Diskutierten über große Zukunftsthemen: (v.l.) Christopher Mennekes, Jörg Bartmann, Digitalminister Andreas Pinkwart und Oliver Schuster. (Foto: Steffen Schulte-Lippern)

Iserlohn. (hc) Hoher Besuch im Winner-Forum: Andreas Pinkwart, NRW-Minister für Digitales, war der Einladung von „Sauerland Initiativ“ in die Waldstadt gefolgt und diskutierte angeregt bei einer Podiumsrunde die Themen Digitalisierung und E-Mobilität.

Nur ein Fazit des Abends zu ziehen, würde der Veranstaltung nicht gerecht. Das Thema Digitalisierung nahm einen großen Anteil an den Redebeiträgen ein, die Elektromobilität kam dagegen etwas kurz – vielleicht sogar zu kurz.

Denn: In den etwas mehr als zwei Stunden wurden viele Teilbereiche angesprochen. Anbindung an Glasfaser war natürlich ein zentraler Punkt. Der Schuh drückt bei vielen Unternehmen im Sauerland, was die schnellen Verbindungen im Datenaustausch angeht.

Initiative gefragt

Hier zeigte sich der Minister aber sehr zuversichtlich, dass die Infrastruktur in Zukunft bereit gestellt wird. Er appellierte auch an die anwesenden Vertreter aus der Wirtschaft „mitanzupacken“. „Ich baue darauf, dass das Sauerland pragmatisch ist“, erklärte Pinkwart deutlich, dass Eigeninitiative gefragt ist. Kritisch sieht er in diesem Zusammenhang die langwierige Genehmigungsprozedur. Glasfaserkabel müssen nämlich im Gegensatz zu ihren Vorgängern aus Kupfer nicht ganz so tief in die Erde verlegt werden. 30 statt 100 Zentimeter lautet hier die Formel für den Erfolg. Vectoring – also die Kombination von Glasfaser und Kupferdraht – sieht er dagegen als nicht mehr zunkunftsfähig. „Es kostet ja nur Ihre Steuergelder“, wird Pinkwart deutlich.

Auch das mobile Netz hat er im Blick. „Ich fahre sehr viel durch NRW – ich kann Ihnen jedes Funkloch aufschreiben“, erklärt er mit Galgenhumor. Einen Masterplan will er erarbeiten. Bei der zukünftigen Vergabe von 5G-Lizenzen, die noch mehr mobiles Highspeed-Surfen erlauben, will er nämlich verbindliche Pflichten für die Bieter integrieren. So soll in diesem Bereich Abhilfe geschaffen werden.

Reformen notwendig

Dass Digitalisierung aber viel mehr als nur Infrastruktur ist, das zeigte Pinkwart an einem Beispiel aus dem Gesundheitswesen. Er forderte eine bessere Vernetzung in Sachen

Patientenakten. Bedenken, dass der Datenschutz nicht gewährleistet sei, wischt er mit einem interessanten Argument beiseite: „Wir wissen doch gar nicht, was der Staat von uns weiß.“ Dass Behörden auf Personendaten zugreifen, ohne dass die einzelne Bürgerinnen oder Bürger es erfahren, das sei für ihn mangelnder Datenschutz. Er wünscht sich, dass nach Vorbild einiger skandinavischer Länder eine Reform in diesem Sektor vollzogen wird.

Bei der Elektromobilität ist für ihn ein Thema ganz wichtig: Die Batterieforschung. Wenn E-Mobile in Zukunft von A nach B kommen wollen, dann brauchen sie Energie. Und was der Tank für das Dieselauto ist, das ist die Batterie für das E-Mobil.

Die Kapazitäten sind derzeit noch nicht vollständig vergleichbar mit den Verbrenner-Automobilen. Aus diesem Grund soll in NRW, der Region mit der höchsten Hochschuldichte Europas, wieder vermehrt auf die Forschung in diesem Gebiet gesetzt werden.

Deutlich wird er vor allem, wenn er über die deutsche Automobilindustrie redet. Fehler seien gemacht worden, räumt er ein. Denn kaum einer der „Großen“ in der Branche sei derzeit bereit, sich ernsthaft in diesem Markt zu positionieren. Vielmehr seien chinesische Autobauer in naher Zukunft bereit, auf den europäischen Markt zu drängen. „Wir dürfen diesen Zug nicht verschlafen“, mahnt Pinkwart. Deshalb rät er Unternehmen, bereits frühzeitig den Übergang von Verbrennungsmotor auf E-Mobilität im Blick zu haben.

Gelungener Abend

Insgesamt konnten alle Beteiligten an diesem Abend zufrieden sein. „Sauerland Initiativ“ hatte einen hochkarätigen Redner verpflichtet. Der Minister hatte auf viele, teils sehr knifflige Fragen eine passende Antwort und auch die Zuhörer waren Gewinner. In einer vom Journalisten Jörg Bartmann geführten Runde wurden sie auf unterhaltsame Weise informiert. Ein gelungener Abend, der nach Wiederholung im ähnlichen Rahmen geradezu einlädt.

Zum Thema: „Digitale Folgen“ – Ein Kommentar von Heiko Cordes