So aktuell ist Millers „Hexenjagd“

Hexenjagd - Carsten Klemm und Wolfgang Seidenberg
Carsten Klemm (l.) und Wolfgang Seidenberg sind am Dienstag, 18. September, in der Premiere der Hexenjagd zu erleben. (Fotos: Matthias Stutte und Sabine Haymann)

Iserlohn. Und wieder ist es Johannes-Josef Jostmann und seinem Team vom Iserlohner Kulturbüro gelungen, eine Theaterpremiere ins Parktheater zu holen, wie sie aktueller kaum sein kann. Das Theaterstück „Hexenjagd“ des US-amerikanischen Dramatikers Arthur Miller behandelt mit der Hexenverfolgung des 17. Jahrhunderts in Amerika zwar einen historischen Stoff, die Zusammenhänge zwischen religiösem und politischem Fanatismus werden aber vom Autor bewusst auch auf die Gegenwart bezogen.

Über 60 Jahre nach der Uraufführung ist „Hexenjagd“ thematisch nun plötzlich wieder das Stück der Stunde. Denn garantierte und selbstverständlich gewordene Rechte und Errungenschaften werden durch aktuelle politische Entwicklungen durch Herren wie Trump, Erdoğan, Orbán oder Kaczyński zunehmend außer Kraft gesetzt. Doch wir müssen gar nicht über die Grenzen in andere Länder schauen, um Tabubrücke schmerzlich spüren zu müssen. Wenn sich ein deutscher Innenminister über 69 Abschiebungen von Flüchtlingen zu seinem 69. Geburtstag freut, muss man sich wohl nicht nur Gedanken über den fragwürdigen Humor eines wichtigen Politikers machen. Wenn der oberste Verfassungsschützer der Republik Bilder einer Hetzjagd eines rechten Mobs auf Flüchtlinge in Frage stellt, bevor sie überhaupt geprüft wurden, um anschließend wieder halbherzig zurückzurudern, stecken wir mitten drin in einer „Hexenjagd“, wie Arthur Miller sie schildert.

Am Dienstag, 18. September, 20 Uhr, feiert das Stück, in einer Inszenierung der Euro-Studio-Landgraf Premiere im Parktheater Iserlohn. Es gehört zu Recht zu den erfolgreichsten und meistgespielten Dramen des Autors Arthur Millers. Wolfgang Seidenberg und Carsten Klemm hauchen den messerscharfen Charakterporträts Leben ein. Erfolgsregisseur Volkmar Kamm, der im Laufe seines Werdegangs zahlreiche Auszeichnungen wie z.B. den 2. Inthega-Preis 2015 (Jeder stirbt für sich allein) und den 1. Inthega-Preis 2016 (Die Blechtrommel) erhielt, konnte für diese Produktion gewonnen werden. Um 19.30 Uhr führt Schauspieler Christian Meyer, der auch im Stück mitwirkt, in die Thematik von „Hexenjagt“ ein.

Mit seiner außergewöhnlichen Bühnenwirkung und den Charakterporträts bis in die kleinste Nebenfigur hinein, ist Millers Stück „Hexenjagd“ auch heute noch ein Lehrstück über jegliche Art von Massenhysterie und politisch bzw. religiös motivierte Wahnvorstellungen. Der Autor führt exemplarisch vor, wie leicht ein demokratisches System durch Intoleranz, Ignoranz und Fanatismus mit den Mitteln seiner eigenen Ordnungs- und Rechtsdisziplin ausgehebelt werden kann.

Für den Zustand pubertierender Mädchen, die nach einem nächtlichen Tanz im Wald sonderbar reagieren, gibt es im puritanischen Salem des 17. Jahrhunderts nur eine Erklärung: Teufelswerk.

Man ruft den bekannten Hexenspezialisten Pastor Hale zu Hilfe. Bei den von ihm geleiteten Verhören geben die Mädchen als Ausrede an, verführt und verhext worden zu sein. Sie merken schnell, dass sie der Strafe entgehen können, wenn sie andere der Teufelsbuhlerei beschuldigen. Und so denunzieren sie munter drauf los, bezichtigen unliebsame Gemeindemitglieder und genießen ihre neu gefundene Macht. Eine Hexenjagd beginnt. Zu den angeblich verhexten Mädchen gehört auch Abigail, die bis vor kurzem ein Verhältnis mit dem Bauern John Proctor hatte. Sie nutzt das Hexengericht, um Proctors Ehefrau zu denunzieren und damit aus dem Weg zu räumen. Teufelsspezialist Hale beginnt, das schreckliche Denunzieren zu durchschauen. Allerdings zu spät. Bis klar ist, dass sich hinter Wahn und Massendenunziation nur eigennützige Ziele verbergen, werden einige Unschuldige hingerichtet.