Vom Pittbull bis zum Rottweiler

Beantwortet alle Fragen rund um gefährliche oder große Hunde: Alexandra Carius. (Foto: A. Schneider)

Iserlohn. (as) Angst vor Hunden hat sie nicht. „Nee, das wäre ja noch schöner“, sagt Alexandra Carius. „Aber Respekt.“ In ihrer Stimme klingt ein Dialekt mit, als hätte man sie gerade von der Ostseeküste importiert. Dabei lebt Alexandra Carius schon lange in Iserlohn. Jahre lang hat sie in der für „Schwarzarbeit“ zuständigen Abteilung des Ordnungsamts mit ihrer weichen Sprache aus dem hohen Norden so manche Härte genommen. Anfang des Jahres ist sie auf den Hund gekommen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Alexandra Carius ist als Abteilungsleiterin des Bereichs „Sicherheit und Ordnung“ zuständig für alle Fragen rund um „gefährliche Hunde“.

„Was heißt hier eigentlich gefährlich?“ fragt sich Alexandra Carius oft. „Manchmal hab ich mehr Respekt vor Hunden, die nicht auf den Listen stehen.“ Listen sind es, die ihre Arbeit bestimmen. Die Liste der Hunderassen, die laut Paragraf drei des Landeshundegesetzes als „gefährliche Hunde“ eingestuft sind. Außerdem die Liste der Hunderassen, die laut Paragraf zehn des Landeshundegesetzes „bestimmte Rassen“ genannt werden und für die ähnlich strenge Regeln gelten. Und dann gibt es noch die so genannten „großen Hunde“. Doch dazu später mehr.

Hundegesetz sorgt für Verwirrung

Pittbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier und sämtliche Kreuzungen dieser Rassen mit anderen Hunden stuft das Hundegesetz als „gefährlich“ ein. Jedenfalls in Nordrhein-Westfalen. In Niedersachsen oder Hessen sieht das schon wieder etwas anders aus. Das kann für Verwirrung sorgen.

„Wir mussten schon öfter einschreiten und Besitzern die Haltung von gefährlichen Hunden untersagen“, fasst Alexandra Carius zusammen. Nicht etwa, weil sich die Hunde gefährlich aufführten. Sondern ganz einfach, weil die Besitzer ihre Hunde in einem anderen Bundesland erstanden haben, nach Iserlohn kamen und hier erfahren mussten, dass sie diesen Hund nicht behalten dürfen. Laut Gesetz darf es weder Einfuhr noch Handel und auch keinerlei Zucht dieser als gefährlich eingestuften Hunderassen in Nordrhein-Westfalen geben.

Hund kommt aus dem Tierheim

Die Haltung dieser Hunde kann jedoch aus zweierlei Gründen ermöglicht werden. Erstens: Wenn ein „privates Interesse“ nachgewiesen wird: „Das ist eigentlich so gut wie ausgeschlossen“, sagt Alexandra Carius. „Selbst wenn jemand betont, dass dieser und nur dieser Hund das eigene Haus und den Hof bewachen soll, kann immer noch auf Hunde anderer, als nicht gefährlich eingestufter Rassen verwiesen werden.“

Doch es gibt noch das „öffentliche Interesse“, das die Erlaubnis zum Halten eines gefährlichen Hundes ermöglichen kann. Ein Tierheim zu entlasten, ist eindeutig ein öffentliches Interesse. So können auch gefährliche Hunde in private Hände abgegeben werden. Allerdings nicht in alle Hände: 18 Jahre alt müssen die Interessenten sein, über ein einwandfreies Führungszeugnis verfügen und die erforderliche Sachkunde beim Amtsveterinär nachweisen. Das sind nur drei von einer Vielzahl an Auflagen. „Das Land ist vorsichtig geworden“, sagt Alexandra Carius. „Es soll schließlich nichts passieren.“

Tierheime entlasten – da könnte man ja auf dumme Gedanken kommen. Wie wär‘s denn so: Hund importieren, beim Tierheim abgeben, anschließend wieder abholen. „Nee, nee“, sagt Alexandra Carius. „Wer einmal einen Hund abgeben musste, bekommt ihn nicht wieder.“ Auch das regelt das Hundegesetz.

„Bestimmt“ kann gefährlich sein

Als gefährlich eingestuft sind nicht nur die vier bereits genannten Rassen. Alle Hunde, die beispielsweise andere Tiere oder sogar einen Menschen verletzt haben und zu großer Aggressivität neigen, können so eingestuft werden. Das ist völlig unabhängig von Rasse und Größe: „Wir haben sogar einen ganz Kleinen dabei“, sagt Alexandra Carius.

„Hunde bestimmter Rassen“, das klingt eigentlich gar nicht gefährlich. Und doch gelten hier beinahe die gleichen Bestimmungen wie für die „gefährlichen Hunde“. Bei den „bestimmten“ handelt es sich unter anderem um Rassen mit so klangvollen Namen wie Alano, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Tosa Inu, aber eben auch um Rottweiler. Vor das Zusammenleben haben die NRW-Gesetzgeber reichlich Verhaltens- und Sachkundeprüfungen für Herrchen, Frauchen und natürlich auch die Hunde gestellt.

136 bestimmte und gefährliche Hunde gibt es in Iserlohn. „Darunter sind auch reichlich Mischlinge und all die Hunde, die als gefährlich eingestuft wurden“, sagt Alexandra Carius.

Auch große Hunde anmelden

Und dann gibt es noch die Sache mit den „großen Hunden“. Das sind all die, deren Widerrist 40 Zentimeter und höher werden kann oder die mehr als 20 Kilo auf die Waage bringen. Auch sie müssen beim Ordnungsamt vorgestellt werden. „Etwa 2.500 große Hunde haben wir in Iserlohn“, sagt Alexandra Carius.

Sie vermutet, dass noch einige „große Hunde“ nicht erfasst worden sind. „Viele Halter wissen gar nicht, dass sie ihre großen Hunde anmelden müssen“, sagt die Hunde-Expertin. Dabei werden den Haltern keine Steine in den Weg gelegt. So reicht es beispielsweise aus, drei Jahre lang große Hunde gehalten zu haben, ohne dass es zu Problemen kam. Die Anmeldung ist zudem kostenfrei.

Doch zurück zu den bestimmten und den gefährlichen Hunden. „Es ist wichtig, sich vor der Anschaffung eines Hundes über die gesetzlichen Vorschriften zu erkundigen“, sagt Alexandra Carius. Schließlich gehört auch die Kenntnis der Rechtslage zu einer verantwortungsvollen Hundehaltung. Denn: Ist der Hund erst einmal weggenommen, kommt er nie mehr zurück.

Für Informationen und Fragen steht Alexandra Carius beim Iserlohner Ordnungsamt unter der Rufnummer 217-1630 zur Verfügung, Email ordnungsamt@iserlohn.de.