Kalthof. (as) Einsamkeit war gestern. Wenn es nach der Iserlohner Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (IGW) geht, entsteht in Kalthof an der Refflingser Straße, quasi direkt neben dem Aldi-Markt, ein Neubauprojekt, das in Sachen Gemeinschaft neue Maßstäbe setzt. „Service-Wohnen in Kalthof“ nennt sich das.

Hinter dem Wort Service versteckt sich ein beinahe Rundum-sorglos-Paket. Wer sich für eine Wohnung in der geplanten Anlage entscheidet, muss sich weder um Mülltzonnen noch um Winterdienst kümmern. Ein Ansprechpartner oder eine Ansprechpartnerin im Haus sorgt zudem dafür, dass die Blumen in der eigenen Wohnung bei längerer Abwesenheit regelmäßig gegossen werden, dass beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt Einkäufe erledigt oder Medikamente angeliefert werden.

Die Kontaktperson organisiert aber auch gemeinsame Feste oder gesellige Nachmittage. Ganz nach Wunsch. Sie ist eine Kümmerin. Oder ein Kümmerer, wie es IGW-Geschäftsführer Olaf Pestl am Donnerstagabend bei einer gut besuchten Informationsveranstaltung rund um das neue Wohnprojekt formulierte.

Solch ein Service hat natürlich auch seinen Preis. Olaf Pestl und die mit dem Projekt betrauten Mitarbeiter der IGW rechnen damit, dass eine etwa 55 Quadratmeter große Wohnung 820 bis 900 Euro pro Monat kosten würde. „Brutto warm“, wie Olaf Pestl ausführt. Das heißt: Es ist beinahe alles inklusive, sogar das Kabel-TV. Einzig der eigene Stromverbrauch und das Telefon müssten noch zusätzlich bezahlt werden.

Zum Ablauf: Stadtentwickler Daniel Tries vom IGW-Projektteam „Service-Wohnen in Kalthof“ rechnet damit, dass die Bagger bereits im kommenden Frühjahr auf das Gelände des ehemaligen Sportplatzes in Kalthof rollen können.

Therapeuten und ein Café?

Mitte 2019 könnte der Grundstein gelegt werden. Eine Eröffnung der Wohnanlage könnte bereits Ende 2020 möglich sein. „Das ist ein ambitionierter Zeitplan“, sagt Olaf Pestl.

Aber einer, dem sich die IGW verpflichtet fühlt. Denn auf dem Gelände, abgetrennt von dem Bereich mit den Wohnungen, wird die Kalthofer Awo-Kita ein neues Zuhause finden. „Deren Umzug soll bereits im August 2020 vonstatten gehen“, sagt Olaf Pestl.

32 Wohnungen zwischen 45 und 87 Quadratmeter Größe und eine Wohngemeinschaft mit sechs Zimmern sollen in einem U-förmig um einen schön gestalteten Innenhof angelegten Neubau entstehen. Außerdem plant die IGW noch ein Gemeinschaftsgebäude mit Gemeinschaftsraum und beispielsweise einer Gästewohnung.

Unter Service-Wohnen versteht die IGW auch, den Bereich im Erdgeschoss des U-förmigen Wohnkomplexes an serviceorientierte Gewerbetreibende zu vermieten. „Wir stehen in guten Verhandlungen mit einer Physio- und einer Ergotherapiepraxis“, sagt Olaf Pestl.

Aus der Versammlung heraus wurde der Wunsch nach einer Arztpraxis im Haus deutlich. „Mal schauen, was möglich ist“, formuliert Olaf Pestl.

Eher skeptisch steht der IGW-Geschäftsführer der Anregung gegenüber, ein Café im Erdgeschoss unterzubringen. Er befürchtet viel Einkaufs- und Parkverkehr. Das könnte die Ruhe in der Anlage gefährden.

Aber abschließend ist darüber noch nicht entschieden. Genauso wenig wie über die Anregung, mit der Sparkasse Gespräche aufzunehmen mit der Frage, ob die Geldautomaten der aufgegebenen Kalthofer Filiale in dem Neubau untergebracht werden könnten.

Es ist noch viel zu tun. Doch in zweieinhalb Jahren schon wird sich die Brachfläche in einen attraktiven Wohnkomplex verwandelt haben.