Wohnen mit dem gewissen Etwas

IGW: Wo soziales Engagement groß geschrieben wird

IGW Waschhaus
Das Waschhaus in Gerlingsen hat die Jahrzehnte überlebt. Hier wird immer noch gewaschen, sogar immer häufiger. Aber die Einrichtung hat sich auch als „Kommunikationszentrale“ und Treffpunkt etabliert. (Foto: IGW)

Iserlohn. Soziales Engagement wird bei der Iserlohner gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft groß geschrieben. Geschäftsführer Olaf Pestl nennt es anders. Er nimmt viel lieber die Worte Gemeinsinn, Miteinander oder stabile Nachbarschaft in den Mund. Damit eben diese gute Nachbarschaft funktioniert, bietet die IGW ihren Mietern das eine oder andere Extra. Dabei handelt es sich um Einrichtungen oder Dienstleistungen, mit denen nicht viele Wohnungsgesellschaften in Deutschland renommieren. Das können liebenswerte Kleinigkeiten wie die neu ins Leben gerufene Mieterzeitung mit einem Fotowettbewerb sein, Räume der Begegnung, Urlaub in Iserlohn oder ein Kuriosum namens Waschhaus.

Es ist ein Hingucker, ein Gute-Laune-Gebäude. Schon von außen. Wer in die Barbarastraße nach Gerlingsen kommt, dessen Blick wird magisch angezogen von einem farbenfrohen Graffito, das die Wand des kleinen Gebäudes mit der Hausnummer 50a schmückt. Das „IGW-Waschhaus Gerlingen“ hat die Jahrzehnte überstanden. Es wurde im Jahr 1962 gemeinsam mit den Hochhäusern fertiggestellt. „Als die Hochhäuser gebaut wurden, gab es keine Waschküchen“, erklärt Olaf Pestl. „Auch in den Wohnungen waren keine Anschlüsse für Waschmaschinen vorgesehen.“ Diese Zeiten sind natürlich vorbei. Die IGW hat längst nachgerüstet. Wer mag, kann selbstverständlich zu Hause waschen. Aber nicht jeder mag.

Ein Waschhaus war damals Teil des Gesamtkonzepts. Ein Ort der Kommunikation. Nachbarn kamen und hielten ein Schwätzchen, während sich Socken und Unterwäsche in der Waschmaschinentrommel drehten. Als nach der Modernisierung der Hochhauswohnungen die Frage im Raum stand, was nun mit dem Waschhaus geschehen solle, fiel die Entscheidung, es zu erhalten, nicht schwer. „Das Waschhaus ist eine Stätte der Nachbarschaftspflege“, sagt Beatrix Schönekeß, Teamleitung Marketing, Zentrale und Waschhaus bei der IGW. Hier traf man sich damals und hier trifft man sich heute. Auf ein Schwätzchen, zum Waschen, Bügeln oder Mangeln. Mittlerweile gibt’s sogar einen Kaffee, um die Wartezeit zu überbrücken.

Der Treffpunkt ist gleichsam ein Seismograph für das Zusammenleben in Gerlingen. Klappt alles, funktioniert die Nachbarschaft, gibt es Probleme? Wenn es irgendwo hakt, können Waschhausleiterin Tanja Michler und ihr Team sofort reagieren – ganz gleich, ob es um die klemmende Tür oder den Streit mit den Nachbarn von oben geht.

Das Waschhaus steht übrigens nicht nur den Mietern in Gerlingen oder der IGW zur Verfügung. Einige Kunden reisen viele Kilometer an. „Das Waschhaus kann ein Segen sein, wenn die Waschmaschine kaputt ist oder wenn man partout keinen Platz oder keine Zeit hat, zu Hause zu waschen“, sagt Beatrix Schönekeß.

