Zweite Iserlohner Gesamtschule kommt – oder nicht?

Iserlohn. (as) Kollektives Schulterklopfen auf der einen, Grummeln auf der anderen Seite. Für alle, wahrscheinlich auch für sich selbst überraschend, beendeten die Iserlohner Ratsmitglieder am Dienstag, 28. Oktober 2014, die seit Monaten bestehende Pattsituation in der Iserlohner Schulentwicklung. In geheimer Abstimmung machten sie den Weg frei für eine Sekundarschule am Hemberg und die Errichtung einer zweiten Gesamtschule am Bömbergring.

Die Politik hat gesprochen, doch die Eltern haben das letzte Wort. Im Anmeldeverfahren, das auf Ende Januar vorgezogen worden ist, bestimmen sie, wohin die Iserlohner Schulpolitik tatsächlich reisen wird. Viele Szenarien sind denkbar. Gibt es genügend Anmeldungen für die zweite Gesamt- und die Sekundarschule, werden die Realschulen am Hemberg und am Bömberg und auch die Martin-Luther-Hauptschule keine neuen Eingangsklassen mehr bilden und somit „auslaufen“. Gibt es nicht genügend Anmeldungen, kann es sein, dass eine oder beide Realschulen weiterbetrieben werden, womöglich auch die Hauptschule.

Eine Elternbefragung Ende November soll einen ersten Trend liefern. Sekundarschule? Gesamtschule? Oder doch ein Festhalten am alten Schulsystem mit Real- und Hauptschule?

Die neuen Schulen wären natürlich nicht zum Nulltarif zu haben. Allein für den Gesamtschulneubau am Bömbergring müsste die Stadt an die 17 Millionen Euro einplanen. Eine siebenstellige Summe wäre fällig, um die Hemberg-Realschule in eine Sekundarschule zu verwandeln. Viel Geld. Aber, so Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens: „Es ist gut investiertes Geld, wenn man das Ziel erreichen will, eine zukunftsfähige Schulstruktur in Iserlohn zu schaffen.“

Zufriedenheit über den Ratsbeschluss herrscht bei den Iserlohner Sozialdemokraten vor. Bei der CDU hingegen gibt man sich verschnupft. „Diese Entscheidung geht an den Bedürfnissen der Schullandschaft vorbei, ignoriert den Willen der Schulleitungen sowie der Stadtelternpflegschaft, kommt der Stadt mindestens 13 Millionen Euro teurer als die von der CDU favorisierte Lösung mit zwei Sekundarschulen und produziert am Bömberg verkehrstechnisch ein Chaos“, sagt Unions-Fraktionsvorsitzender Fabian Tigges. Er ist verärgert. Kein Wunder. Schließlich gab sich seine Fraktion besonders siegessicher. Doch dann hat es die mitgliederstärkste Fraktion tatsächlich geschafft, nicht die notwendigen Unterstützer zu finden.