Auf Tour mit Scooter und Rolli – Barrierefreiheit: Wo kann nachgebessert werden?

Barrierefreiheit: Wo kann nachgebessert werden?
Mitglieder der SPD und der Linken trafen sich in dieser Woche mit dem Scooterfahrer Peter Franzl und dem Rollifahrer Karl-Friedrich Pautz, um Missstände im Hinblick auf die Barrierefreiheit aufzuzeigen. Hier an der Einmündung Kuhstraße / Goethestraße lauert trotz Absenkung Gefahrenpotential. (Foto: Norbert Fendler)

Schwerte. Peter Franzl ist ein echter Scooter-Profi – zwangsläufig. Seit Jahren schon fährt er mit seinem vierrädrigen Elektromobil durch Schwerte – und stößt dabei immer wieder auf Hindernisse. Zwar hat die Stadt Schwerte die Lage im Hinblick auf Gehbehinderte recht gut im Griff, doch da und dort gibt es noch Ecken, wo es hakt. Da kommt Peter Franzl dann nicht so recht weiter mit seinem Scooter.

Perspektivwechsel

Kürzlich hat sich der Schwerter mit einem Schreiben an die SPD-Fraktion und „Die Linke“ gewandt, in dem er Missstände in puncto Barrierefreiheit aufzeigte. In dieser Woche trafen sich Ursula Meise, Angelika Schröder, Heinz Haggeney, Sigrid Reihs, Natascha Baumeister und Mitglieder der AG 60+ unter dem Vorsitz von Siegfried Beisemann sowie Machthild Kayser von der Linken mit Peter Franzl und dem Rolli-Fahrer Karl-Friedrich Pautz, um an mehreren Punkten im Stadtgebiet Mängel unter die Lupe zu nehmen.

„Das ist auch ein interessanter Perspektivwechsel“, so Angelika Schröder“, denn Gehbehinderte nehmen Straßen, Wege und Bürgersteige natürlich ganz anders wahr.“ Für Rollstuhl- oder Rollifahrer tun sich dann Hindernisse auf, die andere kaum bemerken mögen.

Hellpothstraße Schieflage
Barrierefreiheit: Wo kann nachgebessert werden?

Bereich Rathaus: Ein Hindernis ist beispielsweise das „Dreieck“ im Kreuzungsbereich Rathausstraße in Richtung Rathaus, wo mehrere Spuren abzweigen. Hier bleibt Franzl stecken. An der Rathaustreppe wird bemängelt, dass die oberste und unterste Treppenstufe nicht durch Farbmarkierungen gekennzeichnet sind – schlecht für Sehbehinderte. Gelobt werden hingegen die beiden gut zu erreichenden Behindertenparkplätze auf dem Rathaus-Parkplatz.

Einmündungsbereich Kuhstraße von der Bethùnestraße aus: Hier ist die Bürgersteigkante zu hoch. Kuhstraße / Goethestraße: Die Absenkung ist in Ordnung, aber es ist sehr eng für einen Scooterfahrer, „hier fahre ich direkt in den Verkehr rein, wenn ich in die Goethestraße abbiegen will“, sagt Peter Franzl.

Haselackstraße: Parkende Autos und Wertstofftonnen stellen oft ein Hindernis dar.
Der schmale und sehr verkommene Durchgang zum Nordwall ist nicht nur für Gehbehinderte ein Ärgernis. Mit Rolli, Rollstuhl oder Scooter ist ein Durchkommen schwierig.

Kreuzung Ostenstraße / Hellpothstraße. Hier gibt es keine Querungshilfe und auf der Seite der Parkplatz- bzw. Bauminsel keinen Bürgersteig. Im oberen Bereich der Hellpothstraße ist eine schiefe Piste, die kaum Bürgersteig genannt werden kann. Hier gerät Peter Franzl mit seinem Gefährt in eine bedenkliche Schieflage.

An diesem Punkt endete die „Ortsbegehung“. Angemerkt wurde aber auch noch, dass hinter der Rohrmeisterei in Richtung Ruhr Schluss ist für Rollstuhlfahrer: Sackgasse! Und auch der große Markt ist, wie man weiß, eine echte Herausforderung für Gehbehinderte.

Beschwerdeausschuss

Abschließend sagte Ratsfrau Natascha Baumeister: „Wir sind Peter Franzl sehr dankbar, dass er uns an Ort und Stelle und in Praxis die Probleme aufgezeigt hat. Wir haben ihm daher empfohlen, sich mit seinen Feststellungen zur Behebung der Missstände an den Ausschuss für Bürgeranregungen und Bürgerbeschwerden im Rat der Stadt Schwerte zu wenden.“ Es ist bereits viel erreicht worden in Schwerte, doch nun geht es um den „Feinschliff“. Der Beschwerdeausschuss tagt am 6. Februar im Rathaus.