Was für ein Platz?!

Iserlohn. (clau) Er hat es verdient, dass sich ganz Iserlohn am letzten April-Wochenende auf die Beine macht, um sich um die Bauernkirche zu versammeln. Jeder ist aufgerufen, gebeten und auch gebraucht, Ideen und Vorschläge zu sammeln, wie aus dem Fritz-Kühn-Platz im Laufe der nächsten Jahre ein wahres Herzstück der Waldstadt werden kann.

Sie hoffen auf große Bürgerbeteiligung bei der Ideen- und Planungswerkstatt am nächsten Samstag: (v. l.) Olaf Pestl (Leiter des Ressorts Planen, Bauen, Umwelt- und Klimaschutz), Christine Schulte-Hofmann (städtische Pressestelle), Ingo Genster (Grünflächenamt) und Stadtplanerin Gabriele Bilke. (Foto: Claudia Eckhoff)

Ein „Platz der Bürger – Platz der Kulturen“ soll aus dem Gelände werden, das sich von der Inselstraße bis zum Hohler Weg erstreckt und von der Altstadt bis zum Bilstein.

Ein starkes Stück

Hier liegt die Wiege Iserlohns, die Keimzelle der Stadt. Rund um die großzügige, zurzeit eher triste Grünfläche sind geologische, städtebauliche und historische Perlen aufgereiht, wie man sie kaum irgendwo sonst auf so engem Raume findet. Rund um die über 900 Jahre alte Bauernkirche erstreckt sich das Grün mit altem Baumbestand. Dahinter steigt die Felswand des Bilsteins auf, gekrönt von der alten Lateinschule auf den Resten der Stadtmauer. Dahinter thront die stolze Oberste Stadtkirche, unter der sich tief im Felsgestein der Luftschutzstollen verbirgt. Das Stadtmuseum im herrschaftlichen Prachtbau, dahinter das barocke Haus Rampelmann, das Museum für Handwerk und Postgeschichte, die soeben unter Denkmalschutz gestellten Häuser am Zeughaus, die auf neue Nutzungsideen warten – was für ein starkes Stück Iserlohn!

Welche andere Stadt hat annähernd Ähnliches zu bieten?

Bloß nicht verschlafen

Darauf kann man stolz sein. Hier schlummert was. Hier kann Großes entstehen. Hier könnte das Herzstück der Stadt sein, ein Bürgerplatz vom Allerfeinsten.

Das soll nicht verschlafen werden. In einer Bürger- und Planungswerkstatt sollen deshalb am Samstag, 27. April, zwischen 11 und 16 Uhr nicht nur die Anlieger, sondern möglichst viele Iserlohner gemeinsam etwas bewegen. Wer kommt, kann sich informieren, mitmachen, Wünsche einbringen, Weichen für die Zukunft stellen, über zukünftige Spielplätze, Boulebahnen oder Bachläufe mitentscheiden.

Ideenwerkstatt nutzen

Hier darf diskutiert, geschrieben, gekritzelt, gemalt oder modelliert und gebastelt werden, was das Zeug hält. Je bunter, reichhaltiger und vielschichtiger die Vorschläge, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, am Ende mit der neuen Platzgestaltung den Iserlohnern gerecht zu werden.

Gemeinsam mit der Bürger- und Planungswerkstatt werden gleich drei Planungsbüros erste Konzepte entwickeln.

Die Ideen der Waldstädter werden zunächst am Samstag auf dem Platz gesammelt. Die drei Planungsbüros werden die Ergebnisse ordnen und in eine erste Form bringen und am Sonntag, 28. April, zwischen 10.30 und 13 Uhr vorstellen.

Geduld und langer Atem

Für Olaf Pestl, Leiter des Ressorts Planen, Bauen, Umwelt- und Klimaschutz, ist der Fritz-Kühn-Platz der größte Baustein im Bereich südliche Innenstadt. Deutlich sieht er die derzeitigen städtebaulichen Mängel. Er hofft, dass „ein Platzkonzept entsteht, das allerlei Bürger-Aktivitäten – vielleicht auch Gastronomie – Raum bietet und doch dabei die berechtigten Anwohnerinteressen berücksichtigt.“

Die Bürger- und Planungswerkstatt ist ein Wagnis. „Wir haben so etwas noch nie gemacht“, sagt Olaf Pestl. Was, wenn keiner kommt?

Die Werkstatt ist erst der Einstieg in einen Prozess, der lange dauern wird. Bevor am Fritz-Kühn-Platz selbst noch ein einziger Spatenstich erfolgt, gilt es erst andere Baustellen abzuarbeiten. Aber bevor der Hohler Weg mit dem neuen Kreisverkehr in Angriff genommen werden kann, müssen jetzt schon Entscheidungen fallen, die den zukünftigen Fritz-Kühn-Platz betreffen. Etwa: Soll auf dem Platz später offenes Wasser des Baarbaches eine Rolle spielen? – Dann gilt es bereits die Weichen dazu zu stellen. „Auch über die Frage der Anbindung an die Wiemer, den Stadtbahnhof, den Radweg und die Innenstadt muss man sich jetzt schon Gedanken machen“, ergänzt Stadtplanerin Gabriele Bilke. „Selbst das Parkhaus am Hohler Weg müssen wir in die Wahrnehmung bringen und aufwerten.“

Der Lack ist ab. Nicht nur sein Straßenschild hat Schrammen. Der ganze Bereich rund um die Bauernkirche soll im Laufe der nächsten Jahre in einen lebendigen, vielschichtigen „Platz der Bürger – Platz der Kulturen“ umgestaltet werden. Jede Bürger-Idee dazu ist am Samstag, 27. April, willkommen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Auch wenn jetzt schon der Ideentopf brodeln soll, das ganze Projekt braucht Zeit, Geduld und einen langen Atem.

Erst 2015 wird die Arbeit am Platz tatsächlich beginnen können.

Mit Leben füllen

Trotzdem eilt es, denn bereits im August müssen Förderanträge eingereicht werden. Erst nach der Sommerpause kann dann der Auftrag an das überzeugendste der drei Planungsbüros vergeben werden. Bis die Planer anschließend ein fertiges Konzept vorlegen können, wird wiederum reichlich Zeit vergehen.

Gleichzeitig soll sich der Platz aber schon mehr und mehr mit Bürgerleben füllen. Dazu lädt am 25. Mai bereits das Frühlingsfest als buntes Stadtteilfest ein. Die Kinder werden in den Sommerferien die Kinderstadt „Iser-Kid-City“ auf dem Platz errichten. Und die kleinen Künstler der Südschule stellen am nächsten Wochenende schon die begehbare Skulptur vor, die nach ihren Entwürfen im Sommer für den Platz gebaut wird.