Noch 755 Lehrstellen zu vergeben

Iserlohn. (as) So kann es aussehen, wenn ein Mensch zufrieden ist: Die Augen strahlen, das Lächeln steckt an. Genießerisch reibt sich Martin Stechele, seines Zeichens Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Iserlohn, die Hände. Heimische Industrie und Handel haben die Krise weitgehend hinter sich gelassen. Der Wirtschaftsmotor ist angesprungen – und er brummt. Als Martin Stechele die aktuellsten Zahlen seiner Agentur bekannt gab, konnte er fast nur Positives melden. Fast. „Alle haben vom Anspringen der Wirtschaft profitiert“, sagt er. „Die einzige Gruppe, die noch nicht gewonnen hat, sind die Schwerbehinderten.“ Hier wolle man künftig einen Schwerpunkt der Bemühungen setzen.

Doch zu den aktuellen Zahlen: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Vergleich zu Juni zwar leicht angestiegen, nämlich um 1,1 Prozent auf nunmehr 6,6 Prozent. Das heißt: 162 Menschen mehr sind ohne Job. Und dennoch spricht Martin Stechele von einer „erfreulichen Entwicklung“. Hinter dieser Zahl verbergen sich nämlich zumeist junge Leute, die gerade ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Viele von ihnen haben sich entschieden, ihren beruflichen Marktwert nun durch ein Studium aufzustocken, das sie im Herbst beginnen. Anderen, die von ihren Ausbildungsbetrieben nicht übernommen werden konnten, könne man schnell neue berufliche Perspektiven aufzeigen. Angesichts der Zahl von etwa 3.000 Ausbildungsverträgen, die Jahr für Jahr im Einzugsgebiet der Agentur für Arbeit geschlossen werden, sei die Zahl der jungen Menschen, die nun nach ihrer Ausbildung in die Agentur gespült werden, verhältnismäßig gering.

Gruppenbild nach der Präsentation der neuesten Zahlen von Agentur für Arbeit und Jobcenter: (v.l.) Martin Stechele, Jörg Schuhmacher, Tina Käpernick, Sylvia Kleinke, Volker Riecke. (Foto: A. Schneider)

Erfreulich werden die Zahlen der Agentur für Arbeit vor allem mit Blick auf die Vergangenheit: Der Märkische Kreis meldet 33,2 Prozent weniger Arbeitslose als im Juli 2010 und sogar 53,6 Prozent weniger als mit Juli 2009. Die Zahl der gemeldeten Arbeitsplätze im Zeitraum Januar bis Juli liegt weit über der des Jahres 2008 (2008: 6.940; 2011: 7253). Die intensive Suche der Betriebe nach gut ausgebildeten Fachkräften schränke zudem die Zeitarbeit ein. „Ich gehe davon aus, dass die Zeitarbeit in 2012 weiter zurückgeht“, prognostiziert Martin Stechele.

Stolz auf den höchsten Anstieg

Einen Rekord gibt es bei den gemeldeten Ausbildungsplätzen. 2775 sind es für dieses Ausbildungsjahr gewesen. 520 mehr als im Vorjahr. Ein sattes Plus vom 23,1 Prozent. „Das ist der höchste Anstieg in Nordrhein-Westfalen“, sagt Martin Stechele, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Iserlohn. Da schwingt Stolz in der Stimme mit.

Dieses Plus bietet Ausbildungssuchenden in diesem Jahr eine große Chance. 1.015 junge Menschen suchen noch einen Ausbildungsplatz. Aber gleichzeitig sind 755 Ausbildungsplätze im Märkischen Kreis nicht besetzt. Und dabei handelt es sich nicht um „Ladenhüter“. Jörg Schuhmacher, Teamleiter des Arbeitgeberservice, spricht von einem „bunten Strauß“ an Ausbildungsmöglichkeiten. Allein 23 Ausbildungsstellen zum Versicherungskaufmann beziehungsweise -frau sind noch offen. „So viele Ausbildungsangebote in diesem Bereich hatten wir noch nie“, sagt Jörg Schuhmacher. Lehrstellen werden gesucht in den Bereichen Fachkraft Lagerwirtschaft, IT-Systemkauffrau/ -mann, Installateur/in, Restaurantfachfrau/ -man, und sogar ein Speiseeishersteller-Azubi wird noch gesucht. In beinahe jedem Ausbildungsberuf gibt es in diesem Jahr immer noch Möglichkeiten.

Warum nicht in die Ferne schweifen?

Doch der Kreis mit seinen vielen Städten und Gemeinden sollte für die Ausbildungssuchenden nicht das Maß aller Dinge sein. „Für einen jungen Menschen ist es nicht immer leicht, von Iserlohn zum Beispiel nach Kierspe zur Ausbildungsstelle zu kommen“, sagt Jörg Schuhmacher. Deshalb regt er an, über die Kreisgrenzen hinweg zu schauen und sich vielleicht in Hagen, Schwerte, Fröndenberg oder Dortmund umzugucken. Gerade die jetzige Ferienzeit biete die Möglichkeit, ein Praktikum zu machen und es vielleicht mit einem Ausbildungsvertrag abzuschließen.

Auch Arbeitgebern legt Jörg Schuhmacher einige Ratschläge ans Herz: „Manchmal erkennt man die erste Wahl erst beim zweiten Blick“, sagt er. Tolle Zeugnisnoten sagen nicht immer alles über Engagement und Leidenschaft eines Ausbildungskandidaten oder einer -kandidatin. Und wenn es wirklich in der Schule hapern sollte, gebe es schließlich noch die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH). Mit gezielten Nachhilfestunden kann der Berufsabschluss erreicht werden – und die Kosten für den Zusatzunterricht trägt die Arbeitsagentur.