Argentinische Impressionen

Frederik (im schwarzen T-Shirt) und Dustin, beide 20, absolvieren zur Zeit einen freiwilligen Arbeitseinsatz im Kinderhilfsprojekt von Louisa e.V. im nordargentinischen Garupá. Maria Ester Grulke (r.), Gründerin und treibende Kraft des Vereins, freut sich über die Unterstützung. (Foto: privat)

Schwerte/Garupá. (Red.) Maria Ester Grulke und Louisa e.V. – diese Namen sind in Schwerte ein Begriff. Die gebürtige Argentinierin ist treibende Kraft des Kinderhilfsvereins Louisa, der in Garupá unweit der Grenze zu Paraguay die Not speziell der Kinder in den Armenvierteln zu lindern hilft. Dank der Spenden vieler Schwerterinnen und Schwerter konnten bereits ein Speisesaal mit Küche sowie eine eigene Bäckerei entstehen. Das Projekt dient auch der Begegnung von Jung und Alt. Ein Altenwohnheim ist in Planung.

„Ohne Hilfe, sei es durch Geld- oder Sachspenden oder den freiwilligen Einsatz vor Ort in Garupá, wäre unsere Arbeit unmöglich“, sagt Maria Ester Grulke, die gerade wieder in ihrem Heimatort aktiv ist und sich über die Unterstützung durch Frederik Löhrer und Dustin Decker, beide 20, freut. Die beiden Jugendlichen sind bereits seit knapp drei Monaten vor Ort.

Gut eingelebt

Sie berichten: „Dustin und ich haben uns bisher ganz gut eingelebt. Wir leben auf dem Gelände der Louisa-Kinderhilfe in einem knapp 20 Quadratmeter großen Zimmer. Direkt nebenan befindet sich auch unser Arbeitsplatz, wo wir mit den Kindern spielen und uns aufhalten.

Wie ein Dorf

Garupá, ein Vorort von Posadas, erinnert an ein Dorf. Hier sind nur die Hauptverkehrstraßen geteert. Die restlichen Straßen bestehen aus grob nebeneinandergelegten Steinen oder einfach aus der für den Nordosten Argentiniens typischen roten Erde. So ist man auch dementsprechend dreckig, wenn es regnet oder es geregnet hat, da die Straßen teilweise voller Schlamm sind und sich riesige Wasserpfützen bilden.

Kleine Hütten

Die Häuser in Garupa sind zu einem großen Teil nur kleine Hütten mit Wellblechdächern. Man kann sich das kaum vorstellen, wie die Menschen darin leben können bei Temperaturen von 38 Grad und mehr. In unserem Apartment wird es schon unerträglich heiß, obwohl sich der Ventilator den ganzen Tag dreht. Schlimm ist aber nicht die Hitze an sich, sondern die hohe Luftfeuchtigkeit.

Insektenbesuch

Wenn es hier regnet, dann fast immer richtig heftig für ein paar Stunden. Das gute am Regen ist, dass sich dadurch ein bisschen abkühlt, aber dafür lösen sich die Straßen wieder im Regen auf. Ein weiterer Nachteil des Regens ist, dass vor allem Spinnen und andere Insekten Schutz suchen. So erschreckten wir uns gewaltig, als eine handgroße Tarantel in unserem Zimmer saß, nachdem es wieder einmal heftig geregnet hatte. Und gegen die zahllosen Kakerlaken führen wir einen regelrechten Krieg.

Gut aufgenommen

Montags bis freitags stehen wir gegen 8 Uhr stehen wir auf und gehen zur Küche, wo zwei Frauen das Essen für die Kinder vorbereiten. Wir versuchen dabei so hilfreich wie möglich zu sein und schneiden Gemüse oder erledigen die Aufgaben, die um die Essensausgabe herum anfallen. Das Brot für die Kinder muss aus der Bäckerei geholt werden und die Essensausgabe sauber gehalten werden. Gegen halb 10 kommen die ersten Kinder. Sie sind zwischen 3 und 14 Jahren alt und haben uns super aufgenommen. Trotz der anfänglichen Sprachbarriere sind sie, von einigen Ausnahmen mal abgesehen, total nett, offen und neugierig.

Zur Schule

Gegen 11 Uhr wird nach einem kleinen Gebet gegessen, meist einfache Hackfleisch-Eintöpfe mit Brot. Zusätzlich kriegen die Kinder auch noch einen Beutel Brot mit nach Hause. Nachdem die Kinder gegessen haben, wird entweder noch etwas Obst oder eine kleine Süßigkeit ausgeteilt und die Kinder begeben sich zur Schule, die hier in Argentinien nur dreieinhalb Stunden für die Kinder dauert und nicht immer morgens anfängt. Wenn sie sich auf den Weg zur Schule gemacht haben, machen wir die Essensausgabe sauber und sind dann auch fertig.

Unfair

Im Bezug auf die Kinder ist uns aufgefallen, wie wenige Unterschiede es doch zwischen europäischen und argentinischen Kindern gibt und wie unfair es doch erscheint, dass wir in eine reiche Welt hineingeboren werden, wohingegen die Kinder hier in bitterer Armut aufwachsen und sich ihnen nur ein kleiner Bruchteil der Chancen eröffnet, die sich uns ergeben.“