Kosmische Hochzeit & irdische Vergnügen

Iserlohn. (clau/Red.) Bei vielen juckt schon das Tanzbein. Nur noch wenige Tage, dann heißt es wieder allerorten „Tanz in den Mai“. Was aber verbirgt sich hinter Maibaum, Maitanz, Maikönig und Co.?

Seit dem 13. Jahrhundert sind verschiedenste Mai-Bräuche im deutschsprachigen Raum bekannt. Die Frühlingsbräuche gehen auf als Naturkräfte personifizierte Götter zurück, die sich – so dachten es sich unsere Vorfahren – jeweils zum Wechsel der Jahreszeiten erbittert bekämpfen.

Im Frühling gewinnt der junge lichtvolle Sonnengott das Kräftemessen der Gottheiten. Er darf die endlich vom Eis befreite, sich erwärmende Erde als Braut sein Eigen nennen. Die Vermählung von Himmel und Erde, die in diesem Bilde steckt, wird traditionell äußerst „blumig“ gefeiert. In vielen Orten wählt man einen Maikönig und stellt ihm eine der Dorfschönheiten als seine Königin zur Seite. Der Maigraf dagegen wurde dermaleinst werbend von den Mädchen umtanzt. Er suchte sich aus ihnen seine Gräfin aus und gab ihr zum Zeichen einen Kranz. Diese Hochzeit stellte im Kleinen die große kosmische Vermählung zwischen Göttlichem und Irdischem dar, die dem Erblühen in der Natur vorausgeht. Im Mittelalter fanden sogar große Mai-Umzüge statt, die im fränkischen Reich auch gern mit einer Heerschau einhergingen. Regent Pippin der Jüngere war es, der im Jahre 755 das Spektakel auf den 1. Mai legte.

Von „Maien“ und „Schandmaien“

Feierliche Mai-Sitten gibt es zum Teil noch heute. Aber auch zu Fuß werden Birkenzweige und Bäumchen aus den nahen Wäldern geholt, um Vermählungen einzufädeln. Die „Maien“, so nennt man das frische Grün, schenken die jungen Männer, da wo es noch ländlich und nach alten Bräuchen zugeht, am Morgen ihrer Auserwählten. Treulose Mädchen dagegen bekommen einen „Schandmaien“ vor die Tür gestellt.

Ein Maibaum wie er zum Beispiel jedes Jahr in Ihmert aufgestellt wird, zeugt von der besonderen Verehrung für Bäume, die noch aus alten germanischen Zeiten stammt. In der Krone – so glaubte man – residierten die Götter. Zu seinen Füße wurde Gericht gehalten. Heilige oder magische Orte lagen in Wäldern und Hainen. Ein mächtiger Baum markierte die Mitte des Dorfes und diente als Versammlungsort.

Wer in wenigen Tagen den Mai begrüßen will, hat auch hier bei uns die Qual der Wahl. Etliche Vereine, Institutionen und sonstige Veranstalter laden ein zu verschiedensten „Lustbarkeiten“.

Die Hexen kommen

Gern wird hierzulande wie beispielsweise im Letmather Saalbau, in der Dorfhalle Stübbeken, im Lacubana in Letmathe oder beispielsweise im Westiger Schützenheim in den Mai getanzt. Auch die feierlustigen Sümmeraner schwingen ihre Tanzbeine – beim großen Tanz in den Mai der Schützenbruderschaft St. Sebastian in der Schützenhalle.

Doch es geht auch anders: An die Walpurgisnacht erinnert die Hexennacht auf der Burg Altena. Die Nacht vor der Heiligsprechung der Äbtissin Walburga wurde einst als Nacht besonders intensiver Hexenumtriebe betrachtet. Was liegt da näher, als mit einer feurigen Nacht an Rituale, aber auch an Hexenprozesse zu erinnern? Ab 19 Uhr können kleine und große Besucher in eine ganz eigene Welt mit Folk-Musik, Gruselgeschichten, tanzenden Flammen, Kunst und Handwerk eintauchen. Und rund um die Burg gibt es Hexengänge mit Burggeschichten und Sagen zur Musik. Der Eintritt in den Burghof mit der Bühne kostet sieben Euro (Kinder bis 14 Jahren haben freien Eintritt). Die Teilnahme an einem Hexengang kostet für große und kleine Gäste drei Euro inklusive Hexensaft, Duftsäckchen und Kräuterbrot.

Gleich fünf Bands konnte die Artillerie Ihmert zum traditionellen Frühschoppen „Rock im Mai“ für den 1. Mai 2012 verpflichten. Auf dem Ihmerter Schulhof sind folgende Formationen aktiv: Panik Power Band, PeeWee Bluesgang, Southern Heat, Beat the Bread und als Nachwuchsband Brake Disc. Als besondere Einlage wird der Musikverein Iserlohn „Die Waldstädter“ beim Fassanstich für den richtigen Ton sorgen. Start auf dem Schulhof: 11 Uhr.

Richtig sportlich starten die Lösseler Ortsvereine den Wonnemonat Mai: Sie bitten am Dienstag, 1. Mai, ab 11 Uhr zum Seifenkistenrennen an den Hilkenhohler Weg.

Der Spargel und seine Königin

Genuss pur steht beim Spargelfest am Hof Drepper (Trecklenkamp) in Sümmern am 1. Mai ab 11 Uhr auf dem Programm. Große und kleine Besucher dürfen ihre landwirtschaftlichen Fähigkeiten beim Trecker fahren, Trecker ziehen oder beim Wettmelken unter Beweis stellen. Die Sportfreunde Sümmern als Mitveranstalter des Spargelfests haben auch eine Hofrallye auf die Beine gestellt. Höhepunkt des Nachmittags: Ab 15.30 Uhr wird die Iserlohner Spargelkönigin im Rahmen eines Spargelschälwettbewerbs ermittelt. Serviert werden übrigens – wie könnte es auch anders sein? – frischer Spargel und frisches Steinofenbrot.