Wenn das Eis brennt: Feuerwehr im Eishockey-Fieber

[1/2] Im Duell mit den Feuerwehrmännern aus Solingen versuchten die Iserlohner Guardians vor allem in der Offensive Akzente zu setzen und „parkten“ schon einmal zwei Spieler vor dem gegnerischen Gehäuse

[1/2] Im Duell mit den Feuerwehrmännern aus Solingen versuchten die Iserlohner Guardians vor allem in der Offensive Akzente zu setzen und „parkten“ schon einmal zwei Spieler vor dem gegnerischen Gehäuse, um dem Torhüter die Sicht zu nehmen. (Foto: Heiko C

Iserlohn. (hc) Selten passen Feuer und Eis besser zusammen als bei den Iserlohn Guardians. Denn: Bei den „Schutzengeln“, so die deutsche Übersetzung für Guardians, handelt es sich um die Feuerwehr-Eishockeymannschaft der Berufsfeuerwehr Iserlohn.

Bereits seit 2010 gibt es die Truppe, die sich nach einer „schmerzhaften“ Niederlage formiert hatte und seitdem während der Eiszeit in Iserlohn trainiert und spielt.
Die Niederlage kassierten die Feuerwehrmänner im Duell mit der Polizei. Immer wieder trafen und treffen sich die beiden Behörden zum freundschaftlichen Wettkampf, doch Niederlagen schmerzen dennoch. Ob Beachvolleyball, Fußball – oder eben Eishockey, vor kaum einer Sportart wird Halt gemacht. Im Jahr 2010 waren die Polizisten aber deutlich besser und bescherten der Feuerwehr eine Pleite.
Das weckte den Ehrgeiz und im Anschluss formierte sich die Truppe zu Trainingseinheiten. Mit Erfolg: Bereits im darauf folgenden Jahr wurden die Polizisten besiegt und nach einem deutlichen Feuerwehr-Sieg im dritten Aufeinandertreffen verflog bei den Gesetzeshütern die Lust auf weitere Duelle. Stattdessen rückten nun Spiele gegen andere Feuerwehren aus Nordrhein-Westfalen in den Fokus. Und damit es nicht nur Freundschaftsspiele gibt, haben die Verantwortlichen sich ziemlich schnell überlegt, eine Liga zu gründen.
Ligabetrieb als wichtiger Meilenstein
Im Jahr 2012 wurde die FEL, die Feuerwehr Eishockey Liga, ins Leben gerufen. Dort haben die Guardians bis heute einen sportliche Heimat gefunden. Fünf Teams aus Solingen, Duisburg, Krefeld, Köln und Iserlohn treffen aufeinander.
Dabei hat sich gerade die Duisburger Mannschaft schnell als Seriensieger etabliert. Grund dafür ist die große Verflechtung zwischen der Feuerwehr-Eishockeymannschaft und dem Skaterhockey-Erstligisten Duisburg Ducks.
„Die können schon richtig gut spielen. Allerdings hatten wir sie beim letzten Mal am Rande einer Niederlage“, erklärt Guardians-Mannschaftskapitän Michael Thiel.
Er und Marco Dönges sind die Triebfedern der Guardians. Vergleichbar mit ehrenamtlich Engagierten im Sportverein kümmern sie sich um Hallenzeiten, Termine und Sponsoren. Das ist zwar ein aufwändiges Hobby neben dem Beruf als Feuerwehrmann. Doch der Spaß steht so sehr im Vordergrund, dass sie ihre Arbeit gern machen, berichten beide.
Teurer Spaß
Dabei ist es besonders finanziell ein großer Aufwand, der natürlich auf alle Spieler zukommt. Pro Monat müssen 30 Euro bezahlt werden. „Auch während der eisfreien Zeit, da sparen wir dann etwas an“, erklärt Dönges. Denn: Rund 1.200 Euro pro Monat zahlen die Guardians als Miete für die Eishalle. Ganz schön viel für eine Hobbytruppe, die nur eine Trainingseinheit sonntags um 20.45 Uhr hat.
Zweite Eisfläche ist ein Muss
