Kupferstecher Johann Heinrich Giese

Iserlohn.  Der älteste der bekannten Iserlohner Tabaksdosenmacher, der Kupferstecher Johann Heinrich Giese, war einer der geschicktesten und innovativsten heimischen Handwerker. Er hat mit seinen Produkten den Namen Iserlohns in ganz Europa bekannt gemacht. Sein Lebensbild steht für ein echtes Stück Stadtgeschichte.
Er wurde am 3. Mai 1716 in der Obersten Stadtkirche auf den Namen Johann Heinrich getauft. Später machte er sich zunächst als Illustrator wissenschaftlicher Werke bekannt. Er schuf 1749 einen auch heute noch vielbeachteten Kupferstich mit einer Ansicht seiner Heimatstadt Iserlohn.

Tabaksdosen in Serienproduktion

Vier Jahre später begann Giese mit der Herstellung der berühmten Iserlohner Tabaksdosen. Zuerst wurde nach holländischem Vorbild noch jede Dose einzeln produziert und mühsam mit Ornamenten, Figurengruppen und anderen Motiven verziert.
Aufgrund der übergroßen Nachfrage entwickelte Giese aber schnell ein Herstellungsverfahren, das er der Münzherstellung abgeschaut hatte.
Er ließ gegossene Messingtafeln in Hammerwerken zu Blechen austreiben.  Dann übertrug er ein Präge-Motiv auf eine Walze. Seine Tabaksdosen gingen somit in Serienproduktion.

Königliche Rettung

Nur ein Jahr später, 1755, bekam Iserlohn und namentlich der Kupferstecher Giese von König Friedrich II. das alleinige Herstellungsrecht für Tabaksdosen für die Provinzen „Cleve, Meurs und Mark“. Iserlohn versorgte nun ganz Westeuropa mit Tabaksdosen. Eine der Dosen soll Friedrich dem Großen das Leben gerettet haben, als  in einer Schlacht eine Kugel an seiner Tabaksdose abprallte.
Giese verehrte Friedrich den Großen und bildete ihn und Szenen seiner erfolgreichen Schlachten auf vielen Tabaksdosen ab.  Auch andere Welt-Ereignisse wurden möglichst zeitnah auf Tabaksdosen wiedergegeben, so das verheerende Erdbeben in Lissabon im Jahr 1755 oder der Tod König Georgs II. von England.

Raffinierter Exporteur

Bald stellte Giese Negativ-Prägestempel her und konnte so seine Motive beliebig zusammenstellen. Als Erster versah er seine hochwertigen Produkte und auch seine Prägestempel mit seinem Namen. Damit war das erste Iserlohner Firmenzeichen entstanden. Für den Export in die Niederlande fertigte Giese auch Tabaksdosen mit holländischer Inschrift an. Neben der bekannten länglichen Iserlohner Dosenform gab es noch etliche Sonderformen.

Dosen, Dosen,Dosen

Giese war der bedeutendste der insgesamt sieben so genannten „Iserlohner „Dosen-Fabrikanten“. Zusammen produzierten sie zwischen 1755 und 1780 rund 150.000 Tabaksdosen aus Messing. Giese baute 1761 zusammen mit seinem Bruder neue Fabrikgebäude mit  „kostbaren Gerätschaften und vielen Knechten im Lägertal, um dort viele messingerne Waren herzustellen“.
Ihren Höhepunkt hatte die Tabaksdosen-Herstellung im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763). Nach 1780 ging die Produktion langsam zurück.
Johann Heinrich Giese ist im Jahre 1761 mit nur 45 Jahren gestorben.
Kaum ein anderes Produkt hat den Namen Iserlohns so bekannt gemacht wie die Tabaksdosen. Sie fehlen heute in keinem größeren Museum West- und Mitteleuropas.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde gekürzt. Das Original hat Marlis Gorki aus diversen Quellen zusammengestellt. Anregungen, Ergänzungen, Fragen oder Tipps zu Johann Heinrich Giese sind ihr willkommen unter Tel. 02371/ 32365.