Kinderlobby Iserlohn: Im Einsatz für die „Kurzen“

Ein wichtiges Standbein ist der Laden „Neue Brücke“ am Hohler Weg, der benachteiligte Familien mit preiswerten Haushaltsgegenständen und vor allem auch Schulmaterial versorgt. Karl-Heinz Gagelmann, neuer Vorsitzender der Kinderlobby Iserlohn, weiß, dass hier unverzichtbare Arbeit geleistet wird. Weitere Ehrenamtliche sind immer willkommen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) Es geht voran. Ein großer Schritt ist der Iserlohner Kinderlobby am vergangenen Samstag mit ihrem „Zukunfts-Workshop“ gelungen. Karl-Heinz Gagelmann, der das Amt des Vorsitzenden erst vor Kurzem übernommen hat, blickt zuversichtlich auf die kommenden Aufgaben, die sich der „Verein zur Förderung der Kinder und Jugendfreundlichkeit in Iserlohn“ stellt.

„Es sind viele unserer Einladung zum Workshop gefolgt“, freut sich der 67-jährige ehemalige Leiter der Realschule Am Hemberg. Erst im Dezember hat er den Vereinsvorsitz von Mitgründer Peter Bochynek, der ihn elf Jahre lang inne hatte, übernommen. „Wir“ sagt er, denn er möchte die Verantwortung für die Kinderlobby unter seinem Vorsitz auf mehrere Schultern verteilt wissen. Seine Hoffnungen auf rege Beteiligung wurden übertroffen. „Über 40 Leute sind gekommen“, strahlt Karl-Heinz Gagelmann erleichtert. „Menschen aus der Politik, der Verwaltung, von Continue, aus den Kindergärten, dem Familienzentrum der AWO, aus dem Integrationsrat, aus dem Sportbereich, aus dem Kinder- und Jugendrat, aus dem Jugendamtselternbeirat JAEB und viele Privatleute. Auch Eltern mit Migrationshintergrund haben sich eingefunden.“

Viele junge Eltern mit kleinen Kindern hatten sich ebenfalls auf den Weg gemacht. Eine muntere „Krabbelei“ habe es gegeben, schmunzelt Karl-Heinz Gagelmann.

Die Kinderlobby Iserlohn hat es sich auf die Fahnen geschrieben, möglichst viele verschiedene Institutionen und Privatpersonen zu vernetzen, um sich gemeinsam für die Belange von Kindern und Jugendlichen in der Waldstadt stark zu machen.

„Da gibt es so viele gute Kräfte, Vereine, Verbände und Einzelne mit ihren Impulsen und Projekten“, weiß Karl-Heinz Gagelmann. „Aber zu viel läuft leider nebeneinander her oder gar auch aneinander vorbei. Wir sollten das bündeln.“

Es soll möglichst nicht wieder vorkommen, dass wie zuletzt bunte Traditionsfeste wie das zum internationalen Kindertag im September in Iserlohn schlichtweg ausfallen!

Direkt nach Ostern will man sich zusammensetzen, um an die Planung für ein rundum gelungenes Kinderfest am 21. September 2013 auf dem Fritz-Kühn-Platz zu gehen. Karl-Heinz Gagelmann ist überzeugt, dass die Kinderlobby hierfür viele Mitstreiter finden wird. Einladungen zur Mitarbeit gehen demnächst raus. „Allerdings“, so Gagelmann, „können wir nur anschreiben, wen wir auch kennen. Wer also keine Post von uns bekommt, aber mitmachen möchte, möge sich bitte einfach bei uns melden!“

Wo sind die Iserlohner Notfälle?

Es geht der Kinderlobby aber nicht nur um die Fest- und Feiertage, sondern vor allem auch um den grauen Alltag. „Um die Unterstützung von benachteiligten Familien, die es leider immer mehr in unserer Stadt gibt, zu verstärken, müssen wir mit den zuständigen Institutionen wie der Caritas eine Bedarfsanalyse durchführen“, so Gagelmann. „Wir müssen erst einmal sehen, wo die Notfälle sind.“

Dass es sie reichlich gibt, erlebt Karl-Heinz Gagelmann montags bis donnerstags im Sozialzentrum „Lichtblick“ an der Obersten Stadtkirche. Dort hilft er als „alter Hase“ und Vollblut-Lehrer verständnisvoll und geduldig etlichen Kindern, die rat- und hilflos vor ihren Hausaufgaben stehen.

Mangelnde Deutschkenntnisse stellen für die Kinder noch viel zu oft ein unüberwindliches Lern-Hindernis dar. „Darum gehört die Sprachförderung zu unseren Kernthemen. Das Rotary-Sprachprojekt, das zur Zeit an der Südschule läuft, strebt an, bis 2014 dort so weit zu kommen, dass kein Kind mehr ohne ausreichende Deutschkenntnisse eingeschult wird.“

Integration ist ein anderes großes Thema von stetig steigender Bedeutung. Immer mehr Kinder stehen mitten in Iserlohns bunter Kultur- und Freizeitlandschaft einfach nur außen vor. Viele ahnen kaum, welche Chancen, Freuden und Anregungen ihnen in nächster Nähe entgehen. Schon allein deshalb muss bald ein aktueller neuer und zwar mehrsprachiger Flyer der Kinderlobby angefertigt werden.

„Weites Feld“ braucht Helfer

„Es ist schön, wenn man sich um Kinder kümmern darf, wenn man sie zum Strahlen bringen kann“, weiß Karl-Heinz Gagelmann aus vielfältiger eigener Erfahrung. „Aber das Feld ist so weit. Es gibt so unüberschaubar viel zu tun, dass man sich auch leicht verzetteln kann. Ich selbst liege oft abends im Bett und frage mich, ob ich wirklich genug getan habe.“

Dass die Kinderlobby einen guten Ruf hat und das Vertrauen der Iserlohner genießt, die gern spenden, macht die Arbeit leichter.

Die Aufgaben sind aber so vielfältig wie das Leben selbst: Vom fehlenden Kühlschrank für eine Flüchtlingsfamilie bis hin zu Mobbingproblemen auf dem Schulhof wird die Kinderlobby für alles Erdenkliche um Rat und Hilfe gebeten.

Es gibt viel zu tun. Wer sich berufen fühlt, mitzuarbeiten, erreicht Karl-Heinz Gagelmann unter Telefon 02371/ 33202 oder per E-Mail an info@kinderlobby-iserlohn.de. Das Spendenkonto bei der Sparkasse Iserlohn (BLZ 445 500 45) hat die Nummer 132654.