Allerley Kriegsfolck“ – Argeste lädt ein: Die Spiele beginnen

Ergste. Wir schreiben das Jahr 1598. Herman von Nehern seufzt: „Herr,
verschone uns vor den Spaniern und der Pest.“ Seine Stadt, sein Swierte, muss
auf allerhöchste Anweisung „allerley Kriegsfolck“ von der iberischen Halbinsel
unterbringen und verköstigen. Was wollen die Soldaten aus dem Süden in der
wohlhabenden Stadt an der Ruhr?

Dieser Frage können Kinder in der Zeit vom 10. bis zum 15. Oktober
2016 im Elsebad nachgehen. Anmeldungen für das historische Spiel in Argeste
sind noch möglich auf der Internetseite des Museums (www.ruhrtalmuseum.de).
Einmal im Leben ein richtiger Ritter sein, als Schmiedegeselle an der Esse
stehen oder als Ratsherr die Geschicke einer mittelalterlichen Stadt bestimmen.
Wer hat in seiner Kindheit nicht davon geträumt? Die Gelegenheit dazu bietet
sich bald ein weiteres Mal, wenn das historische Spiel in Argeste beginnt.
Seit mittlerweile 19 Jahren betreten Kinder und Jugendliche jeweils für eine
Woche den Zeittunnel im historischen Dorf auf dem Gelände des Elsebads. Und wenn
sie nicht zuvor schon geschichtsbegeistert waren, nach ihrer Rückkehr sind sie
es auf jeden Fall.
Jeweils von 10 bis 16 Uhr lassen die Teilnehmer den Stress der Moderne hinter
sich und schlüpfen in die Rolle (und Gewänder) einer historischen Person:
Klatsch auf dem Marktplatz statt WhatsApp-Gruppe, handwerkliche Arbeit statt
Pokémon Go.
Diesmal tauchen die Kinder ein in das Jahr 1598. Herman von Nehern betritt
seine Heimatstadt Swierte mit gemischten Gefühlen. Er kommt von einer
beschwerlichen Reise aus Kleve. Dorthin hatte ihn der Landesherr Herzog
Johann-Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg befohlen. Auch ein Herr aus Spanien war bei
dieser Versammlung, Admiral Franciso Hurdado de Mendoza. Was er zu sagen hatte,
klang gar nicht gut: Swierte hat ab sofort spanische Soldaten aufzunehmen, zu
verköstigen, zu bezahlen und unterzubringen.
Was sollte das? Was haben die Spanier in Swierte zu suchen? Gewiss, die
swierter Kaufleute waren wohlhabend, verkauften Rüstungen und Waffen nach ganz
Europa. Oder ging es mal wieder um den richtigen Glauben? Man hörte, dass der
spanische König gnadenlos Ketzer jagen und verbrennen ließ. Aber in Swierte
herrschte Frieden zwischen den Glaubensparteien.
Margarethe Molderpass, die Frau des Richters, wusste mehr. Sie hatte als
Kauffrau und Calvinistin Freunde in den Niederlanden. Dort hatten sich die
Untertanen gegen ihren Herrn, den König von Spanien, erhoben und führten nun
Krieg. Die Aufständischen hatten sich sogar einen eigenen König gewählt, Wilhelm
von Oranien-Nassau.
All das beruhigte Herrn von Nehern nicht. Geriet sein kleines Swierte nun in
die Mühlen der Weltpolitik? Er ging zur Kirche und betete: „Herr verschone
uns…“.