Spiegelbild der Stadt

Iserlohn. (clau) Jetzt kurz vor dem Schützenfestzug 2016 werden die Erinnerungen an das vergangene Jahr wieder wach, als nach einer Unwetterwarnung zum ersten Mal in der Geschichte des IBSV ein Festzug komplett abgesagt werden musste. „Das war der absolute Super-Gau“, sagt Zug-Organisator Christan Stampe. „Da musste einfach die Vernunft siegen. Vor zwanzig Jahren hat es schon einmal wahnsinnig geschüttet. Da mussten alle triefnass im Galopp zur Alexanderhöhe hinauf. Aber eine totale Absage – das hatte es noch nie gegeben.“

Jetzt erst recht

Es fiel ihm unsäglich schwer, im letzten Augenblick das Spektakel abblasen zu müssen, für das Tausende von Mitwirkenden schon bereitstanden.

„Viele – wie die Tanzschulen – schneidern sich schließlich jedes Jahr extra für den Zug ihre Outfits oder bedrucken ihre T-Shirts“, bedauert er. Aber letztendlich war er froh und zutiefst erleichtert, wie reibungslos die traurige Voll-Bremsung dann gelang.

„Weil das Unwetter doch ausblieb, machten die, die da waren, das Beste draus und zogen musizierend durch die Straßen. Die Abiturienten knatterten mit ihrem Traktor herum. Es hatte was von fröhlichem Straßenkarneval.“

Stadtbild-Spiegelbild

Von Kindesbeinen an hat Zug-Organisator Christian Stampe den sommerlichen Schützen-Umzug des IBSV genossen. Schon als Knirps liebte er den Anblick der mit grünweißen Fahnen geschmückten Stadt, das Menschenmeer von rund 80.000 Zuschauern in den Straßen und den bunten Zug mit etwa 7.000 Teilnehmern aus Kapellen, Kompanien, Kanonen, Pferden, Damen im Ballkleid und Herren im Schützenrock. Ganz zu schweigen von all den anderen bunten Gruppen, die sich dem Festzug anschließen.

Alle gemeinsam zeigen sie ein  buntwogendes Bild der Stadt Iserlohn in all ihren gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Eigenheiten. Wer Iserlohn richtig kennenlernen will, hat beim Zug die beste Gelegenheit.

„Zuzuschauen ist lehrreich, könnte man sagen“, meint Christan Stampe. „Alle Zugereisten, Gäste und ganz besonders alle Flüchtlinge sind herzlich eingeladen, dabei zu sein und sich selbst ein Bild zu machen.“ Der Festzug verstehe sich als ein Geschenk an die ganze Stadt und ihre Bürger. Schützen und Eishockey – das seien zwei der größten Aushängeschilder Iserlohns. Und natürlich sei der Iserlohner Eishockey-Club deshalb im IBSV-Festzug auch dabei.

Sich treu bleiben auch im Wandel

In diesem Jahr gibt es kein Jubiläum zu feiern. Der größte Festzug Deutschlands, der von nur einem einzigen Verein gestemmt wird, ist eine unverwechselbare einzigartige Marke für sich. Er bleibt sich  treu und geht doch mit der Zeit.

Die Marschroute, die grünen Schützenröcke, die Blasmusik – all das bleibt. Andererseits: Gingen die Stenner-Abiturienten früher mit Klingelstock, schwarzer Hose und weißem Hemd mit, fahren sie heute im Party-Wagen. Und das kostet: Die Musik, der Wagen, Getränke, das Wurfmaterial haben ihren Preis. Wer oben auf sein will, zahlt seinen Obolus.

„Selbst als König in der weißen Kutsche zu sitzen, durch die Stadt zu fahren und gefeiert zu werden, das ist einfach einmalig“, sagt Christian Stampe mit glänzenden Augen.
Mehr als ein Verein

Stampe muss es wissen, denn 2009 wurde ihm diese große Ehre zuteil. „Wer einmal so bejubelt werden möchte, sollte Mitglied werden. Der IBSV ist viel mehr als nur ein Schützenverein und hat das ganze Jahr über sehr viel zu bieten.“

Zum 18. Mal zeichnet er in diesem Jahr nun verantwortlich für den reibungslosen Zugablauf. „Ich bin sozusagen ‚volljährig‘ geworden als Leiter der Festzugkommission“, lacht er. „Aber nur zusammen mit Manfred Dirkling, Klaus Krewett und Reimund Trebschuh von der Festzugkommission und natürlich auch mit den Spießen, die die Marschblöcke aufstellen, gelingt die Arbeit.“

Dass Christian Stampe an der Sache nicht zeitlebens kleben will, hat er schon oft verkündet. Seit bereits vier Jahren sucht er einen Nachfolger, aber kein anderer reißt sich offenbar um die Mammutaufgabe.

Auf ein Neues

Auf ein Neues: Am Samstag, 2. Juli 2016, um 10.30 Uhr und am Sonntag, 3. Juli, um 15 Uhr wird der Zug durch die Stadt rollen. Trillerpfeifen, Wasserpistolen und dergleichen werden unerbittlich „einkassiert“. Wer im Zug dabei ist, hat nüchtern sein Bestes zu geben und eine gute Figur für Iserlohn zu machen. Kein Alkohol! Die kleinsten Zuschauer brauchen besondere Beaufsichtigung am Straßenrand, damit sie nicht unter die Reifen, Räder und Hufen geraten.

„Den Wetterbericht werde ich mir aber frühestens zwei Tage vorher aufmerksam anhören“, lacht Christian Stampe, der sich auf keinen Fall verrückt machen wird. Er wird die Nerven behalten – wie immer.