Mit Hostie und Monstranz

Iserlohn. (Red/clau) Der Fronleichnamstag hat sich bis heute an vielen Orten durch die prächtigen Prozessionen im Volk verankert. Auf dem Land nimmt immer noch oft die gesamte Bevölkerung an der Fronleichnamsprozession ihres Ortes teil.

Im Festzug gehen neben den Gemeindemitgliedern auch die Vertreter der Geistlichkeit und die Ministranten mit. Mit festlichen Gewändern, in Sonntagskleidung, oftmals sogar in entsprechender Uniform oder Tracht, sorgen die Teilnehmer so für ein buntes und feierliches Bild. Um die Pracht des Zuges zu unterstreichen, werden Lieder gesungen. An verschiedenen Stellen oder Altären unterwegs beten die Gläubigen unter freiem Himmel und sprechen Fürbitten. Der Pfarrer spricht anschließend noch einen Segen über die Felder, Wiesen und Äcker.

Der Leib Christi unterwegs

Bei der Fronleichnamsprozession wird der lebendige Christus in Form einer Hostie mitgetragen - so sehen es die katholischen Gläubigen, die mit dem Festzug und ihrem Beten unter freiem Himmel nicht zuletzt ein öffentliches Zeichen ihres Glaubens setzen wollen. (Abb: U. Härtling/Stich aus dem 19. Jahrhundert)

Während des Festzugs trägt der Priester eine kostbare Monstranz – ein liturgisches Gefäß. Darin befindet sich für alle sichtbar eine geweihte Hostie, der „Leib Christi“, wie es beim Abendmahl im Gottesdienst heißt.

Diese geweihte Hostie – dieses Stück des Leibes Christi – wird bei der Prozession als echte lebendige Anwesenheit des Christus verstanden. In ihr ist er es, der also selbst an der Prozession teilnimmt, und er ist es, dem sinnbildlich und für alle sichtbar die Gläubigen folgen, die singend und betend und Zeichen setzend buchstäblich auf die Straße gehen.

„Fron“ hieß „Herr“ – man denke an das Wort „Frondienst“ – und der „Leichnam“ steht in diesem Zusammenhang eher für „Leib“ und weniger für „toter Körper“.

Die römisch-katholische Kirche sieht das Fronleichnamsfest als zum Kreis der Osterfestlichkeiten gehörig. Past Urban IV. führte das hohe katholische Fest 1264 ein und Papst Johannes XXII. legte es 1317 auf den zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Es gilt in der katholischen Kirche als das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“.

Baldachin und Blumenteppich

Oftmals wird während des Festzuges die Monstranz mit der Hostie mit einem goldenen Baldachin geschützt und beschirmt. In Oberbayern ist es vielerorts üblich, einen Blumenteppich mit kunstvollen Mustern auszulegen, über die der Priester mit der Hostie schreitet, wie um zu zeigen, dass das Göttliche nicht auf der einfachen nackten Erde wandern soll.

Wunderliche Blutstropfen

Das Fest steht im Zusammenhang mit dem Schicksal der heiligen Chrstina von Bolsena, einer zum christlichen Glauben Bekehrten, die im 3. Jahrhundert von ihrem Vater und der Obrigkeit zu Tode gefoltert und später als Märtyrerin verehrt wurde.

Jetzt wird es wunderlich und erzkatholisch: Der böhmische Priester Peter von Prag soll auf einer Pilgerfahrt nach Rom 1263 in der Kirche der Christina von Bolsena die Messe halten. Insgeheim zweifelt er mitten in der Abendmahlsfeier plötzlich daran, dass der Wein und das Hostienbrot wirklich Christi Leib und Blut werden. Und noch während er zweifelt, soll Blut aus der Hostie, die er anbetend hochhält, getropft sein.

Entschieden katholisch

Nach der Reformation jedenfalls und der daraufhin eingeleiteten Gegenreformation entwickelte sich das Fest nach dem Konzil von Trient (1545 bis 1563) zu einer singenden, betenden, bunten, prächtigen Demonstration des katholischen Glaubens.

Reformator Martin Luther bemängelte, dass sich „Fronleichnam“ nicht wie Ostern, Himmelfahrt oder Pfingsten biblisch begründen lässt. Es gibt im Neuen Testament keine Schilderung, kein Ereignis, woraus sich das Fest herleiten lässt.

In Gegenden wie rund um den Chiemsee hat das Fronleichnamsfest hohe Anziehungskraft selbst für Touristen. Hier werden bis heute an diesem Feiertag sogar spektakuläre Schiffsprozessionen durchgeführt.

Das Fronleichnamsfest fällt in diesem Jahr auf Donnerstag, 23. Juni 2011, und beschert somit vielen Bürgern das nunmehr letzte der jeweils drei langen Wochenenden im Frühsommer.