem sich Brandenburg selbst die Aufgabe stellte, nur ein einziges Bild am Tag zu fotografieren.

Man muss ein großer Liebhaber der Natur sein, um solche Bilder zu machen: Für Brandenburg gehört die Arbeit in der „Brandenburg Prairie Foundation“ genauso zu seinem Leben, wie das fotografische Schaffen selbst, für das er mit den renommiertesten Fotopreisen wie dem „Kodak Wildlife Photographer Of The Year“ oder dem „Magazine Photographer Of The Year“ geehrt worden ist.

Der Fotograf fängt den Zauber des Augenblicks ein: ein weißer, arktischer Wolf beim Sprung. (Foto: Jim Brandenburg)

Auf eine sehr ungewöhnliche Weise mäandert Brandenburg zwischen Tier- und Landschaftsfotografie: Seine Porträts von Wölfen wurden weltbekannt, aber auch vermeintlich Unspektakuläres rückt Brandenburg auf faszinierende Weise in den Fokus – Gräser im Frost, ein Birkenwäldchen, auffliegende Raben oder eine Wolkenformation.

Der Zauber des Einzigartigen

In der Landschafts- und Tierfotografie von Jim Brandenburg gibt es das wirklich: diesen einen magischen Moment, der eine Fotografie aus dem Fluss der Zeit heraushebt. Viele seiner Bilder fangen solche magischen Momente ein – Momente, die nur für den Bruchteil einer Sekunde da sind. Der weiße, arktische Wolf beim Sprung, der Tiger beim Brüllen, Brandenburg trifft diese ganz besondere Sekunde mit überragender Punktgenauigkeit.

Ein ausgefeilter Sinn für Kompositionen und Licht – in der Fotografie oft harte Arbeit – trifft sich bei Brandenburg mit Geduld, aber auch leidenschaftlicher Momenthaftigkeit. Aus allen Fotografien schimmert sein Respekt vor der Natur, vor dem Leben in seiner Vielfalt. 1991 erhielt der im Norden Minnesotas lebende Brandenburg den „World Achievement Award“ des UN-Umweltgipfels in Stockholm. Brandenburg ist ein Botschafter der Natur, der Ökologie, vor allem aber ist er ein Fotograf, dessen Bilder es immer wieder vermögen, das Leben in der Natur als magisches Ereignis zu schildern.

Demut macht das Leben reicher

Die Präsenz seiner Bilder ist physisch spürbar: Frostige Kälte, Stille, brausende Winde, umhüllende Nebel, all das hören und fühlen wir beim Betrachten. Brandenburgs Bilder öffnen die Augen für die Natur, führen den Betrachter auf das Wesentliche zurück. Sie sind Ikonen unserer Zeit. Ikonen in diesem Sinn: Sie wecken Ehrfurcht und bestätigen die existenzielle Verbindung zwischen dem Menschen und den Schöpfungen der Natur. „Wir sollten einsehen, dass uns die Welt nicht alleine gehört“, hat Jim Brandenburg einmal gesagt. „Ein bisschen mehr Demut und Respekt vor der Natur würde unser aller Leben um so vieles reicher machen.“

„A Pristine Vision“ zeigt etwa 100 Arbeiten aus allen Schaffensperioden Jim Brandenburgs, darunter auch viele Großformate: Wolfsbilder, Aufnahmen aus Minnesota und anderen Regionen der USA, vergessene Seen und Wälder in Europa, Afrika und Asien. Es ist die weltweit erste Retrospektive über das Werk von Jim Brandenburg. Die Schau war bereits in Schleswig zu erleben und wird nach ihrer ausführlichen Station in der Städtischen Galerie Iserlohn in weiteren europäischen Museen und später in Japan und den USA präsentiert.