Sportlich Iserlohner Grundschulen

Iserlohn. (clau) Als eine von insgesamt 33 Städten hat Iserlohn an dem Projekt „KommSport“ der Bezirksregierung Arnsberg teilgenommen. Im Laufe des letzten Schulhalbjahres wurden die Kinder aus 28 zweiten Grundschulklassen auf ihre Motorik hin getestet. Dabei offenbarten sich manch sportliche Talente, aber auch motorische Auffälligkeiten. Defizite und Fehlentwicklungen blieben nicht verborgen. Förderbedarf wurde genauso offensichtlich wie große Stärken.

Was beim „KommSport“-Test herauskam, verwundert wenig. Wenn Kinder dort aufwachsen, wo es viel freie Natur, viel Gärten zum Toben, viel Freiräume zum Spielen und reichlich Sportangebote gibt, können sie sich motorisch gut entwickeln. Wo dieses positive Umfeld fehlt, hapert es schnell mit der kontrollierten, gekonnten Beweglichkeit.

Was also tun?

So wurde offenbar: Im grünen Umfeld der Stadt sieht es für die Dötze besser aus als im zugebauten Stadtkern. Was nun tun mit dieser Erkenntnis?

Zusammen mit Nicole Lebeus, der städtischen Koordinatorin für Inklusion in der Schule, und den Partnern Kreissportbund (vertreten durch Günther Nülle) und die Bezirksregierung Arnsberg (vertreten durch Sportdezernent Rainer Fiesel) stellte Katrin Brenner, erste Beigeordnete und Leiterin des Ressorts Generationen und Bildung der Stadt Iserlohn, ein Pilotprojekt vor, an dem auch das Schulamt Lüdenscheid beteiligt ist.

An den Schulen soll angesetzt werden. Das Thema „Inklusion“ überfordert offenbar viele Lehrkräfte. Manche Pädagogen fühlen sich hilflos den neuen Erziehungsaufgaben gegenüber, ratlos und im Stich gelassen. Besonders im Sport, einem Fach das meist vom Klassenlehrer erteilt wird, zeigen sich einerseits die Schwierigkeiten, die die Inklusion mit sich bringt. Aber genau hier liegen auch Chancen brach.

Praktische Hilfen für die Lehrer

Die Grundschullehrer sollen nun fortgebildet werden, damit sie motorische Auffälligkeiten frühzeitig erkennen und diese spielerisch abbauen lernen. Richtige Bewegung kann heilen, wirkt sich positiv auf andere Bereiche aus – und hilft sogar beim Rechnen. Oft läuft es im Leben auf ganz simple Formeln raus: „Mehr Sport, weniger Aggression“ könnte eine heißen. Wenn sie aufgeht, erspart sie Kindern und Eltern sogar überflüssige Therapiestunden.

Der Kreissportbund arbeitet daran, mit Hilfe ehrenamtlicher Übungsleiter ein sportliches Angebotspaket für die Schulen zu entwickeln. Im Rahmen etwa des Offenen Ganztags soll den Kindern mehr gezielte Bewegung geboten werden.

„Damit machen wir in Iserlohn nun die Inklusion erst rund“, sagt Katrin Brenner. „Wir sind richtig stolz auf unser Pilotprojekt, das ohne Nicole Lebeus als Schnittstelle zwischen Lehrern, Eltern, Kindern, der Stadt und unseren Sportpartnern gar nicht durchführbar wäre.“

Ein erster Anfang

Die Ansprechpartnerin in Inklusionsfragen hat nun jeweils zwei Pädagogen aller 14 Iserlohner Grundschulen zu einer ersten dreistündigen Fortbildung in Sachen Sport und Motorik eingeladen. Rainer Fiesel als Sportdezernent begrüßt das Pilotprojekt: „Damit ist Iserlohn federführend in NRW.“

Günther Nülle vom Kreissportbund hofft nicht zuletzt langfristig auch ein wenig auf Nachwuchs für die zahlreichen Iserlohner Sportvereine.

Und Katrin Brenner erwartet, dass der Sportunterricht damit aufgewertet und wieder wirklich sportlich wird. „Inklusion ist eine Geisteshaltung und eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagt sie. „Unser Projekt will für die Kinder die Optionen verbessern, für alle Kinder.“ Das Projekt ist zunächst auf vier Jahre angelegt.