Schlieperblock erwacht aus Dornröschenschlaf

Iserlohn. (clau) Lange 80 Jahre nach der Erbauung geht es endlich an die Rettung und Wiederbelebung des vieldiskutierten Schlieperblocks. „Die Baugenehmigung ist  jetzt erteilt“, zeigt sich der Geschäftsführer der Iserlohner Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Olaf Pestl erleichtert. „Die IGW kann hier einen hervorragenden Beitrag zur Iserlohner Stadtentwicklung leisten und Verantwortung übernehmen für ein herausragendes Bauensemble.“
Die Siedlung steht seit 2011 als für NRW einmaliges Objekt unter Denkmalschutz. Im ganzen Bundesland gibt es kein zweites Beispiel für diesen Siedlungstypus, der auch noch bis heute geschlossen, vollständig erhalten blieb.

Eine einmalige Siedlung

Zehn Jahre hat es gedauert, bis ein schlüssiges Rettungskonzept stand, zahlreiche Fachbehörden sich darüber einig wurden und die Baugenehmigung jetzt erteilt werden konnte.
Die IGW wird nun zügig die schon seit Ende 2012  entmieteten Häuser umgestalten, modernisieren und zum großen Teil verkaufen.
Die im Geiste der Bauhausbewegung 1928 bis 1932 gebaute Siedlung entstand in wirtschaftlich mageren Zeiten: Weltwirtschaftskrise und rasende Geldentwertung bestimmten auch das Bauen. Damals sollte die neue, äußerst schlichte Siedlung als Ausweichquartier für Erwerbslose dienen, die aus baufälligen Gebäuden in der Innenstadt umgesiedelt werden mussten.
In den langen Reihen aus fast schmucklosen Kuben befanden sich jeweils vier winzige zweckmäßige Wohneinheiten.

Wie Phoenix aus der Asche

Die zukünftigen Bewohner werden dagegen großzügig und licht im Grünen je ein ganzes Haus allein bewohnen – mit  einem eigenen Garten. Wie der legendäre Phoenix aus der Asche soll die Siedlung im neuen Geist erstehen.
Von den 23 Gebäuden werden 17 als Ausbauhäuser verkauft. Sie verfügen bei verschiedenen Grundrissen über 120 bis 160 Quadratmeter samt Keller. „Die IGW wird die Häuser von außen saniert verkaufen mit einheitlichen neuen Türen und zum Teil sogar bodentiefen Fenstern. Fassaden, Dächer und Außentreppen werden im Vorfeld saniert. Der Innenausbau obliegt dem Käufer,“ so Olaf Pestl.
Das momentane Zinstief, Steuervorteile durch den Denkmalstatus und mögliche KfW-Förderkredite machen den Kauf attraktiv. Wer gar handwerkliche Eigenleistung einbringen kann, dem winkt ein echtes Schnäppchen. Am Samstag, 21. Mai, will die IGW etwa von 10 bis 16 Uhr direkt vor Ort Kaufwillige beraten. Neun der Häuser sind bereits reserviert.

Sich ein Bild machen

Eine Häuserzeile will die IGW allerdings selbst behalten, um auch in Zukunft am Standort präsent zu bleiben. In den sechs Häusern werden zwölf Mietwohnungen geschaffen,  alle mit eigenem Eingang und Terrasse.
„Eins der Gebäude entkernen wir gerade“, erklärt Olaf Pestl. „Wir wollen uns exemplarisch ein genaues Bild der Bausubstanz machen, um spätere böse Überraschungen zu vermeiden.“
In den nächsten Tagen geht es auch im Außenbereich der Siedlung los, zunächst mit der Aufnahme von Asphaltflächen und dem Abriss einiger nicht denkmalgeschützter Nebengebäude.
Informationen zu den Mietwohnungen gibt es bei der IGW unter Tel. 02371/ 793-130. Die Vermarktung der Häuser übernimmt der Immobilienservice der Sparkasse Iserlohn, Tel. 02371/ 216-402.