Apropos Platz: Darum geht es auch bei den Gästewohnungen, die die IGW seit einigen Jahren anbietet. „Von Mietern hatten wir in der Vergangenheit immer wieder gehört, dass sie Besuch bekommen und einfach nicht genügend Platz haben, um beispielsweise Kindern und Enkeln eine Schlafgelegenheit zu bieten“, sagt Beatrix Schönekeß. Als die IGW im Jahr 2014 die erste Gästewohnung in der Hallstraße eröffnete, hatte sich das schnell herumgesprochen. Es kamen Anfragen über Anfragen. Also musste eine zweite Wohnung her. Im April 2016 war es soweit. Wohnung Nummer zwei wurde im Schleddenhofer Weg eingeweiht. Nun ist sogar eine dritte in Planung. Sie entsteht in der Bauhaussiedlung Schlieper und soll noch in diesem Jahr erstmals vermietet werden.

IGW Gästewohnung
Die Gästewohnungen der IGW sind jeweils für bis zu vier Personen gedacht. Hier können Besucher der Mieter unterschlüpfen, hier kann man aber auch Urlaub machen. (Foto: IGW)

„Die Wohnungen sind voll möbliert“, sagt Beatrix Schönekeß. Sie werden nachgefragt von Menschen, die ihre Verwandten in Iserlohn besuchen und einen zentralen Unterschlupf suchen, von Gästen aus den Iserlohner Partnerstädten, aber auch von Familien, die durch Wasserschaden oder Feuer ihre Bleibe verloren haben. „In solchen Fällen können wir unbürokratisch helfen“, sagt die Marketing-Expertin.

Die Gästewohnungen sind zudem Werbeträger für Iserlohn. Seit wenigen Monaten nämlich gehört die IGW einem Zusammenschluss von insgesamt 49 Wohnungsunternehmen aus zwölf Bundesländern an, die ihre Gästewohnungen als „Ferienwohnungen“ für die Mieter der jeweils anderen Unternehmen anbieten. Ein Urlaub in einer Gästewohnung in Mecklenburg-Vorpommern, in Sachsen, Schleswig-Holstein oder Berlin – vieles ist möglich für IGW-Mieter. Gleichsam wirbt die IGW im Katalog „Urlaub spezial – Wohlfühlen in Gästewohnungen“ für „Spazieren im Wald und bummeln in der Stadt Iserlohn“. Aber Vorsicht: Gästewohnungen sind keine Ferienwohnungen. „Wir sind und bleiben eine Wohnungsgesellschaft“, sagt Beatrix Schönekeß. „Eine Rezeption, die rund um die Uhr zur Verfügung steht, gibt es bei uns und den anderen Gästewohnungs-Anbietern genau so wenig wie das angelieferte Frühstück.“

IGW Repaircafé „Kaputtchino"
So sieht‘s aus, wenn Quartiersmanagerin Sabine Plücker zum Repaircafé „Kaputtchino“ in den Bürgerraum am Fritz-Kühn-Platz einlädt. Expertinnen und Experten helfen mit Rat und Tat, lieb gewonnene Geräte zu retten. (Foto: Andrea Schneider)

Die IGW setzt auf Begegnung und ein Miteinander von Mietern und Nachbarn. Nicht zuletzt deshalb hat die Wohnungsgesellschaft den Bürgerraum am Fritz-Kühn-Platz eingerichtet und mit Sabine Plücker eine Quartiersmanagerin eingestellt. Sie ist Ansprechpartnerin, Ideengeberin und manchmal Kummerkastentante. Im Bürgerraum schafft sie kreative Angebote, damit die Menschen der Südstadt sich kennenlernen können. Im Reparaturcafé Kaputtchino beispielsweise können Gegenstände mit Hilfe von Experten repariert werden. Die Südstadt-Bewohner haben sich aber auch zusammen gefunden, um an diesem „Genuss pur“-Wochenende auf ihren Bürgerraum und das Miteinander in der Nachbarschaft hinzuweisen. Sie bewirten ihre Gäste und laden ein zum Basteln für Kinder.

Die Initiative trägt Früchte. Die Gemeinschaft wächst zusammen. „Es gibt keine Alternative zu solch einem sozialen Engagement“, sagt Olaf Pestl. Sicherlich, derartige Initiativen gibt’s nicht zum Nulltarif und sie lassen sich nicht in neu abgeschlossenen Mietverträgen bemessen. Doch dieses Geld ist in die Zukunft investiert. Denn: „Unsere Gesamtphilosophie sind stabile Nachbarschaften“, sagt Olaf Pestl. Denn sie machen Iserlohn lebens- und liebenswert.