Dabei bis zum Ende

Schwerte. (NO) Sterben ist in Schwerte kein Tabu-Thema mehr. Vor allem Dank des Vereins „Die Brücke“, der seit 30 Jahren Sterbe- und Trauerbegleitung leistet. Das wird heute im Paul-Gerhardt-Haus gefeiert. Grund zur Freunde auch für die gebürtige Hamburgerin Antje Drescher. Die Gründerin und ehrenamtliche Geschäftsführerin der „Brücke“ ist an der Begleitung Sterbender gewachsen. „Man wird ein anderer Mensch“.

„Angefangen sind wir mit dem Gedanken“, so Antje Drescher, „das ‚Zu Hause Sterben‘ zu ermöglichen. Das war ein mühsamer Weg. Die Begleitungen, zu denen wir anfangs gebeten wurden, fanden fast alle im Krankenhaus, wenige dann in den Altenpflegeheimen und noch weniger zu Hause statt. Das hat sich im Laufe der Zeit geändert. Der Einsatz in den Altenpflegeeinrichtungen hat sich allerdings als eine gute Einführung in die Sterbebegleitung erwiesen.“

Für das Herz zuständig

Nach einer ausgeheilten Herzkrankheit machte Antje Drescher ihre erste Erfahrung mit der Sterbebegleitung. Schlüsselerlebnis war der Tod ihrer krebskranken Freundin, der sie half, zu Hause in vertrauter Umgebung vom Leben Abschied zu nehmen. „Freunde und Nachbarn waren für die Pflege zuständig, ich fürs Herz“, sagt Antje Drescher. Und erinnert sich, dass vor rund drei Jahrzehnten Geriatrie und Palliativmedizin noch nahezu unbekannte Begriffe waren. „Man stand ganz unvorbereitet vor den Sterbenden“.

Pionierarbeit

Mit großem Engagement war Antje Drescher dabei, als sich Menschen im Verein Omega zusammenfanden, um sterbende und trauernde Menschen zu begleiten. Als Mitglied des Bundesvereins hat sie nicht nur in Schwerte Pionierarbeit geleistet, sondern war auch an der Gründung und am Aufbau aller Regionalgruppen beteiligt. Eine der beiden Zentralen von Omega war schon damals in Schwerte angesiedelt.

Im Oktober 1986 kam im Evangelischen Krankenhaus – wo sich heute das Geschäftszimmer der „Brücke“ befindet – unter dem Motto „Sterben zuhause“ ein Kreis von rund 40 Personen zusammen. „Es war ein berührender Abend voller menschlicher Nähe. Erfahrungen und Lebensgeschichten wurden ausgetauscht und allen war klar, dass es Zeit ist, dem Sterben einen Raum zu geben“, erinnert sich Antje Drescher. Vor 30 Jahren schließlich gründete sie nach der Trennung von Omega den Schwerter Verein „Die Brücke“ – und ist bis heute dessen Seele.

Bis zum Ende des Weges

Die Begleitung von Sterbenden ist oft eine Freundschaft auf Zeit. „Nähe entsteht, Vertrautheit, ja Intimität, auch zu den Angehörigen. Und ich stellte fest: Man bekommt viel mehr zurück als man gibt“, sagt Antje Drescher. „Aber auch den Tod mitzuerleben, ist keine schreckliche Erfahrung, sondern eben das Ende des Weges hier auf der Erde. Oft ist die Sterbeerfahrung regelrecht tröstlich – und am Schluss kehrt Friede ein.“

Netzwerk

In Schwerte hat sich nicht zuletzt auch durch das Engagement von Antje Drescher ein Netzwerk in der Sterbebegleitung entwickelt, in dem „Die Brücke“, das Schwerter Hospiz, Einrichtungen der Altenpflege und das Evangelische Krankenhaus mit dem Schwerpunkt in der Geriatrie im Sinne sterbender Menschen und ihrer Angehörigen zusammenarbeiten. Die erfolgreiche Kooperation bringt Antje Drescher auf den Punkt: „In Schwerte lässt es sich mittlerweile gut sterben!“

Feier zum 30-Jährigen

Heute zählt die „Brücke“ rund 18 aktive Begleiterinnen und Begleiter, im Besuchsdienst sind 25 Freiwillige aktiv. Die älteste Begleiterin des Vereins ist Brigitte Bahmüller mit 86 Jahren, die in Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen Sterbende begleitet – mit einer Engelsgeduld, wie  man im Verein weiß. Der Altersdurchschnitt der Aktiven liegt bei etwas über 60. Weshalb man sich auch über jüngere Begleiterinnen und Begleiter freuen würde.

Das 30-jährige Bestehen der „Brücke“ wird am heutigen Samstag, wie bereits berichtet, von 11 bis 17 Uhr  im Paul-Gerhardt-Haus gefeiert. Interessierte sind herzlich willkommen. Wer sich in der Sterbe- und Trauerbegleitung engagieren möchte, kann Kontakt aufnehmen unter Tel. 02304 / 43123.