Schlechtes Rot und gutes Blau?

Energieberater Martin Wulf in Diensten der Verbraucherzentrale Iserlohn startet die zweite Staffel der Thermografie-Aktion, die Hausbesitzern knallbunt helfen will, am rechten Fleck Energie zu sparen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Iserlohn. (clau) Nichts ist ärgerlicher, als sein Geld zum Schornstein hinauszublasen. Genau das aber tun notgedrungen all die Hausbesitzer, deren Gebäude energetisch zu wünschen übrig lassen. Wer der Verschwendung seiner noch anderweitig gebrauchten Euros und der unnötigen Umweltbelastung Einhalt gebieten will, braucht oft Expertenrat. Darum startet die Verbraucherzentrale Iserlohn in diesen Tagen zum zweiten Mal eine Thermografie-Aktion, die mit einer unabhängigen Energieberatung gekoppelt ist.

„Mit Hilfe einer Infrarot-Kamera werden Wärmebilder erstellt, die Energieverluste und Schwachstellen an der Gebäudehülle aufdecken“, so Diplom-Ingenieur Martin Wulf, Energieberater der Verbraucherzentrale NRW für Iserlohn und Hemer. Selbst für ihn als erfahrenen Experten, der die gängigen Schlupflöcher der kostbaren Wärme wie undichte Fenster, Glasbausteinflächen, Heizkörpernischen oder nicht isolierte Rolllädenkästen bestens kennt, sind die Bilder der Wärmebildkamera immer wieder eine zusätzlich Hilfe.

„Die Thermografiebilder zeigen das, was man mit bloßem Auge nicht sehen kann, etwa Bauschäden oder eine unter der Wandverkleidung verrutschte Dämmmatte oder ein tropfendes Wasserrohr in der Wand“, so Martin Wulf. Für den ratsuchenden Hausbesitzer dagegen machen die Bilder knallbunt und dringlich klar, wo die größten Problemzonen stecken.

Thermografie lesen lernen

Die Bilder zu bestellen ist das eine. Sie aber auch zu lesen ist das andere. Und hier genau greift die Energieberatung der Verbraucherzentrale. Rot ist schlecht? Dass die rote Farbe auf Wärmeverlust hindeutet, ist naheliegend. Was aber bedeuten die vielen anderen Mischfarben? Und vor allem: Was ist jetzt zu tun?

„Um die Bilder exakt zu lesen, braucht man Kenntnisse über die Fototechnik und Fachwissen zu bauphysikalischen Schwachstellen von Gebäuden“, erklärt Wulf. „Damit kann man einen Laien nicht allein lassen.“

Zudem gibt es einige Faktoren, die die Aussage der Thermografiebilder stark verfälschen können: Eine Klinkerfassade, heruntergelassene Rollläden, der Schatten eines vor dem Haus stehenden Baumes, Efeubewuchs oder auch nur Regen können leicht in die Irre führen und dann wohlmöglich teure Konseqenzen haben.

Langfristig planen

„Da muss man neutral draufschauen und anschließend einen vernünftigen ganzheitlichen Sanierungsfahrplan für die nächsten 15 bis 20 Jahre erstellen“, ist Martin Wulf überzeugt. Dabei kann man sich auf sich allein gestellt und ohne Überblick leicht vergalloppieren, weiß der Experte. Natürlich ist es sinnvoll ein Dach neu zu decken oder eine neue, leistungsstärkere Heizung anzuschaffen.

Noch besser ist es aber, die einzelnen oft kostenintensiven Schritte wohl zu überlegen und gut auf einander abzustimmen. „Dabei hilft unsere unabhängige Energieberatung“, ist Martin Wulf überzeugt. „Zur Ausführung der einzelnen Schritte des Sparkonzeptes kann selbstverständlich jeder wieder den Fachmann seines Vertrauens zu Rate ziehen und beauftragen, wen er will.“

Rot ist schlecht. Aber was ist Gelb, was Blau, was Violet? Wie ein Thermografiebild zu lesen ist, erläutert die Verbraucherzentrale bei der Energieberatung vor Ort. (Foto: Verbraucherzentrale)

Und so läuft‘s

Und so läuft die Thermografie-Aktion ab: Wer teilnehmen möchte, kann sich ab sofort unter Telefon 0 23 71/ 83 60 20 oder per E-Mail an iserlohn.energie@vz-nrw.de bewerben. Nur etwa 50 Termine können vergeben werden. Die Bewerber erhalten dann von der Verbraucherzentrale Unterlagen mit einem Gebäudefragebogen, die ausgefüllt zurückgesandt werden müssen. Da die Thermografiebilder nur nachts und nur bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ausgeführt werden können, ergeben sich Fragen wie: Soll der Hausherr geweckt werden? Muss eine Alarmanlage ausgeschaltet werden? Gibt es Zugang zum Garten? Wacht ein Hund? Lauert ein zugefrorener Gartenteich?

Jetzt schnell bewerben

Wird der Auftrag erteilt, warten alle Beteiligten auf die nächstbeste passende Nacht. Die fertigen Bilder schickt der Thermograf an die Verbraucherzentrale, die einen ersten Bericht verfasst und dann einen Termin für die Energieberatung anhand der Bilder mit dem Hausherrn vereinbart.

Das Gesamtpaket aus Thermografie plus Energieberatung kostet 159 Euro.

Weitere Informationen und auch die Unterlagen können zusammen mit wichtigen Hinweisen zum Ablauf der Sonderaktion unter www.sparnachbar.de/thermoaktion-iserlohn-hemer heruntergeladen werden.

Da nicht nur generell die Teilnehmerzahl begrenzt ist, sondern zur Zeit offensichtlich auch die Anzahl der zu erwartenden kalten Tage und Nächte empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung.