Parkplatzsuche – und kein Ende?

Iserlohn. (clau) Es geht ihm keineswegs um die paar Euro, die ihn sein Knöllchen vor zwei Wochen gekostet hat. Die hat er längst überwiesen, versehen mit einem Kommentar, den er frustriert auf die Rückseite des Formulars gekritzelt hat. Gerhard Schwalm fragt, ob es tatsächlich sein muss, dass sich das Parken in Iserlohns Innenstadt zur wahren Unmöglichkeit steigert.

Bleichstraße, Wallstraße, Hochstraße, Stefanstraße.... - im ganzen Umfeld ist das Parken reine Glückssache. (Foto: Claudia Eckhoff)

Der ehemalige Werkzeugmacher ist schon vor etlichen Jahren aus der Brüderstraße in der südlichen Innenstadt fortgezogen zur Iserlohner Heide – nicht zuletzt auch wegen der immerwährenden Parkplatznot in der City. Seit fünf Jahren ist der 63-Jährige zudem erheblich beeinträchtigt. Seine Lunge ist schwerst krank. „Fünf vor Zwölf“, sagt der ehemalige Leistungssportler. „Mir kann keiner mehr helfen.“

Jeder Gang ist schwer

Er hat sich daran gewöhnen müssen, dass ihm einfach alles schwer fällt. Sogar der Weg zu seinem Auto – Treppe runter, durch den Keller, Treppe wieder rauf und über den Hof – bis zu seiner Garage fordert ihm fast zu viel ab. Schleppen, Heben, Steigen, Laufen – alles ist ihm verboten. Nichts geht mehr.

Sein schweres Sauerstoffgerät direkt neben seinem Bett muss ihm immer öfters helfen, Luft zu bekommen.

Nur sonntags zur Wallstraße

Menschen wie er bräuchten einen eingebauten Parkplatz. Er weiß, dass das zuviel verlangt ist.

Seinen Bruder, der in der Wallstraße wohnt, kann er darum nur am Wochenende besuchen. Sonntags halten nämlich die sonst so emsigen Iserlohner Politessen schon eher einmal Ruhe. Dann kann Gerhard Schwalm es wagen, so nah wie möglich am Haus des Bruders zu parken. „In seinem Haus ist kürzlich ein älterer Herr eingezogen“, erzählt er. „Der ist auch schon ganz verzweifelt. Es gibt einfach im ganzen Umkreis viel zu wenige Parkplätze.“

Hier liegt doch Parkfläche praktisch auf der Straße - so könnte denken, wer in der Gegend wieder einmal vergeblich einen Parkplatz suchend seine frustrierenden Runden dreht. (Foto: Claudia Eckhoff)

Gemeint ist der Bereich Stefanstraße, Weststraße, Wallstraße, Dördelweg, Hallstraße, Kurze Straße, Hochstraße, Bleichstraße – im weiten Umkreis um das St.-Elisabeth-Hospital.

Und wieder ein Knöllchen

Neulich hat sich Gerhard Schwalm hier ein Knöllchen eingefangen, das ihn besonders verbittert. „Das war ein Notfall“, sagt er, wohl wissend, dass dem Ordnungsamt bei wahrscheinlich jedem zweiten Knöllchen Geschichten von Notfällen erzählt werden.

Sein dreizehn Jahre jüngerer Bruder ist ebenfalls lungenkrank, so schwer, dass er kaum noch die Wohnung verlassen kann. Er schläft nachts mit einem Beamtungsgerät. Schon oft musste er den Notarzt rufen, was regelmäßig dazu führt, dass er sich im Krankenhaus wiederfindet. An jenem Tag Ende Juli wollte er nicht wieder eingewiesen werden. Er setzte seine Hoffnungen auf den älteren Bruder und dessen Sauerstoffgerät. „Gerd, mir geht‘s ganz mies“, soll er gesagt haben. „Kannst du mir dein Gerät bringen? Vielleicht hilft mir das.“

Gerhard Schwalm kam, kämpfte sich mit seinem 20 Kilogramm schweren Gerät bis zur Wallstraße durch, setzte es dort vor der Tür ab – und begab sich dann auf Parkplatzsuche. Am Ende war es – ja, er gibt es zu – ein Anliegerparkplatz. Er wollte nur schnell dem Bruder das Gerät erklären und dann wieder weg. Aber er war nicht schnell genug für die Iserlohner Politessen.

„Die Anwohner kochen alle!“

Die Lage sei dramatisch in dem genannten Gebiet: „Die Anwohner kochen alle!“ Tagsüber, wenn viele zur Arbeit fort sind, ginge es noch. Aber gegen Feierabend verschärfe sich die Situation. Ein Bekannter, der in der Weststraße wohne, habe kaum eine Chance, wenn er nach seinem Dienst gegen 17 Uhr zuhause in der Weststraße vorführe, sein Fahrzeug halbwegs fußläufig zur Wohnung ordnungsgemäß abzuparken.

Gerhard Schwalm ist ein schwerkranker Mann. Trotzdem eilte er mit seinem schweren Sauerstoffgerät seinem Bruder zur Hilfe. Die Rettungs-Aktion brachte ihm ein Knöllchen ein. Wieder einmal. (Foto: Claudia Eckhoff)

„Ich frage mich, ob es für diese Gegend nicht eine Lösung des Parkplatzproblems gäbe“, sagt Gerhard Schwalm.

Lösung hinterm Zaun?

Direkt neben dem Haus seines Bruders ist vor einem Jahr das Asylantenheim abgerissen worden. Um die Ecke herum in der Gerichtsstraße liegt hinter dem Drahtzaun das brache Gelände der vor Jahren schon abgerissenen Firma Wortmann.

Immer, wenn er in dieser Gegend in seinem Auto wieder einmal vergeblich suchend Kreise zieht, sieht er Leidensgenossen, die genau wie er frustriert hinter ihren Lenkrädern klemmen. „Man sieht richtig, wie die alle nach den brachen Geländen schielen“, sagt Gerhard Schwalm. „Auf dem einen Gelände könnten bestimmt 40 Autos parken, auf dem anderen Hunderte. Man müsste eigentlich nur den Drahtzaun öffnen…“

Warum die Stadt Iserlohn die Gelände nicht kurz- oder mittelfristig als Parkplätze nutzt, um den drückenden Parkplatzmangel im Umfeld abzufedern, fragt sich der Iserlohner.

Willkommene Einnahme?

Vielleicht – so vermutet er aber – ist die Stadtverwaltung auch ganz dankbar für die sprudelnde Einnahmequelle aus den Knöllchen rund um die Wallstraße. Nachdem ein Freund auf einem Parkplatz hinter dem Rathaus sich kürzlich über Nacht ein 40-Euro-Knöllchen eingehandelt hat, weil abends sein Wagen nicht anspringen wollte, traut Gerhard Schwalm dem Ordnungsamt gründliche Geldmacherei zu. „Das Schild, das er mit der Aufschrift ‚Wagen springt nicht an‘ hinter der Windschutzscheibe hinterlassen hatte, war 80 mal 40 Zentimeter groß“, sagt er kopfschüttelnd.