Windkraftpläne zunächst auf Eis gelegt

Iserlohn. (as) Weil das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz intensivere Vogelschutzuntersuchungen sowohl im Bereich des Stadtwaldes als auch in der Schälker Heide empfiehlt, hat der Aufsichtsrat der Stadtwerke Iserlohn in dieser Woche einstimmig beschlossen, das eigene Windkraftengagement zunächst auf Eis zu legen. Ein Aufschub, eine Denkpause – ein Moratorium eben. Ungeachtet dessen will die Stadtverwaltung das Verfahren, in Iserlohn Vorrangzonen für die Nutzung von Windkraft auszuweisen, weiter betreiben. Unterstützung erhält sie dabei von Seiten der Sozialdemokraten. Allein Vorrangzonen, so heißt es, verhindern den „Wildwuchs“ von Windkraftanlagen. Ohne Vorrangzonen können große Energiekonzerne jede private Waldfläche pachten oder erwerben und dort eigene Windkraftpläne verfolgen, die der Kontrolle der Iserlohner Bevölkerung völlig entzogen wären. Um diese Gedanken näher auszuführen, bittet die Iserlohner SPD am Samstag, 24. November 2012, zu einer Begehung der Schälker Heide.

Der Milan war‘s, womöglich auch der Schwarzstorch. Brutplätze der beiden gefährdeten Vogelarten wurden zwar weder auf der Schälker Heide noch im Stadtwald entdeckt. Doch immhin hat die Bürgerinitiative Schälker Heide, die sich massiv gegen die Windkraftanlagen auf der Höhe zwischen Schwerte und Iserlohn zur Wehr setzt, einen Sammel- und Schlafplatz von Rotmilanen gesichtet. Grund genug für das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), weiter gehende Vogelschutzuntersuchungen anzuregen. Was allerdings, soviel sei vorweg gesagt, keineswegs das Aus einer möglichen Windkraftnutzung der Schälker Heide bedeutet. Bislang jedenfalls gibt es keinen Hinweis darauf, dass Rotmilane oder auch Störche im Flug gegen eine Windkraftanlage gekracht sind. Auch die langsam drehenden Rotoren einer großen Windkraftanlage sind kein großes Risiko. Schließlich handelt es sich hier nicht um Schnitzelwerke. Ein Sammel- und Schlafplatz von Rotmilanen ist zwar ein Indiz für deren Vorhandensein in der Vergangenheit. Aber womöglich würden sie sich beim Bau der Anlagen einfach ein paar hundert Meter weiter links oder rechts sammeln, um dort zu schlafen. Doch die Untersuchungen, die das LANUV nun angestrengt hat, sind natürlich ergebnisoffen. Womöglich kristallisiert sich hier ein sehr empfindlicher, nicht mehr rückgängig zu machender Eingriff in die Natur heraus.

Wie auch immer das Verfahren ausgehen wird. Es bedeutet eine Verzögerung für die Windkraftpläne der Stadtwerke Iserlohn. Eine Verzögerung mit Folgen. Die Untersuchungen werden kaum vor Mitte des Jahres 2013 abgeschlossen werden. Die Stadtwerke jedoch sind in ihren Wirtschaftlichkeitsberechnungen davon ausgegangen, bis Ende 2014 mit ihren dann neu errichteten Anlagen ans Netz gehen zu können. Dieser Zeitplan ist nun nicht mehr zu halten, heißt es. Und weil augenblicklich völlig offen ist, wie sich die so genannte Einspeisevergütung des Stroms, der aus Windkraftanlagen gewonnen wird, weiter entwickeln wird, ist nun auch das Windkraftengagement der Stadtwerke Iserlohn ungewiss. Die Bestrebungen gehen zunächst dahin, die Klimaschutzvorgaben auch ohne Windkraft erreichen zu wollen.

Die SPD hält hartnäckig an den Planungen fest, Vorrangzonen für die Windkraft in Iserlohn ausweisen zu lassen. Nur so sei gewährleistet, dass Iserlohn Einfluss nehmen könne. Denn die neuen Untersuchungen und das mögliche Aus für die beiden geplanten Vorrangzonen Schälker Heide und Stadtwald bedeuten keinesfalls, dass sich andere Energiekonzerne nicht andernorts in Iserlohn mögliche Flächen für Windkraftanlagen sichern. Der aktuelle Nutzungsplan ohne Vorrangzonen jedenfalls lasse so etwas zu. Die Folgen: Große, womöglich internationale Konzerne könnten den Gewinn von Anlagen in Iserlohn abschöpfen und zudem noch die Strompreise diktieren.

Am 12. Dezember 2012 wird der Rat der Stadt Iserlohn über das Verfahrens rund um die Vorrangzonen entscheiden. Ein Verfahren, das in der Zukunft alle Optionen offen lässt.