Iserlohn. „Hallihallo, wie geht‘s?“ – „Wer ist denn da?“ –„Rate mal!“ – „Uwe?“ – „Richtig!“. Was wie der ganz normale Beginn eines Telefongesprächs klingt, ist der Auftakt zu einer Straftat.

Denn: Immer mehr Betrüger versuchen als Enkel, Polizisten und Co. getarnt, das Vertrauen von älteren Menschen zu missbrauchen und ihnen viel Geld abzunehmen. „Enkeltrick“ nennt man das, obwohl die Maschen der Betrüger vielfältiger sind. Der oben genannte Dialog ist eine authentische Aufnahme, die die Polizei des Märkischen Kreises am Mittwoch auf der Pressekonferenz zur Verkündung der Kriminalstatistik 2018 abspielte.

Professionelle Abzocke

Auf einen erfolgreichen Versuch kommen bei den „Enkeltricks“ rund 14 erfolglose. Manfred Kurzawe, Direktionsleiter Kriminalpolizei, ist sicher: „Nicht alle erfolgreichen Taten werden uns aber gemeldet. Die Scham der Betroffenen ist oft sehr groß.“ 1156 Versuche gab es im vergangenen Jahr, 83 davon endeten mit einem tatsächlichen Betrug. In der Statistik ist allerdings ein Rückgang von 577 auf 83 verzeichnet. Kurzawe klärt auf: „Da die Anrufe mittlerweile häufig aus dem Ausland kommen, werden sie in dieser Statistik nicht mehr erfasst.“

In regelrechten Call-Centern machen professionelle Anrufer richtig Druck auf ihre potentiellen Opfer. „Die Betrüger sind rhetorisch brillant geschult. Sie könnten einem Wüstenscheich einen Sandkasten mit Sand verkaufen, und der Scheich dächte dabei noch, er habe gerade ein gutes Geschäft gemacht“, macht Michael Kuchenbecker, Leiter der Kreispolizeibehörde, deutlich. Dass die Masche offensichtlich immer noch so erfolgreich ist, liegt auch daran, dass sich die Täter immer wieder anpassen.

Die Polizei empfiehlt Kreditinstituten, bei älteren Kunden vielleicht einmal das vertraute Gespräch zu suchen, wenn überraschend eine hohe Geldsumme abgehoben wird. „Doch dann passen sich die Täter an und sagen den Opfern, sie dürften bei der Bank nicht sagen, wofür sie das Geld brauchen“, erklärt Elke Heinrichs, Leiterin der Führungsstelle Kriminalität.

Einen Zuwachs gab es auch bei den Sexualdelikten. Das ist zum einem auf die veränderte Rechtsgrundlage zurückzuführen, aber auch auf eine höhere Bereitschaft, zum Beispiel schon Fälle von Grapschen anzuzeigen.

Hohe Aufklärungsquote

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Grundsätzlich ist allerdings ein Rückgang der Straftaten zu verzeichnen. Und auch die Aufklärungsquote ist im Märkischen Kreis in den meisten Fällen über dem Landesdurchschnitt. Apropos Land: „Es sagt sich leicht, dass der Märkische Kreis sich dem Landestrend anpasst. Doch das ist schwere Arbeit“, erklärt Kuchenbecker und legt nach: „Und das alles bei einer Personaldecke, die schmilzt wie Schnee in der Aprilsonne.“

Doch allen Widrigkeiten zum Trotz richtet Kuchenbecker einen Appell an alle Kriminellen: „Such dir einen anderen Kreis aus. Hier im Märkischen Kreis werden wir dir weiter auf den Füßen stehen.“