Bildung und Arbeit für Flüchtlinge

Schwerte. (Red.) Die Rohrmeisterei ist einer der ersten Betriebe der Region, die mit dem Instrument der Einstiegsqualifizierung seit Februar Flüchtlingen Zugang zu Bildung und Arbeit eröffnet. Sieben junge Menschen mit Bleibeperspektive wurden gemeinsam mit Bundesagentur für Arbeit, „Kümmerern“ aus dem AK Asyl und nach Hospitationen ausgewählt und haben am 1. Februar 2016 – der Wochenkurier hat darüber berichtet – die halbjährige Vorstufe zur Ausbildung in den Bereichen Küche, Service und Veranstaltungstechnik begonnen. Eine Teilnehmerin ist inzwischen ausgeschieden, weil sie sich beruflich anderweitig orientieren möchte.

Fachlich betreut

„Unser Ziel war: schnell und direkt zu sein und damit herauszufinden, wie es gehen kann“, erklärt Tobias Bäcker, Vorstand der Bürgerstiftung Rohrmeisterei. Die Maßnahmeteilnehmer haben ihre jeweiligen fachlichen Vorgesetzten, bei speziellen und übergreifenden Fragen werden sie von Michele Demant betreut, Vorstandsbevollmächtigte für Recht und Finanzen bei der Bürgerstiftung, die das Projekt entwickelt hat. Monatlich findet eine Jour fix mit Teilnehmern, Vorgesetzten und Arbeitsagentur statt, bei dem anstehende Fragen geklärt werden. So wurden die Anmeldung zur Sozialversicherung gemeinsam auf den Weg gebracht, Formalitäten mit der Ausländerbehörde geklärt, die Verrechnung des Monatsverdienstes mit der sozialen Grundsicherung erläutert usw.

Beteiligte sind zufrieden

Die Beteiligten sind mit dem bisherigen Verlauf des Projekts sehr zufrieden. In puncto Motivation und Zuverlässigkeit, fachliche Eignung und Leistungsfähigkeit stehen die EQJ-ler den deutschen Auszubildenden in nichts nach. Lediglich die fehlenden Sprachkenntnisse sind ein ernsthaftes Problem. Da das örtliche Kursangebot mit den Arbeitszeiten im Betrieb nicht kompatibel war und nach einem ersten Einstiegssprachkurs auch ausgelaufen ist, hat die Rohrmeisterei kurzerhand einen eigenen betrieblichen Sprachkurs organisiert – und finanziert. „Hier sehen wir aber eigentlich eine Grenze des betrieblichen Engagements“, meint Tobias Bäcker.

Gute Chance auf Ausbildungsplatz

Nach jetzigem Stand haben alle Projekt-Teilnehmer eine gute Chance, im August mit einem Ausbildungsplatz übernommen zu werden und dann die reguläre dreijährige Ausbildung starten zu können. Die endgültige Entscheidung dazu fällt im Juli – sowohl seitens der Rohrmeisterei, als auch bei den Teilnehmern. „Beide Seiten müssen dann noch einmal ‚Ja‘ zueinander sagen“, erläutert Demant, und auch ein „Nein“ im ein oder anderen Fall sei kein Beinbruch, wie bei normalen Bewerbungsverfahren auch. In jedem Fall will die Rohrmeisterei im August mit neuen Teilnehmern eine neue EQJ-Phase einleiten und damit weiteren Flüchtlingen eine Integrations-Chance anbieten.

Das Projekt passt laut Bäcker einerseits zu den gemeinnützigen Satzungszwecken der Bürgerstiftung – Bildung, Integration, Qualifizierung. Andererseits liegt es auch im Interesse des Gastronomie-Betriebs der Stiftung, der – wie die ganze Branche – mit Nachwuchsmangel bei Auszubildenden zu kämpfen hat. „Mit den Teilnehmern besetzen wir Ausbildungsplätze, die wir mit deutschen Bewerbern nicht besetzen konnten.“

Großes Interesse am Projekt

Das Modellprojekt hat seit seinem Start im Februar für viele Nachfragen gesorgt. Andere Betriebe, u.a. die Schwerter Stadtsparkasse, haben sich über die Vorgehensweise der betrieblichen Integration, informiert. Michele Demant hat das Projekt bei der Stifterversammlung der Rohrmeisterei und einem Gastronomen-Seminar von Dehoga und IHK vorgestellt. Die Ruhrwirtschaft berichtet über das Projekt, ebenso der WDR in seiner Sendung Westpol. Wolfram Kuschke, Staatsminister a.D. und Kuratoriumsmitglied der Rohrmeisterei, hat kürzlich im NRW-Integrationsministerium über das Modellprojekt berichtet.