Daher sind sie in der aktuellen Debatte um den Bau einer zweiten Eisfläche klarer Befürworter des Vorhabens.
„Diese Eisfläche wird einfach gebraucht. Sie wäre gerade für die Förderung des Breitensports ungemein wichtig“, spricht sich Thiel für den Baus aus. Die Eishalle in Unna sieht er nicht als akzeptable Alternative zu einer zweiten Eisfläche. „Wir sind schließlich Iserlohner und wollen auch in Iserlohn unseren Sport ausüben.“ Und dass es einen positiven Effekt für die Hobby- beziehungsweise unterklassigen Teams haben würde, dessen ist er sich sicher. Genauso würde dem Nachwuchs der Weg in den Sport geebnet werden. Dabei geht es nicht nur um den Top-Nachwuchs, der im Fokus des Leistungs-Eishockey steht, sondern auch für die Kinder, die ihren Sport aus Freude und Leidenschaft ausüben. Genauso leidenschaftlich ist daher das Plädoyer der Feuerwehrleute für mehr Eiszeit.
Aber es gibt auch lobende Worte für die Eishalle aus dem Mund der Guardians. „Es ist natürlich schon eine große Ehre in der DEL-Halle zu spielen. Die anderen Teams beneiden uns auch ein bisschen darum“, sagt Dönges.
Feuerwehr-Regeln
Bei den Spieltagen wird grundsätzlich nach den normalen Eishockey-Regeln gespielt, „Allerdings in der ‚Alte Herren‘-Variante“, erklärt Michael Thiel lachend. So sind zum Beispiel keine Checks erlaubt und trotz eines unerlaubten Befreiungsschlags wird das Personal ausgetauscht. Doch wer glaubt, dass es unter den Feuerwehrmännern friedlich zugeht, der irrt sich. „An Anfang konnten wir kaum Schlittschuhlaufen. Da wusste man überhaupt nicht, was der andere macht. Da ist der eine nach rechts gedreht und der andere nach links und zack – lagen beide lachend auf dem Eis. Heute ist das schon alles etwas ruppiger und es kann auch Strafen geben“, berichtet Thiel.
Allerdings haben sich im Laufe der Zeit natürlich auch Sympathien für die Kollegen ergeben. Für die Iserlohner ist das besonders mit ihrem Kölner Gegenstück der Fall. „Da geht man dann abends noch zusammen ein Bierchen trinken“, erzählt Thiel. Aber manchmal wird es auch etwas eventmäßiger aufgezogen. So legten die Teams ihre Begegnung mal auf den gleichen Tag wie die Begegnung der beiden Profi-Teams. So spielten dann erst die Feuerwehrmänner gegeneinander und anschließend wurde die jeweiligen Top-Teams aus der Heimatstadt angefeuert.
NYC calling?
So soll es nach dem Wunsch der Guardians auch in Zukunft weitergehen. Und einen „Traum“ haben die Iserlohner Feuerwehrleute noch. Das Team der New York City Feuerwehr kommt einmal im Jahr auf Europa-Tournee. Bisher war die Mannschaft aus dem „Big Apple“ immer in Duisburg zu Gast, doch die Guardians hoffen, dass sie sich in naher Zukunft vielleicht auch einmal für die Waldstadt entscheiden. Ein erster zaghafter Kommunikationsversuch hat bereits funktioniert.
Sollte es klappen, dürfen die Iserlohner im Gegenzug auch die amerikanische Mega-Metropole besuchen. „Das wäre natürlich ein absolutes Highlight“, erzählt Dönges, der in Kontakt mit den US-Amerikanern steht. Er ist vorsichtig optimistisch, dass es klappen könnte. In jedem Fall präsentieren sich die Feuerwehrmänner äußerst leidenschaftlich für ihren Sport und lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass das Eis nie ihre feurige Leidenschaft für den Sport löscht.