Wk-Reihe „Lebensbilder“ – „Monokel-Vogt“ mit Vorliebe für Karikaturen

Iserlohn. (Red/clau) Der Iserlohner Maler und Grafiker Carl
Willy Vogt wurde 1879 in Iserlohn geboren. Er wuchs mit einer Schwester und zwei
Brüdern auf. Die Eltern und Großeltern führten eine Kolonialwarenhandlung und
Kaffeerösterei erst in der Mühlenstraße 11, später in der Weststraße 6, wo die
Familie auch wohnte.
Großes Zeichentalent
C.W. Vogt besuchte das ­Realgymnasium, wo bald sein Zeichentalent
auffiel. Er fertigte mit Vorliebe Karikaturen für seine Mitschüler an.
Vogt studierte an den Kunst­akademien Düsseldorf und München.
Studienreisen führten ihn außerdem nach Belgien und in die Niederlande. Viel
Zeit verbrachte er in Ostpreußen. Von 1920 bis 1930 war Vogt Mitglied des
städtischen Beirates für Kunst und Kulturpflege, einem Vorläufer des heutigen
Kulturausschusses. Er schuf ein erstes Konzept für ein Heimatmuseum und baute es
mit auf.
Atelier im Nolten
Ab 1910 wohnte C.W. Vogt an der Hagener Straße 50. Im Ersten Weltkrieg war er
als Kriegsmaler in Frankreich und an der Ostfront eingesetzt. Später hatte er
sein Atelier viele Jahre im Nolten. Hier entstanden Aquarelle und
­Federzeichnungen von Iserlohner Bürgern, Straßen, Plätzen, Häusern und der
Umgebung, die bis heute das „liebe alte“ Iserlohn zeigen. Seine Karikaturen auf
Postkarten spiegeln das Iserlohner Bürgertum und das Stadtleben wider. Die
kleinen Leute und soziale Probleme stellte er nicht dar.
„Monokel-Vogt“ nahm sich dagegen gern selbst aufs Korn und porträtierte sich
mit ­Knickerbockern und weißen Gamaschen. Unvergesslich sind seine
humorvollen Zeichnungen auf dem Iserlohner Notgeld von 1921. Sie machten ihn
bekannt. Auch andere Städte bestellten bei Maler Vogt Zeichnungen für ihr
Inflationsgeld.
Im „Bierstübchen“
Im Jahr 1937 gestaltete Vogt den Festzug zur 700-Jahr-Feier mit. Zu seinem
70. Geburtstag gab es eine Ausstellung mit einer Auswahl seiner Werke,
offensichtlich die einzige größere zu seinen Lebzeiten.
Ein großer Erfolg waren seine beiden Bücher „Alte Gassen und Winkel in
Iserlohn“. Sein eigentliches Zuhause war sein sogenanntes „Bierstübchen“, wo
sich regelmäßig eine Gruppe von Iserlohner Herren versammelte, um zu
diskutieren. Zum Kreis gehörten unter anderem Prof. Danz, Dr. Kirchhoff, Carl
Kraussoldt, Landrat Löbbecke, Justizrat Nohl, Bürgermeister Münsterberg und
Admiral Schlieper. Diese Runde gratulierte von 1886 bis 1891 regelmäßig Bismarck
zu seinem Geburtstag. Ein ­Dankesschreiben von Bismarck ist noch im
Stadtarchiv vorhanden.
Vogt war Mitglied im IBSV und brachte es bis zum Zeremonienmeister. Er
gestaltete stets die Einladungen und Tischkarten für die Feiern.
Karge Zeiten
In den Notjahren nach dem Krieg ging es Vogt materiell schlecht. Kaum jemand
hatte noch Geld für Kunst. Er starb 1954 mit 75 Jahren an einem Schlaganfall.
Der „Maler-Vogt-Weg“ erinnert an ihn.
Zehn Jahre nach seinem Tod fand eine Ausstellung statt, in der 400 Werke
gezeigt wurden. 1984 erschien ein vom damaligen Archivar Götz Bettge
herausgegebenes Buch mit Zeichnungen und Karikaturen C.W. Vogts auf Postkarten
aus den Jahren 1902 bis 1943. Dem „Monokel-Vogt“ hatten seine Postkarten
zeitweise sogar als Zahlungsmittel gedient.
Im Jubiläumsjahr 1987 wurde eine „C.W. Vogt“-Ausstellung in der Sparkasse
gezeigt. Der Förderkreis Iserlohner Museen konnte viele Vogt-Bilder erwerben und
stellt sie im Keller des Museums für Handwerk und Postgeschichte aus.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde stark gekürzt. Das Original
hat Marlis Gorki aus diversen Quellen ­erstellt. Sie freut sich über Fragen
und Ergänzungen unter Tel. 02371 / 32365.