Quo vadis, Roosters? – Vertrag gekündigt, Hallenproblematik spitzt sich zu

Iserlohn. (hc) Wohin geht die Reise für die Iserlohn Roosters? Wolfgang Brück, geschäftsführender Gesellschafter der lserlohn Roosters GmbH, und Roosters-Prokurist Bernd Schutzeigel teilten jetzt mit, dass die Roosters ihren Mietvertrag mit dem Betreiber der Eishalle, der Bädergesellschaft, gekündigt haben. Konkret bedeutet das: In der kommenden Spielzeit verfügen weder Eishockey-Nachwuchs noch die Profis über eine Halle. Was nun?
Wolfgang Brück sieht in der Kündigung einen notwendigen Schritt, um das Eishockey in Iserlohn vorwärts zu bringen. Denn: Es fehlt schlicht und ergreifend eine zweite Eisfläche.
Mit der Forderung nach der zweiten Fläche möchte der Club nicht einfach nur die Bedürfnisse von Eishockey, Sledge-Hockey, Eiskunstlauf und öffentlichem Laufen unter einen Hut bringen. Der Deutsche Eishockey-Bund fordert vom Club mehr Zeit auf dem Eis. Im Rahmen des sogenannten Fünf-Sterne-Programms, dem Nachwuchsförderkonzept von Verband und Liga, müssen dem Nachwuchs ausreichend Zeiten zu Verfügung gestellt werden. Aber die Eishalle am Seilersee ist ausgereizt.
Empfindliche Strafen drohen
Und weil man deshalb nicht in der Lage ist, benötigte Zeiten zu Verfügung zu stellen, erwarten die Roosters empfindliche Strafen. „Dafür können wir uns eine zweite Sturmreihe leisten“, erklärt Brück die Dimension für die Roosters. Und hier schließt sich auch der Kreis für Brück mit der Mietvertragskündigung. „Wenn wir die Pacht plus die Strafe stemmen müssen, kann es uns in wirtschaftliche Probleme bringen.“ Kann – nicht muss. Mit einer günstigeren Mannschaft könnte es vielleicht aufgefangen werden. Doch Brück gibt offen zu, dass Manager Karsten Mende mit einem noch kleineren Etat wohl kaum eine DEL-taugliche Truppe unter Vertrag nehmen könnte.
Gespräche gefordert
Daher hoffen die Roosters auf konstruktive Gespräche mit der Stadt. Bisher herrscht nämlich unangenehme Funkstille zwischen den beiden Parteien. Für die Roosters liegt der Puck aber im Drittel der Verwaltung. Die Roosters erwarten konkrete Vorstellungen seitens der Stadt. „Wir waren und sind auch weiterhin bereit, uns an den Investitionen zu beteiligen“, sagt Brück.
Mittlere Lösung gewünscht
Eine durchgeführte Machbarkeitsstudie hat drei mögliche Szenarien erbracht. 2,5, 4,5 oder 6,4 Millionen Euro lauten die Kennzahlen für den Bau einer zweiten Eisfläche. „Wir würden den mittleren Vorschlag bevorzugen. Das wäre genau das Richtige. Auf Tribünen und so etwas können wir verzichten“, erklärt Brück.
Jetzt warten die Roosters auf Reaktionen aus dem Rathaus. Einen Besichtigungstermin gab es bereits im vergangenen Jahr, da konnten die Vertreter der Verwaltung sich ein Bild vor Ort machen. Danach passierte aber nichts. – Genau das aber bringt Brück auf die Palme.
Für ihn geht es in diesem Fall nicht um das High-End-Produkt DEL-Eishockey, sondern um die gezielte Förderung des deutschen Eishocky-Nachwuchses. „Wir haben schließlich auch eine soziale Verantwortung“, lautet Brücks Plädoyer. Das Angebot des IEC an Grundschüler, in der Laufschule das Schlittschuhlaufen zu erlernen, sieht er auch als Möglichkeit für Kinder, den Einstieg in der Sport zu schaffen. Die zweite Eisfläche wäre sowieso ein Investition in die Zukunft. Einen Effekt, so schätzen die Roosters-Verantwortlichen, könnte man erst fünf bis zehn Jahre später erkennen.
Die Mitnutzung der Eisfläche in Unna ist übrigens keine Alternative. Da schiebt der DEB einen Riegel vor, weil die Dis­tanz zu groß ist.
Nachteil
Dass die Roosters sowieso schon hintendran sind mit der Entwicklung, ist daran abzu­lesen, dass es nur drei weitere DEL-Klubs gibt, die ebenfalls keine zweite Eisfläche haben. Der EHC Wolfsburg, DEL-Neuling Bremerhaven und Straubing. Wobei die Niederbayern dicht davor sind, eine zweite Eisfläche zu bekommen. Und wer glaubt, dass eine zweite Eisfläche das Nonplusultra sei, der kann seinen Blick auf Ingolstadt (dritte Eisfläche im Bau) und Mannheim (vierte in Planung) richten. Gerade die Mannheimer Jung­adler bringen immer wieder sehr gute, junge DEL-Spieler hervor. Ein Zusammenhang ist also durchaus erkennbar.
Zurück nach Iserlohn. Hier stehen die Stadt und die Roosters an einem Scheideweg. Eine zweite Eisfläche ist ein Muss für die Puckjäger, ohne Wenn und Aber.
Reaktion der Stadt
Die Stadt Iserlohn in Person von Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens reagierte nun. Am Montag wird es eine Sitzung aller Fraktionsvorsitzenden geben, zu dem auch Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Klaus Weimer eingeladen ist. In diesem Vorgespräch soll der weitere Weg besprochen werden – inklusive Gesprächsangebot an die Roosters. „Ein Gespräch wird es zeitnah sicherlich geben“, erklärt Ahrens.
Verwirrung herrscht im Rathaus dagegen über Anspruch und Aktion des IEC. „Die Kündigung des Mietvertrags war nicht unbedingt motivationsfördernd“, sagt der Bürgermeister im Bezug auf die Gesprächsaufforderung der Roosters.
Provkation
Schließlich sei es kein positives Zeichen, wenn der eine Vertragspartner den Kontrakt kündigt. Der Eindruck sei erweckt worden, „dass einer nicht mehr wolle“, so Ahrens. Der Verwaltungschef sieht sich sowieso erst einmal nicht unbedingt in der Pflicht – erster Ansprechpartner seien die Stadtwerke, lässt er verlauten. Schließlich seit die Eishalle an die Stadtwerke ausgelagert worden und dort würden Fragen über Miete, Investitionen und Co. zunächst einmal diskutiert werden.
Hoffnung auf breite politische Zustimmung
Dennoch sieht er natürlich auch die Politik in der Verantwortung, diese Sache nicht einfach von sich zu weisen. Die CDU hatte bereits vor Jahreswechsel ihre Zustimmung signalisiert und die Roosters ihrerseits zum Gespräch eingeladen. „Aber eine Partei alleine ist da nicht ausreichend“, erklärt Brück, der sich natürlich eine möglichst breite Unterstützung wünschen würde.
Fakt ist, dass beide Seiten sich nun offensichtlich in der Hallenproblematik aufeinander zu bewegen. Ein positives Signal für alle.