Weihnachten im Frauenhaus Iserlohn

Iserlohn. (clau) Weihnachten im Frauenhaus: Viele der Frauen und Kinder, die gerade dann kommen, erleben inmitten ihrer Krise und ihres Kummers hier das Weihnachtsfest in einem ganz neuen Glanz. Das Frauenhaus-Team hat schon viele kleine, oft interkulturelle Weihnachtswunder erlebt.

Richtig wie Weihnachten

Die Advents- und Weihnachtszeit werden im Frauenhaus mit allem „Drum und Dran“ gelebt wie alle anderen Feste im Jahreslauf auch. Das Nikolaus-Fest richten stets die Frauen der Frauen-Union aus. Sie packen Weihnachtstüten mit kleinen Geschenken, Stutenkerlen und Schoko-Nikoläusen für die Kleinen.

„Das alles ist schwer zu planen, weil man kaum vorhersehen kann, wie viele Frauen und Kinder hier sein werden. Mit einem Menü für alle Kulturen versuchen wir, allen Bedürfnissen gerecht zu werden“, sagt Barbara Medelnik. Sie arbeitet seit 1997 im Iserlohner Frauenhaus als Verwaltungsfachkraft. Sie führt das Büro, kümmert sich um Rechnungen und Buchhaltung und außerdem auch um ganz praktische Belange rund um Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten. Dass sie Polnisch und Russisch spricht, macht sie zu einer ganz wichtigen Ansprechpartnerin und Vertrauensperson für Frauen aus Ost-Europa.

Endlich fröhlich feiern dürfen

Der Gemeinschaftsraum wird besonders von ihr liebevoll festlich geschmückt und dekoriert. Sie erzählt: „In Polen ist es üblich, vor Weihnachten zu fasten. Den Abend des 23. Dezembers verbringt man in der Küche damit, zwölf verschiedene Speisen für das Fest zuzubereiten. Dabei wird viel gesungen. Das haben wir einmal auch hier erlebt, als polnische Frauen mit fünf Kindern im Haus waren.“

Drei Kinder aus Holland zwischen zwei und 18 Jahren erlebten ihr erstes glückliches Weihnachtsfest überhaupt im Iserlohner Frauenhaus. Der Vater – ein Inder – hatte es bisher immer verboten. Diplom-Sozialpädagogin Melanie Metz ergänzt: „Auch die muslimischen Frauen werden von der allgemeinen Feststimmung im Haus meistens mitgezogen. Sie möchten mit uns feiern und bringen uns sogar kleine Geschenke.“

Mit den Kindern singt, bastelt und backt die Erzieherin Anna Bonkowski. Sie erzählt Weihnachtsgeschichten und lässt selbstgemachte Geschenke für die Mütter entstehen. „Für viele Kinder und Frauen ist das erste richtige fröhliche Fest nach langer Zeit“, sagt Melanie Metz. „Geburtstage, Ostern, Karneval – all das gibt es in von Gewalt bestimmten Familie oft gar nicht. Manche kommen noch Jahre später und reichen uns dankbar einen Weihnachtsgruß rein.“

Positives mitnehmen

Die Zeit im Frauenhaus ist für viele Frauen und Kinder prägend, sie nehmen Positives mit. „Wenn sie ausziehen, bekommen die Kinder immer ein kleines Abschiedsgeschenk von uns“, sagt sie. Das Frauenhaus war für die Frauen die erste Anlaufstelle in der Not, vielfach der Ort, an dem sie sich zum ersten Mal überhaupt einem anderen Menschen geöffnet haben. „Bei uns erleben sie, dass sie vertrauen dürfen, dass man ihnen hilft. Daraus erwachsen oft langfristige Beziehungen, die nicht an der Schwelle zur neuen Wohnung enden“, so die Sozialpädagogin. „Trotzdem bleiben wir stets beim respektvollen ’Sie’, denn die Frauen suchen nicht eine Freundin, sondern professionelle Unterstützung.“

Arbeit des Fördervereins

Wer die Arbeit des Frauenhauses unterstützen möchte, erfährt von Petra Keil, der Vorsitzenden des Fördervereins, wie es geht. Sie ist zu erreichen unter Tel. 02371/ 26364 oder per E-Mail an petra@cuneus.eu. Ohne den Förderverein wäre eine Halloween-Party oder auch ein kostspieliger Ausflug ins Phantasialand nicht bezahlbar. „Das Geld ist es wert“, sagt Melanie Metz. „wenn die Mütter gerührt sind, ihre Kinder einfach so fröhlich zu sehen, wenn Mütter und Kinder endlich wieder zusammen starke Erlebnisse haben wie eine Achterbahnfahrt und wenn es nachher heißt, das sei der schönste Tag im ganzen Leben gewesen.“ Dann sieht die Welt wieder anders aus und ein neuer Anfang ist gemacht.

Unter der Telefonnummer 02371/ 12585 können Frauen jederzeit Hilfe bekommen, an Silvester, Neujahr – an jedem Tag.