Verspielte „Alarmanlagen“

Gerade einmal acht Wochen alt sind die Islandhunde-Welpen: Sie fühlen sich in den Armen von Susanne Schütte sichbar wohl. (Foto: A. Schneider)

Oestrich. (as) Sie sind quirlig und verspielt. Stundenlang können sie sich mit sich selbst beschäftigen – still und leise und konzentriert. Doch wehe, irgendjemand nähert sich dem Gebäude. Sofort werden die Ohren gespitzt. Sechs Islandhunde stürzen kläffend Richtung Fenster oder Tür. Im Hintergrund stimmen drei Welpen in den Hundechor ein. Susanne Schütte muss schmunzeln: „Unser Alarmystem funktioniert.“

Vor zwölf Jahren haben die Oestricherin Susanne Schütte und ihre Familie ihr Herzen an Islandhunde verloren. Mittlerweile ist Susanne Schütte sogar Vorsitzende des Deutschen Clubs für nordische Hunde in Nordrhein-Westfalen. Und sie züchtet Islandhunde. Was einst mit einer Hündin begann, ist zu einem kleinen Rudel angewachsen.

Doch von vorn: Zwölf Jahre ist es her, als Familie Schütte in ein Gewerbe-Mischgebiet nach Oestrich zog. Beunruhigt waren das Paar und ihrer beiden Kinder wegen diverser Einbrüche in der Nähe. Deshalb entschieden sie sich, einen Hund anzuschaffen. Nicht irgendeinen, sondern einen Familienhund. In einem Zeitungs-Inserat las Susanne Schütte, dass ein Züchter Islandhunde-Welpen abgeben wollte. Neugierig geworden, schaute sich die Familie die Hunde aus dem hohen Norden an. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ein paar Tage später hatte die Familie Zuwachs bekommen. Senta hieß das neue Familienmitglied.

Eigensinnig und bellfreudig

Islandhunde stammen, wie es der Name bereits verrät, aus Island. Sie sind Hirtenhunde – ein wenig eigensinnig, aufmerksam und mächtig bellfreudig. Mit gefährlichen Wildtieren hatten und haben es die Hunde auf Island niemals zu tun gehabt. Deshalb wurde jegliches aggressives Verhalten aus der Rasse herausgezüchtet. Auf den einsamen Höfen der Insel war der Hund oft der einzige Spielkamerad der Kinder. Auch deshalb wurde bei der Zucht immer auf ein verträgliches und umgängliches Wesen geachtet. Dieses Wesen haben sich die Hunde bewahrt. Sie sind aufmerksam, aktiv, verspielt – aber mit Sicherheit die besten „Alarmanlagen“, die man sich vorstellen kann.

So ruhig ist das kleinen Islandhunde-Rudel der Familie Schütte selten. Normalerweise tollen die Vierbeiner durch Haus und Garten. (Foto: A. Schneider)

Islandhunde wollen gefordert und beschäftigt werden. Auch deshalb entdeckte Susanne Schütte den Hundesport für sich. Aber auch andere Familienmitglieder liebäugelten mit dem Hundesport. So bekam die Familie Schütte nach anderthalb Jahren noch einmal vierbeinigen Zuwachs. Tyri heißt der Rüde, der immer noch im nunmehr gesetzten Alter von zehn Jahren mit Frisbee und Susanne oder Sebastian Schütte über die Wiesen tollt.

Irgendwann keimte bei Susanne Schütte der Gedanke, Islandhunde zu züchten. Doch sie sind selten in Deutschland. In ganz Nordrhein-Westfalen gibt es zurzeit etwa 50 Islandhunde. Um verantwortungsvoll züchten zu können, wollte sich Susanne Schütte nicht ausschließlich mit deutschen Züchtern austauschen. „Der Genpool wäre zu klein“, sagt sie. Deshalb entschied sie sich, Islandhunde aus anderen Ländern nach Oestrich zu holen. Das „Rudel“ der Familie Schütte wuchs weiter: Die Hündin Nypa kam aus Schweden in die Familie. Leira und Selma sogar direkt aus Island. Hündin Geysa, die sechste im Bunde bei der Familie Schütte, ist eigene Nachzucht. Leira ist die Mutter, der Vater kommt aus Dänemark. Aktuell gibt es wieder Nachwuchs im Hause Schütte. Drei Welpen wuseln durch Haus und Garten. Aber nicht mehr lange. Die jetzt acht Wochen alten, kleinen Rüden sind Züchtern in ganz Deutschland versprochen.

Zuchtschau in Lendringsen

Apropos Züchter aus ganz Deutschland: Viele werden erwartet bei der Zuchtschau des Deutschen Clubs für nordische Hunde, zu der Susanne Schütte am 18. und 19. Juni, jeweils ab 10 Uhr, auf den Hundeplatz der Hundefreunde Menden am Bessemer Weg in Lendringsen einlädt. Nicht nur Islandhunde werden dort nach den jeweiligen Rassestandards begutachtet. Zu erleben sind zudem so interessante Hunderassen wie karelische Bärenhunde, norwigische Lundehunde oder Lapin Koiras. Besucher sind auf dem Hundeplatz willkommen. Aber Achtung: Wer mit eigenem Hund kommt, muss dessen Impfausweis mitbringen.