Behindert durch Schwerte

Schwerte. (NO) Eine gesprungene Bodenplatte, lose Pflastersteine, Löcher im Gehweg, unebene Bordsteinkanten… Wer jung und gesund ist, nimmt die Schäden auf Schwertes Gehwegen kaum wahr. Ein großer Schritt und das Hindernis ist überwunden. So einfach haben es Alte und Behinderte nicht. Für sie ist so mancher Gang durch die Hansestadt an der Ruhr mit Unsicherheit, Angst vor Stürzen und Schmerzen verbunden.

Augen öffnen

Davon kann Monika Radtke-Rüther ein Lied singen – wenn ihr danach zumute wäre. Die 59-jährige ist durch mehrere schwere Krankheiten – Rheuma, Arthrose – gehbehindert. Ohne Rollator geht gar nichts. Umso mehr regt sich die resolute Frau über die vielen Hindernisse auf, mit denen sie sich – wie viele andere Alte und Kranke auch – konfrontiert sieht. Wer mit ihr durch die Straßen geht, sieht Schwerte plötzlich mit ganz anderen Augen.

Viele Schäden

„Achten sie mal ganz bewusst auf den Zustand der Bürgersteige!“, empfiehlt Monika Radtke-Rüther ihren Mitbürgern. „Da sind Platten locker, andere fehlen ganz, Löcher sind mit Teer notdürftig geflickt oder werden gar nicht repariert. Jede Unebenheit im Pflaster rüttelt meinen Rollator durch und schlägt durch bis auf die Knochen. Jeder Gang ist für mich eine Tortur und ich habe Schmerzen vom Scheitel bis zur Sohle!“

Durch Verhältnisse behindert

Beim Beschwerdemanagement der Stadt ist die leidgeprüfte Schwerterin ein „gute Bekannte“. Mal haben ihre Eingaben mehr, meist weniger Erfolg. „Ich bin auch durch die Verhältnisse auf unseren Gehwegen behindert. Dabei will ich doch nichts Unmögliches!“, empört sich Monika Radtke-Rüther. „Nur, dass die Schäden vernünftig in Ordnung gebracht werden und nicht einfach nur mal da und dort ein Haufen Teer reingeschmiert wird. Platten austauschen, Unebenheiten ausgleichen, da könnte man doch mit relativ wenig Mitteln und Geld schon Abhilfe schaffen!“

Zu schmal

Auch an vielen abgesenkten Bordsteinen an Fußgänger-Überwegen hat die 59-Jährige einiges auszusetzen. „Diese Stellen sind oft gar nicht vollständig abgeflacht, manchmal ist immer noch eine kleine Stufe zu überwinden. Und warum sind die Absenkungen so schmal, dass sie meist nur von einem Rollstuhl- oder Rollatorfahrer genutzt werden können? Schon zwei Personen nebeneinander passen nicht durch die Schneise. Da hätte man doch besser planen können.“

Auch der Nutzen der weißen, mit Noppen versehenen Markierungsstreifen an der Ecke Beckestraße an der Einfahrt zu Rewe und Aldi schräg gegenüber dem Bahnhof ist für Monika Radtke-Rüther nicht ersichtlich. Für sie jedenfalls sind sie nur ein weiteres, schmerzhaftes Hindernis. „Wenn es eben geht, fahre ich mit dem Rollator auf dem Straßenrand. Da ist es immer noch am flachsten!“

Unbequeme Bänke

Ein weiterer Kritikpunkt der gehbehinderten Schwerterin sind viele Bänke im Stadtgebiet. „Im großen und ganzen sind ja genug da, aber diese Bänke aus Drahtgeflecht sind schon sehr unbequem und müssen offenbar auch immer geflickt werden. Vielleicht wäre eine Investition in solide Holzbänke sinnvoll. Die sind zwar teuer, aber dafür auch wesentlich haltbarer. Die Stadt könnte ja mal darüber nachdenken, neue Bänke von Firmen sponsern zu lassen.“ Die Bände im Stadtpark scheinen zwar recht solide zu sein, sind aber nach Monika Radtke-Rüthers Empfinden auch nicht gerade empfehlenswert. Denn: „Die kantige Metalleinfassung machen das Sitzen sehr unbequem und strahlt außerdem Kälte aus.“

„Auch wir sind Schwerte“

Wie bereits berichtet, hat auch die AG 60plus im Stadtverband der SPD bereits etliche Problemstellen im Innenstadtbereich aufgezeigt, mit denen Alte und Gehbehinderte zu kämpfen haben, und gemeinsame Begehungen durchgeführt. „Das ist lobenswert, aber die AG 60plus ist mir noch viel zu zahm“, findet Monika Radtke-Rüther. Sie jedenfalls mag sich nicht mit den Gegebenheiten abfinden. „Ich nerve weiter“, verspricht sie. „Denn Behinderte und Senioren – wir sind ja schließlich auch ein Teil von Schwerte!“